Wenn die Jugendträume verwelken: "Zeiten des Aufruhrs"
Zeiten des Aufruhrs(cg/tsch) „Zeiten des Aufruhrs“, das Drama des „American Beauty“-Regisseurs Sam Mendes, ist eine exzellente Studie über die fatalen Folgen gesellschaftlicher Anpassung. Es sieht einem Ehepaar beim Scheitern am Kampf gegen das Spießbürgertum zu. USA der 50er: Mr. and Mrs. Wheeler (umwerfend verkörpert von Leonardo DiCaprio und Kate Winslet) ziehen in ein schönes Haus auf der Revolutionary Road ein. Der Name ist ironisch, denn revolutionär ist hier rein gar nichts. Gärten, Kinder, züchtige Nachbarn, biedere Gespräche beim Nachmittags-Kaffee-und-Kuchen-Treff. Dabei hatten sich die beiden jungen Menschen ihr Leben ganz anders vorgestellt. „Zeiten des Aufruhrs“ entlarvt den american way of life als Farce. Das tut der Film so intensiv, aufwühlend und realistisch, dass es mich nicht wundern würde, wenn manch eine Beziehung nach dem Kinobesuch in die Brüche ging. Endlich wieder vereint muss das Kinotraumpaar der 90er-Jahre mit einer Menge Lebenslügen aufräumen: Kate Winslet und Leonardo DiCaprio, die auf der "Titanic" zu Weltruhm dampften, werden von Sam Mendes in "Zeiten des Aufruhrs" (2008) geschickt. Der "American Beauty"-Regisseur seziert einmal mehr den amerikanischen Mittelstand und bringt seine Mythen auf DVD und Blu-ray-Disc zum Wanken. Winslet und DiCaprio spielen ein Ehepaar, in dessen Leben sich genau die Spießigkeit eingeschlichen hat, vor der sie immer fliehen wollten. Doch sie wollen ihrer ödes Vorstadtdasein hinter sich lassen und in der aufregenden Weltstadt Paris ein neues Leben beginnen. So weit der Plan. Doch es kommt natürlich ganz anders. Und ganz heftig. Frank und April Wheeler (DiCaprio, Winslet) sind ein Traumpaar, eines jener Duos, an denen sich eine ganze Nachbarschaft orientiert. Sie wohnen in der Revolutionary Road, in einem anonymen Vorort von New York. Nach nur drei Filmminuten sind sie dort angekommen, Sam Mendes verschwendet keine Zeit. Seine Prelude ist präzise - dem Kennenlernen von Frank und April bei einer Party widmet er zwei, drei Einstellungen und ein paar Schlüsseldialogzeilen. Träume, Unangepasstheit, die Notwendigkeit, sich auszuprobieren, kommen darin vor. All das, was schnell in Vergessenheit gerät. Dabei dachten die Wheelers, sie wären so anders. Doch Träume wahr werden zu lassen, erfordert Mut. Den hat vor allem Frank nicht. Es folgt die Ernüchterung, das Scheitern. Es ist ein großartiges Duell, das sich Winslet und DiCaprio in den Turbulenzen ihrer Ehe liefern. Miteinander, füreinander, gegeneinander - es ist fast beängstigend, wie gut die beiden Darsteller als Paar funktionieren. Regisseur Sam Mendes setzt die grandiose Romanvorlage von Richard Yates superb um, er destilliert die Emotionen heraus, arrangiert die Szenen mit variierendem Rhythmus zu einer Sinfonie des Lebens. Reinigend und schmerzhaft zucken die Seelenblitze auf dem Bildschirm, von Sam Mendes mit kühler Präzision komponiert. Dies gilt ebenso für den stimmungsvollen Soundtrack, für den der erfahrene Filmkomponist Thomas Newman verantwortlich zeichnete. Die Qualität des Tons und die klare Tiefenzeichnung kommen bei den dynamischen Musikpassagen gut zur Geltung. Die Optik der DVD schwelgt beim Vintage-Look der 50er-Jahre in warmen Farbtönen. Die werden brillant wiedergegeben. Die Tiefenschärfe ist vorbildlich, ebenso die Hell-Dunkel-Kontrastierung. Die Extras schließlich geben interessante Einblicke zur Entstehung des Films. Andreas Fischer bewertungsbox
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Credits: |
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