(tsch) Es hilft, "Das Glücksprinzip" (2000) nicht als Abbild einer möglichen Realität zu verstehen. Natürlich ist die rührende Erzählung über einen Jungen, der die ganze Welt verbessern will, eher ein Märchen als eine echte Geschichte, die heute oder morgen irgendwo auf der Welt geschehen könnte. Wer das so sehen kann, nimmt dem Film die Momente kalkulierter Rührseligkeit und das Moralisieren nicht übel. Er versteht ihn als das, was er sein will: Gute Unterhaltung mit einer gut gemeinten Botschaft. Das Erste zeigt die namhaft besetzte US-Produktion nun zu später Stunde.
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Ein guter Film ist "Das Glücksprinzip" geworden, weil er über ausnehmend starke Darsteller verfügt, die nicht der Verführung erliegen, ihre komplexen Charaktere zu überzeichnen und sie so der Lächerlichkeit preiszugeben. Haley Joel Osment, der Millionen in "The Sixth Sense" von den Stühlen riss, spielt den Siebtklässler Trevor McKinney, der eines Tages von seinem neuen Sozialkundelehrer eine fürwahr knifflige Aufgabe erhält: Was, fragt der, könnte jeder Einzelne tun, um die Welt zu verbessern? Trevor denkt sich ein simples Schneeball-Prinzip aus: Er will drei Menschen etwas wirklich Gutes tun, "und schwierig muss es sein". Diese drei helfen dann wiederum drei anderen Menschen, und so geht es weiter.
Regisseurin Mimi Leder, die sich nach Filmen wie "Projekt Peacemaker" hier erstmals an ein actionloses Drama machte, erzählt die Story (Drehbuch: Leslie Dixon) aus zwei Richtungen. In der nahen Zukunft wird der Journalist Chris Chandler (Jay Mohr) von einem Fremden ohne Grund ein Auto geschenkt bekommen, nachdem seines bei einem Unfall zerlegt wurde. Chandler sucht nach den Motiven für diese gute Tat und kommt so der Bewegung auf die Spur, die dem "Glücksprinzip" folgte. Seine Recherchen führen ihn immer weiter zurück, bis zum Anfang der Kette, die eben bei dem kleinen Trevor McKinney liegt.
Der nimmt sich zunächst mal vor, seiner Mutter zu helfen. Arlene (Helen Hunt, mit Mut zur Hässlichkeit) ist alkoholabhängig und verfällt immer wieder dem zweifelhaften Charme ihres gewalttätigen Ex-Freundes (Jon Bon Jovi), der zugleich Trevors Vater ist. Zu gerne würde ihr Sohn sie mit seinem Sozialkundelehrer verkuppeln, denn auch der ist nicht perfekt. Verbrennungen entstellen sein Gesicht. Doch bis zur gelebten Liebe ist es ein weiter Weg, an dessen Ende Tränen fließen werden.
Wie schon bei "The Sixth Sense" steht auch bei diesem Film mit dem unglaublich guten Haley Joel Osment am Schluss ein dramatisches Ereignis bevor, was "Das Glücksprinzip" jedoch letzten Endes zu einem außergewöhnlichen, weil märchenhaften, aber eben nicht illusionären Film macht. Die ungewöhnliche Erzählform, die zwei Handlungen - eine aus der Zukunft, eine aus der Vergangenheit - hin zur unvermeidlichen Gegenwart treibt, sorgt zudem für Abwechslung, obwohl die eigentliche Grundfrage des Films schon zu Beginn positiv beantwortet wird: Kann "Das Glücksprinzip" funktionieren? Es kann. Zumindest spät nachts, im Ersten, wenn ein paar vor dem Fernseher sitzen, die tatsächlich an so etwas glauben.
Kai-Oliver Derks
Trevor McKinney (Haley Joel Osment) will seine Mutter (Helen Hunt) glücklich machen. (ARD / Degeto)
Trevor Mc Kinney (Haley Joel Osment, rechts) sähe seinen Lehrer (Kevin Spacey) gerne als neuen Freund seiner Mutter. Doch bis dahin ist es ein langer Weg. (ARD / Degeto)
Arlene (Helen Hunt) hat eine ernste Unterredung mit Eugene (Kevin Spacey), dem Lehrer ihres Sohnes Trevor. (ARD / Degeto)
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