"Prinzessinenbad" zeigt das Leben dreier Mädchen aus Kreuzberg
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Prinzessinnenbad
Keine Zeit ist so intensiv wie die Teenagerjahre - doch bisher gelang es niemandem, filmisch wirklich einen Einblick zu gewinnen. Über ein Jahr opferte die Regisseurin Bettina Blümner, um drei 15-jährige Mädchen aus Kreuzberg zu begleiten. Wirklich erstaunlich ist, wo die Kamera überall dabei sein darf. Das Vertrauen zwischen den Beteiligten wächst. So konnte er gelingen, der wohl beste, weil authentischste Mitschnitt über eine Jugend in dieser Zeit. "Prinzessinnenbad" (2007) begeisterte das Publikum bei der Berlinale, gewann 2008 den Deutschen Filmpreis als "Bester Dokumentarfilm" und erreichte mit nur 22 Filmkopien mehr als 80.000 Zuschauer in den Kinos. Nun folgt die Erstausstrahlung bei ARTE.
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Die ruppige und direkte Art der blonden Klara, der introvertierten Mina und von Tanutscha mit den Mandelaugen faszinierte die Filmemacherin. Und natürlich spielen Berlin und im Speziellen Kreuzberg keine unwesentliche Rolle. Die Familien mögen im Sprachgebrauch des Mittelstandes als zerrüttet gelten. Einen Vater, der durch permanente Anwesenheit glänzt, gibt es nirgends. Nur Mütter, die kämpfen oder ihr Recht fordern. Nicht anders die Töchter.
Sie sind hübsch, und daher wählt Blümner eine passende Ouvertüre, schenkt die ersten Minuten der Eitelkeit. Das soll es dann auch gewesen sein mit der Oberflächlichkeit. Der Zuschauer muss sich hier und da etwas orientieren, sei es durch plötzlich Schwenks im Thema oder das erstaunte Einordnen, mit welchen Dingen sich die jungen Leute heute so beschäftigen. Kreuzberg mag nicht eben als Nobelviertel gelten, doch es ist auch ein Ort, auf den man irgendwie stolz ist. Das zeigen besonders Klara und Tanutscha. Mina hingegen sind Ort und Zeit relativ egal, sie führt mit George ihre erste ernsthafte Beziehung und steht kurz vor der Trennung auf Zeit, weil er für ein Jahr nach Brasilien will.
Alles an dieser Dokumentation ist unmittelbar. Es gibt keinen Kunsteingriff. Nicht einmal Fragen, die die Schülerinnen beantworten müssen. Jede Distanz wird aufgehoben, und obwohl diese Mädchen sich gerade mal ein paar Minuten vorgestellt haben, wird man das Gefühl nicht los, sie zu kennen. Nie war die Zigarette so deutlich ein Mittel zum Festhalten, zum Haltsuchen. Man lernt ihre Werte kennen, findet die Traurigkeit in ihren Augen, Liebenswürdigkeit und was sie abgehärtet hat. Manchmal mutieren sie zu Königinnen, zu Königinnen des Bordsteins und der Straße. Das größte Staunen ernten die Mädchen aber mit ihrer Vernunft und ihrer Ehrlichkeit. Zwischen all den Ansagen über Muschis und Storys, Türken und Missgeburten blitzt Reife auf und Weitblick.
Claas Nielsen
Die drei Freundinnen Mina (links), Tanutscha (Mitte) und Klara gehen durch dick und dünn. (ARTE / rbb)
Die 15-jährige Tanutscha weiß schon jetzt, dass sie erst mit 30 Jahren eigene Kinder haben möchte. (ARTE / rbb)
Berlin, Kreuzberg: So sieht es wirklich aus im Problemkiez. "Prinzessinnenbad" ist eine authentische und spannende Langzeit-Doku über drei Mädchen. (ARTE / rbb)
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