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Die Co-Produktionskönige von Cannes 2009

Auf den zweiten Blick

Auch 2009 war wieder einmal kein deutscher Regisseur im Wettbewerb von Cannes vertreten. Das kennt man von den Filmfestivals an der französischen Riviera mittlerweile. Aber: "Das ist eine Momentaufnahme. Ich glaube nicht, dass es eine Tendenz gibt, dass deutsche Filme in Cannes nicht ankommen", wehrt sich Mariette Rissenbeek gegen Schwarzmalerei. "Im letzten Jahr zum Beispiel war Andreas Dresen mit 'Wolke 9' eingeladen und wurde gefeiert." Es mag zwar Rissenbeeks Job als Pressesprecherin von German Films sein, Dinge positiv zu sehen. Dass die deutsche Filmindustrie beim Sonne-Strand-Kinotreffen aber gar keine Rolle spielt, lässt sich in der Tat nicht behaupten.

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Und damit sind keineswegs nur die Nazis gemeint, die von Quentin Tarantinos "Inglourious Basterds" betulich-zäh und missglückt parodiert werden. "Eine deutsche Kindergeschichte" ist zum Beispiel Michael Hanekes Wettbewerbsbeitrag "Das weiße Band" untertitelt, eine Studie über das Leben in Deutschland kurz vor dem Ersten Weltkrieg. "Das ist eine echte deutsche Produktion - mit deutschem Produzenten und deutschen Schauspielern", sagt Rissenbeek. Nur der Regisseur ist Österreicher, obschon in München geboren.

Im Zelt der Interessenvertretung der deutschen Filmindustrie, im Schatten des Festivalpalais' am Strand von Cannes, geht es jedenfalls geschäftig zu. Das Infoheft führt 13 Filme mit deutscher Produktionsbeteiligung auf, die in Cannes offiziell gezeigt werden. Einer wurde von einem Regisseur aus Deutschland realisiert: Eicke Bettinga präsentierte seinen Kurzfilm "Together" in der Reihe "Un Certain Regard".

Auch die beiden größten Themen des 62. Filmfestivals von Cannes sind zumindest teilweise deutscher Beteiligung zu verdanken. Neben Hanekes exzellent fotografiertem, erbarmungslosem "Das weiße Band", in dem Kinder zu Monstern werden, weil sie von den Erwachsenen lernen, enttäuschte Quentin Tarantino mit den "Inglourious Basterds" hohe Erwartungen und sorgte Lars von Triers "Antichrist" für die kontroversesten, emotionalsten Diskussionen dieses Festivaljahrgangs. Der eine erzählt mit vielen Stars und großem Ego, aber ohne Punkt, Komma und Pointe eine Nazi-Parodie, so zäh und langweilig wie ein Weltkriegskaugummi; der andere schickt Charlotte Gainsbourg und Willem Dafoe zwecks Seelenstrip und genitaler Selbstverstümmelung in den nordrhein-westfälischen Wald.

Beide Filme sind zu großen Teilen in Deutschland entstanden, Trier drehte "Antichrist" unter anderem in der Nähe von Köln, Tarantino verließ sich komplett auf die Filmstudios Babelsberg und deren Infrastruktur. Für seine "Basterds", die der Österreicher Christoph Waltz in einer der beiden tragenden Rollen vorm völligen Absturz bewahrt, scheint übrigens die komplette deutsche Schauspielzunft vorgesprochen zu haben. Neben Til Schweiger als dümmlicher Nazi-Schlächter, Daniel Brühl als schauspielender Wehrmachtssoldat und Diane Kruger als Doppelagentin tragen auch Sylvester Groth als Goebbels, Martin Wuttke als Hitler sowie in Nebenrollen Jana Pallaske, Christian Berkel, Eva Löbau, August Diehl, Gedeon Burkhardt und Michael Fassbender enthusiastisch das Ihre zum, unverschuldeten, filmischen Desaster bei.

Der Versuchung Tarantino hätte kaum ein Produzent der Welt widerstehen können. Aber auch generell scheinen Ko-Produktionen en vogue zu sein: "Deutsche Produzenten stellen sich internationaler auf, denken global. Das ist gewissermaßen eine Ergänzung ihres Portfolios", sagt Rissenbeek, ohne einen Trend ausmachen zu wollen. "Ko-Produktionen gab's immer, schon vor 20 und 30 Jahren. Nur in den 90-ern waren sie nicht so sehr gefragt." Im Moment seien sie aber wieder im Kommen, der Markt verändert sich, wird internationaler.

Die Herangehensweise an Produktionen wird dementsprechend angepasst. Das bekommt der Nachwuchs schon in der Schule eingetrichtert: "Ein Beispiel ist die deutsch-französische Masterclass an der Filmakademie Baden-Württemberg und einer Pariser Filmhochschule: Hier werden die Studenten in einem Aufbaustudiengang gezielt auf internationale Zusammenarbeiten vorbereitet." Die sie dann vielleicht auch in Cannes präsentieren können.

Andreas Fischer


Wo ist der deutsche Film? Beim 62. Festival de Cannes war er durchaus präsent, wenn auch oft als Ko-Produktion.
Wo ist der deutsche Film? Beim 62. Festival de Cannes war er durchaus präsent, wenn auch oft als Ko-Produktion. (Festival de Cannes)

So sieht er sich gern: Quentin Tarantino eingerahmt von seinen "Inglourious Basterds"-Darstellerinnen Mélanie Laurent (links) und Diane Kruger.
So sieht er sich gern: Quentin Tarantino eingerahmt von seinen "Inglourious Basterds"-Darstellerinnen Mélanie Laurent (links) und Diane Kruger. (Universal / Pascal Le Segretain / Getty Images)

Zumindest der Empfang am roten Teppich war glorious: Diane Kruger gehört zu den Stars von "Inglourious Basterds".
Zumindest der Empfang am roten Teppich war glorious: Diane Kruger gehört zu den Stars von "Inglourious Basterds". (Universal / Rachid Bellak)

Datum: 25.05.2009

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