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Manic Street Preachers wüten auf "Journal For Plague Lovers"

Manic Street Preachers Journal For Plague Lovers

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Wem die Hintergründe zum neuen Album der Manic Street Preachers bislang verborgen geblieben sind, der wird eine ordentliche Überraschung erleben. Die Waliser machen eine Reise zurück ins Jahr 1995, dem Jahr, in dem ihr Gitarrist Richey Edwards vom Erdboden verschwand. "You know so little about me. What if I turn into a werewolf or something?" Komisch ist es ja schon, dass ausgerechnet die ersten Textzeilen, die man auf "Journal For Plague Lovers" vernimmt, nicht von Richey Edwards stammen.

Schließlich wurde das Album als eine letzte große Verbeugung vor dem 1995 verschwundenen und im vergangenen November offiziell für tot erklärten Mitglied angekündigt. Und die Verbeugung sollte unter anderem darin bestehen, dass die Basis des Albums die Textentwürfe und Notizen sind, die Edwards seinen Bandkollegen kurz vor seinem mysteriösen Verschwinden übergeben hatte.

Dass jetzt Christian Bale in seiner Rolle als "The Machinist" das Album eröffnet, ist aber nur logisch. Schließlich wussten auch seine engsten Vertrauten bis zu Edwards Verschwinden nicht, was wirklich in seinem Innersten vorging. Auch während der Aufnahmen zu "Journal For Plague Lovers" soll es Sänger James Dean Bradfield und den anderen Manics nicht immer leicht gefallen sein, den Gedankengängen ihres Freundes zu folgen. Abstrakte Skizzen wie "Riderless horses, Chomsky's Camelot / Bruises on my hands from digging my nails out" stehen beklemmenden Aussagen à la "The more I see, the less I scream" gegenüber. Philosophischer Punkrock, wenn man so will. Und die Manics wollten es so.

Die mittlerweile typischen Bombast-Pop-Hymnen sucht man auf dem neunten Studioalbum der Waliser vergebens. Mit Unterstützung von Steve Albini haben sie dafür gesorgt, dass "Journal For Plague Lovers" die perfekte Fortsetzung von "The Holy Bible" ist, dem letzten Album, an dem Edwards noch selbst beteiligt war. Dementsprechend trocken und verstörend präsentiert sich das Resultat, kurz angebunden und in den meisten Fällen auf Krawall gebürstet, versehen mit zeitreisenden Gitarren, einem manisch-zügellosen Sean Moore an den Drums und einem nicht minder eruptiv agierenden James Dean Bradfield am Mikrofon. Besser, detailverliebter und wärmer hätte man die Texte wohl kaum ummanteln können. Richey Edwards wäre zufrieden gewesen.

Bettina Dunkel


Datum: 21.05.2009

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