Wer klopft denn da so energisch im Kofferraum? Es ist die tote Mama (Carmen Maura), die Tochter Sole (Lola Duenas) unwissentlich bei ihrem Besuch aus dem Heimatdorf mitgebracht hat. Und dieser Geist hat erst einmal nur eins im Sinn: Die Haare müssen gemacht werden, schließlich ist man jetzt wieder in Madrid. Willkommen in der Welt Pedro Almodóvars, wo man Unglaubliches gerne akzeptiert und sogar genießt. "Volver - Zurückkehren" heißt die nostalgische Burleske, mit der der Spanier 2006 seine Lust an der Komödie wiederentdeckte. Das Erste zeigt den schwungvollen Film, den in Deutschland knapp 800.000 Kinobesucher sahen, als Free-TV-Premiere.
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Bei Almodóvar, dem großen Frauenversteher unter den Autorenfilmern, glänzen die Männer oft entweder durch Abwesenheit oder Infamie. Zu Hause bei seiner Filmfigur Raimunda (Penélope Cruz) in einer billigen Wohnung in einem Madrider Arbeiterviertel liegt ein besonders nutzloses Exemplar auf dem Sofa. Arbeitslos, Bier konsumierend, auf die Glotze oder ihr bei der Hausarbeit auf die Brüste starrend stellt dieser Macho-Versager Paco (Antonio de la Torre) ein Ärgernis dar.
Während Raimunda mit Putz-Jobs die Familie ernährt, unternimmt er den Versuch, seine nicht leibliche Tochter (Yohana Cobo) zu vergewaltigen. Die erweist sich als würdiger Spross der energisch-pragmatischen Raimunda und greift zum Küchenmesser. Jetzt haben Mutter und Tochter eine Leiche am Hals und eigentlich keine Zeit, sich um die Entsorgung zu kümmern. Denn Raimunda hat die einmalige Chance, viel Geld in einem verlassenen Restaurant zu verdienen. Während sie dort eine Filmcrew bewirtet und den Ort mit Leben füllt, wird der Tote in der Tiefkühltruhe geparkt.
Schönheit und Hoffnung dort finden, wo man sie nie vermuten würde - das ist eine der großen Stärken Pedro Almodóvars. Auch in "Volver" herrscht der Horror, es geht um Verbrechen, Untreue und sexuellen Missbrauch. Wer die älteren Filme des Meisterregisseurs kennt ("Frauen am Rande des Nervenzusammenbruchs", "Alles über meine Mutter"), entdeckt viele wiederkehrende Themen. Die Atmosphäre und der Umgang miteinander wecken gar Erinnerungen an die grellen und schrillen Werke seiner Frühphase. Doch Poesie ersetzt hier Provokation, die Bilder wirken stilistisch ausgereift und die Figuren sehr persönlich.
Eine schöne Geste übrigens, dass bei den 59. Filmfestspielen in Cannes 2006 die weiblichen Darstellerinnen des Films kollektiv geehrt wurden. Verdient haben es die alte Weggefährtin Almodóvars, Carmen Maura, und die anderen ganz sicher. Wenngleich Penélope Cruz ihre Mitspielerinnen doch deutlich überstrahlt. Bereits am 6. August ist das aneinander berauschte Gespann Almodóvar / Cruz mit einem neuen Kinofilm zu sehen. Der romantische Noir-Thriller "Zerrissene Umarmungen" schlägt allerdings wieder melodramatische Töne an.
Johann Ritter
Wohin nur mit der Mordwaffe? Raimunda (Penélope Cruz) hat für Scherereien eigentlich gar keine Zeit. (ARD / Degeto)
Raimunda (Penélope Cruz, links) trifft bei ihrer Schwester Sole (Lola Duenas, Mitte) auf die tot geglaubte Mutter (Carmen Maura). Der fidele Geist kümmert sich gerade um die Frisur. (ARD / Degeto)
Raimunda (Penélope Cruz, rechts) bringt mit ihrer Tochter Paula (Yohana Cobo, Mitte) ein verlassenes Restaurant auf Vordermann. Ihre Schwester Sole (Lola Duenas) ist fasziniert. (ARD / Degeto)
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