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Teil 1 von Soderberghs Mammut-Projekt: "Che - Revolucion"

Che - Revolucion

(vm/tsch) Steven Soderberghs Mammut-Projekt "Che", der Verfilmung des Lebens Ernesto Guevaras, fieberten Kritiker lange entgegen. Nun ist der Film da und die Kritiker ratlos. Viereinhalb Stunden lang beansprucht das Biopic die Aufmerksamkeit des Zuschauers und macht es ihm auch gar nicht leicht, über diese Tatsache hinwegzusehen. Eine der legendärsten, geheimnisvollsten und umstrittensten Personen des 20. Jahrhunderts bleibt auch nach viereinhalb Stunden nach wie vor legendär, umstritten und geheimnisvoll. Denn in „Che“ erfährt man nicht viel über Che. Man sieht ihm beim Zigarre-Rauchen, Reden-Halten oder Auf-jemanden-Schießen zu, ohne jemals über seine Beweggründe und schon gar nicht über sein Privatleben aufgeklärt zu werden. Das strapaziert auf Dauer die Geduld und man versucht, sich zumindest an Benicio Del Toro zu erfreuen, dessen Schauspiel ohne Zweifel eine Hochleistung ist. Die Riesenproduktion kommt nun als Zweiteiler in die Kinos: „Che - Revolucion“ (11. Juni) und „Che - Guerilla“ (23. Juli).

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Die Kampfstiefel, die Zigarre, der stechende Blick, der Bart. Fast scheint es, als vergewissere sich die Kamera eingangs der ikonischen Merkmale des Helden, dargestellt durch einen bedingungslosen, ungeheuer wuchtigen Benicio Del Toro (der in Cannes als bester Darsteller ausgezeichnet wurde). Die Schwarz-Weiß-Aufnahmen stammen von einem nachgestellten Fernsehinterview, das Ernesto "Che" Guevara 1964 einer US-Reporterin in Havanna gab. Szenen hieraus, wie auch aus seiner Propagandarede im November desselben Jahres vor den Vereinten Nationen in New York, werden im Folgenden immer mal wieder eingeflochten. Sie bleiben die einzigen Anhaltspunkte, die auf einen größeren Verstehenszusammenhang zielen.

Mit einer neu entwickelten, ultraleichten und doch hochauflösenden Digitalkamera heftete sich Soderbergh an die Fersen des Revolutionärs. Hinein in den kubanischen Dschungel, heraus mit episodischen Impressionen aus dem Guerilla-Alltag. Womit zum erzählerischen Prinzip des Films schon fast alles gesagt wäre. "Hanging around with Che Guevara" - Abhängen mit Che - so hat Soderbergh sein Leitmotto selbst umrissen. Und genau danach schaut's auch aus.

Man beobachtet den jungen Argentinier Che, wie er mit Fidel Castro (Demián Bachir) und 80 weiteren Revolutionären mit dem Boot nach Kuba übersetzt. Man sieht ihn in der Folge oft beim Zigarre Rauchen, beim Versorgen von Verwundeten, beim Einschwören seiner Truppe, beim Schießen, bei Asthmaanfällen und dann wieder alles von vorn. Und wenn das Batista-Regime, deren Gräuel nirgends wirklich sichtbar werden, endlich bezwungen ist, sagt Che: "Wir haben nur den Krieg gewonnen. Die Revolution fängt erst an." Wie er sich doch täuschte.

Fidel Castro ist der gewiefte Strippenzieher im Hintergrund, Guevara der waghalsige Stratege im Schlachtgetümmel. So viel wird immerhin deutlich. Doch Che, "The Argentine" - so der originale Untertitel -, ist nicht alleine die Lichtgestalt unter den kubanischen Freiheitskämpfern. Er ist auch der Ausländer, eine Art Fremdkörper, und ein Rätsel bleibt er vor allem für die Zuschauer. So ganz versteht man nicht, was diesen gravitätischen Idealisten antreibt, kommt man seinen vielen Widersprüchen, die Soderbergh einfach unkommentiert stehen lässt, nicht auf den Grund. Hier der fürsorgliche Arzt, den dort der Hippokratische Eid nicht davon abhält, bisweilen auf Menschen zu schießen.

Man hätte gerne so viel mehr erfahren. Über Ches Frau und seine vielen Kinder, über seine Liebschaften, seine Gefühle, seine Beweggründe. Auch über die internationalen politischen Verstrickungen, die nur angedeutet werden. Doch Steven Soderbergh lehrt hier, wie auch im zweiten Teil, die Demut vor den Grenzen der Erkenntnis. Das psychologisierende Kino - vielleicht ist es ja nur eine große Lüge.

Jens Szameit

Credits:
V:Central Film, USA / E 2008, R: Steven Soderbergh, D: Benicio Del Toro, Rodrigo Santoro, Demián Bachir u.a.

Laufzeit: 131 Min.

Kinostart:
11. Juni 2009


Steven Soderberghs "Che - Revolucion" erzählt den Werdegang des Revolutionärs Ernesto "Che" Guevara bis zum Sturz des kubanischen Batista-Regimes im Jahr 1959. Teil zwei, "Che - Guerilla", startet am 23. Juli in den Kinos.
Steven Soderberghs "Che - Revolucion" erzählt den Werdegang des Revolutionärs Ernesto "Che" Guevara bis zum Sturz des kubanischen Batista-Regimes im Jahr 1959. Teil zwei, "Che - Guerilla", startet am 23. Juli in den Kinos. (Central Film / Senator)

Der Krieg ist gewonnen, die Revolution geht weiter: Che Guevara (Benicio Del Toro, links) und Mitstreiter Urbano (Kahlil Mendez) gönnen sich auf ihren Erfolg eine kubanische Zigarre.
Der Krieg ist gewonnen, die Revolution geht weiter: Che Guevara (Benicio Del Toro, links) und Mitstreiter Urbano (Kahlil Mendez) gönnen sich auf ihren Erfolg eine kubanische Zigarre. (Central Film / Senator)

Im November 1964 hält der kubanische Industrie- und Handelsminister Ernesto "Che" Guevara (Benicio Del Toro) eine flammende Rede vor den Vereinten Nationen in New York.
Im November 1964 hält der kubanische Industrie- und Handelsminister Ernesto "Che" Guevara (Benicio Del Toro) eine flammende Rede vor den Vereinten Nationen in New York. (Central Film / Senator)

Datum: 06.06.2009

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