logo
Anzeige
Cineastentreff Kino Film Filmstarts - Neu im Kino Kino Film Der Politthriller "State of Play" prangert den Sittenverfall an

Der Politthriller "State of Play" prangert den Sittenverfall an

State Of Play - Stand der Dinge

(cg/tsch) „State of Play“ funktioniert auf zwei Ebenen: als Politthriller und Journalismus-Film. Doch der Journalismus hier hat leider nichts mehr mit jenem, den man in Michael Manns „The Insider“ genießen durfte. Denn die Zeiten ändern sich und zumindest für den US-Journalismus wendet sich alles zum Schlechten. Die gute Recherche tritt immer mehr zugunsten billiger Sensationen in den Hintergrund, Information wird zur Freizeitbeschäftigung. Der Journalist der alten Schule Cal McCaffrey (Russell Crowe) ist einer, der sich damit gar nicht abfinden kann. Doch das ist nur die eine Seite von „State of Play – Stand der Dinge“. Die andere dreht sich um Korruption und Mord in den oberen Etagen der Macht. Wie Regisseur Kevin Macdonald („Der letzte König von Schottland“) die beiden Stränge miteinander verbindet, ist zwar nicht so spektakulär und etwas altmodisch, dafür aber sehr angenehm und unterhaltsam. So sehr, dass es dafür trotz so mancher Schwächen drei Sterne gibt.

Anzeige

 

"State of Play" zeigt, warum das aktuelle Zeitungssterben in den USA eine echte Bedrohung für die Demokratie ist. Der Journalist Cal McCaffrey (Crowe) untersucht einen Mordfall, während seine junge und ambitionierte Online-Kollegin Della (Rachel MacAdams) mit einem Selbstmord im Umfeld des Kongressabgeordneten Stephen Collins (Ben Affleck) beschäftigt ist. Ihre Recherchen überschneiden sich, und sie entdecken in einem weitgehend spannenden Politthriller mit ausgefeilten Dialogen eine Vertuschungsaktion in hohen politischen Kreisen.

Es ist ein reichlich und wohltuend altmodischer Plot, den Regisseur Kevin Macdonald ("Der letzte König von Schottland - In den Fängen der Macht") gewählt hat. Wichtiger als die Aufklärung diverser Morde, Verstrickungen und illegaler Einflussnahme auf politische Entscheidungen ist aber ohnehin das Umfeld, in dem "State of Play" siedelt: eine Tageszeitung mit neuen Gesellschaftern. Gewinnoptimierung ist das oberste Gebot, weswegen schneller, billiger Discount-Journalismus Konjunktur hat. Blutsauger und Blogger sind die neuen Herren im Haus - klar, dass hier Interessen und Berufsauffassungen kollidieren und dass eine knarzige Chefredakteurin (Helen Mirren) hin- und hergerissen ist zwischen den neuen verlegerischen Zwängen und der Loyalität ihren Journalisten gegenüber.

Deutlich gemacht das mit einem einfachen Kniff: Cal und Della, die Schöne und das Biest, werden zur Zusammenarbeit gezwungen. Der altmodische Schreiber mit bester Vernetzung in Washington und die hektische Onlinerin, die vor allem eingestellt wurde, weil sie preiswert und anspruchslos ist. Er sucht Hintergründe, sie die Sensation. Inszeniert als Rundumschlag gegen all das, was aus dem Ruder läuft. Da geht es ums Outsourcing militärischer Aufgaben im Irak, um moralische Integrität politischer Entscheidungsträger und um die Notwendigkeit, trotz privater Verbindungen objektiv zu bleiben.

Mehr als zwei Stunden lässt sich Macdonalds für seine Beschwörung des guten, alten investigativen Journalismus und die Anprangerung des allgemeinen Sittenverfalls Zeit. Was gar nicht so verwunderlich ist, basiert der Film doch auf einer BBC-Miniserie. Das erklärt auch die Komplexität des Thrillers. Hier werden die neuen Mechanismen des Mediengeschäfts genauso gnadenlos wie selbstverständlich vorgeführt. Hier gibt es aber auch Platz für Zweifel und persönliche Momente, die vor allem Cal, seinem Freund Stephen und dessen Gattin Anne (Robin Wright Penn) gehören.

Mag sein, dass das alles ein wenig naiv wirkt und nostalgisch. Aber was wäre schlecht daran, wenn "State of Play" einfach nur ein Märchen für Erwachsene wäre? Eines, das zwei Stunden lang perfekt unterhält, zum Nachdenken anregt und die Flucht in eine gute alte Zeit ermöglicht.

Andreas Fischer

Credits:
V:Universal, USA 2009, R: Kevin Macdonald, D: Russell Crowe, Ben Affleck, Rachel McAdams u.a.

Laufzeit: 127 Min.

Kinostart:
18. Juni 2009


"State Of Play" ist Politthriller und Zeitkritik - vor allem aber perfekte Kinounterhaltung.
"State Of Play" ist Politthriller und Zeitkritik - vor allem aber perfekte Kinounterhaltung. (2009 Universal Studios)

Der famos aufspielende Russell Crowe verkörpert den knorrigen Oldschool-Journalisten Cal MacCaffrey.
Der famos aufspielende Russell Crowe verkörpert den knorrigen Oldschool-Journalisten Cal MacCaffrey. (2009 Universal Studios)

Della (Rachel McAdams) ist die Zukunft des Journalismus: billig, willig, online-affin.
Della (Rachel McAdams) ist die Zukunft des Journalismus: billig, willig, online-affin. (2009 Universal Studios)

Datum: 13.06.2009

Diskussion: "Der Politthriller "State of Play" prangert den Sittenverfall an"

Um eine Diskussion zu "Der Politthriller "State of Play" prangert den Sittenverfall an" zu beginnen melden Sie sich bitte im Forum an. Wenn Sie noch nicht registriert sind, können sie sich jetzt registrieren um an den Diskussionen teilzunehmen.

Weitere Artikel, die Sie interessieren könnten:

    Denzel Washington kämpft gegen einen "Dämon"
    Kein schöner Abend für Denzel Washington: Zuerst sucht ihn um 20.15 Uhr "Der Knochenjäger" heim. Um 22.25 Uhr legt ProSieben dann nach und hetzt dem 54-Jährigen den "Dämon" auf den Hals. In dem Okkult-Thriller ...

    "State Of Play" prangert den Sensationsjournalismus an
    Information als bloßes Freizeitangebot: Das ist der Journalismus heute laut „State Of Play“. Und dagegen gilt es anzukämpfen, das ist für Cal McCaffrey (Russell Crowe), Journalist der alten Schule, ganz ...

    Nach "Hinterkaifeck" gibt es nun "Tannöd"
    Dass Landleben nicht nur mit Natur, Harmonie und Geselligkeit zu assoziieren ist, wurde in Kino und Literatur bereits oft demonstriert. Schon Kafkas K. aus „Das Schloß“ fand das seltsame Kaff, in dem er ...

    Mads Mikkelsen öffnet "Die Tür" zu seiner Vergangenheit
    Zeitreisen in die Vergangenheit haben den Vorteil, dass man einst begangene Fehler wiedergutmachen kann. Das denkt David Andernach, ein egozentrischer Maler, der überragend vom Star des dänischen Kinos ...

    "Dorothy Mills" bewegt sich auf betretenen Pfaden
    "Dorothy Mills" leidet an multipler Persönlichkeitsstörung. Auf einer von gläubigen Christen bewohnten Insel kann das schon mal zum Problem werden. Ist das 15-jährige Mädchen gar vom Teufel besessen? Das ...

    Denzel Washington gegen Clive Owen in "Inside Man"
    Ein Mann mit attraktivem Dreitagebart, schwarz glänzendem Haar und einem stets etwas ironischen, aber immer todernsten Gesichtsausdruck überfällt eine Bank, nimmt Geiseln und brüstet sich mit beängstigender ...


 
Anzeige
livedome
Konzert-DVD im Stream
Gentleman
Gentleman am 27.04. ab 20.00 Uhr als » Musikstream

Anzeige
.
Partner von Fantastic Zero


itemid = 31 - id = 7189 - task = view - option = com_content - limitstart= 0