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Zäher Kitsch in Großaufnahme: "Benjamin Button"

Der seltsame Fall des Benjamin Button (Special Edition, 2 DVDs)

(vm) David Finchers 'Der seltsame Fall des Benjamin Button' ging bei den Oscars in den wichtigsten Kategorien leer aus. Brad Pitt, der Hauptdarsteller, auch. Zu Recht. Die große Aufmerksamkeit, die dem Film zuteil wurde, war ohnehin völlig ungerechtfertigt. Fincher und Pitt, die 'Fight Club'-Helden, machten mit 'Der seltsame Fall des Benjamin Button' ihre alten Fans sprachlos. Denn dieses Pseudo-Epos ist so langweilig, kitschig und brav wie einst 'Fight Club' cool, mutig und kontrovers war. 'Der seltsame Fall des Benjamin Button' pflegt zweieinhalb Stunden lang die Langatmigkeit und gefällt sich in dem pseudo-künstlerischen Anspruch, rein gar nichts aussagen zu wollen.

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Es ist eine ganz normale Geschichte: Ein Mann wird geboren. Erlebt seine Kindheit. Er trifft Menschen, bedeutende und weniger bedeutende. Er verliebt sich - anderthalbmal. Er geht arbeiten, sammelt Erfahrungen. Lernt Verzicht, beginnt irgendwann, alt zu werden. Dass da nichts Aufregendes passiert, macht den Film aus. Um es aber doch ein bisschen interessanter zu machen, passiert das Ganze rückwärts.

Button wird als Greis geboren, ein verknittertes, vom "Leben" gezeichnetes Baby. Er wird erwachsen, aber eben immer jünger, bis er am Ende ein kleiner Junge ist. Auch dieser Kniff wurde von der Kritik hoch gelobt und als „sehr gewagt“ bezeichnet. In Wirklichkeit führt aber dieser Rückwärtsgang zu keinem interessanten Dreh der Geschichte. Auf eine Erklärung, warum die Natur diesem Mann ein konträres Leben geschenkt hat, wartet man vergebens. Es ist einfach so, wie es ist, und das dient keinem Zweck.

Nur lernt der immer jünger werdende Button (Pitt), wie es ist, Menschen zu verlieren. Doch das lernt eigentlich auch jeder, der im „Vorwärtsgang“ lebt.

Der Film basiert auf einer Kurzgeschichte, dauert aber ganze 159 Minuten. Was bedeutet: Die meiste Zeit geschieht gar nichts. Das Drama schwelgt ununterbrochen in Emotionen, die kitschig und vor allem uninteressant sind, und will um jeden Preis den Eindruck erwecken, es handle von Großem. „Der seltsame Fall des Benjamin Button“ möchte eine Elegie sein, schafft es aber nicht, seinen eigenen Anspruch zu erfüllen.

Nichts Aufregendes zu erzählen, das sollte gerade das Aufregende an diesem Film sein und seine elegische Größe ausmachen. Gegen den Anspruch, eine langweilige Geschichte erzählen zu wollen, lässt sich an sich nichts einwenden. Wenn man aber diese selbst langweilig erzählt, indem man sie in ein altbackenes Voice-Over verpackt und vom Anfang bis zum Ende dasselbe langsame Erzähltempo einhält, ist das Resultat ungefähr so aufregend, wie der Farbe beim Trocknen zuzusehen.

Einzig und allein auf der technischen Ebene vermag „Der seltsame Fall des Benjamin Button“ Großes zu bieten. Makeup und Effekte tun ihr Bestes, um das Geschehen glaubwürdig und gut aussehen zu lassen. Die Qualität der aufwendigen Bilder ist gut auf DVD übertragen worden: Dank satter Farben und exzellentem Kontrast sind sie hervorragend. Geschickt vermischt der Film die Zeitebenen, er erhält durch Sepia-Farben einen gelungenen "historischen" Anstrich. Selbst in den vielen dunklen Szenen des Films gehen keinerlei Informationen verloren, die Detailschärfe ist enorm. Der Film erscheint in einer normalen, eher spärlich ausgestatteten Version und einer 2-Disc Special Edition mit über einem Dutzend Behind-the-Scenes-Featurettes, Fotogalerien und einem Kommentar von Regisseur David Fincher.

Auch auf Blu-ray-Disc erhältlich.

Claas Nielsen

Vanya Müller

bewertungsbox

bildformat 2,40:1 (anamorph)
sprachen Deutsch (5.1), Englisch (5.1), Spanisch (5.1)
untertitel Deutsch, Englisch, Spanisch, Portugisiesch
extras Die seltsame Geburt des Benjamin Buttons: 14 "Hinter den Kulissen"-Dokus; Fotogalerien: Produktion, Storyboard, Ausstattung, Kostüme; Audiokomentar David Fincher (Regie)
laufzeit 159 Mn.
tonsystem Dolby Digital
regionalcode Regionalcode 2
preis ca. 24 Euro
bewertung bild gut
bewertung ton gut
bewertung extras gut

Credits:
(USA 2008, R: David Fincher, D: Brad Pitt, Cate Blanchett, Julia Ormond u.a.)


David Fincher inszenierte mit "Der seltsame Fall des Benjamin Button" ein wunderbares Personenportrait.
David Fincher inszenierte mit "Der seltsame Fall des Benjamin Button" ein wunderbares Personenportrait. (Warner)

Benjamin Button (Brad Pitt) lebt rückwärts. Er wird in einem greisen Körper geboren und sein Leben endet als Kind.
Benjamin Button (Brad Pitt) lebt rückwärts. Er wird in einem greisen Körper geboren und sein Leben endet als Kind. (Warner)

Auf seinen zahlreichen Reisen begegnet Benjamin (Brad Pitt) unter anderem auch Elizabeth, gespielt von Tilda Swinton.
Auf seinen zahlreichen Reisen begegnet Benjamin (Brad Pitt) unter anderem auch Elizabeth, gespielt von Tilda Swinton. (Warner)

Datum: 31.05.2009

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