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Coole Clubmusik: "Cutting The Edge" der Chicks on Speed

Chicks on Speed Cutting The Edge

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Ganz plump betrachtet, muss man tatsächlich den Gebrauch der namensgebenden Chemikalien vermuten, wenn man sich die Produktivität ansieht, welche die Chicks on Speed an den Tag legen. Die letzten beiden Jahre verbrachten Melissa Logan und Alex Murray-Leslie, die sich 1990 in München an der Universität kennenlernten, alles andere als auf der faulen Haut: Sie produzierten Videos (unter anderem "This Train" von Whomadewho), waren mit Kunst-Installationen beschäftigt, gaben Lesungen, präsentierten weltweit eigene Ausstellungen, entwarfen Mode-Kollektionen und erfanden zu guter Letzt auch noch eigene Instrumente. Diese kommen dann auch gleich auf dem passenderweise "Cutting The Edge" betitelten Doppelalbum zum Einsatz.

Auf ihrem bereits fünften Album liefern die Chicks on Speed alles, was sie seit Jahren zur führenden Größe der feministischen Elektropop-Szene macht. Immer im Vordergrund scheint hierbei der künstlerische Anspruch zu stehen, weshalb es nicht verwunderlich ist, dass als Aufnahmeräumlichkeiten neben dem normalen Studio auch mal das Hotelzimmer, Züge oder Badezimmer in Kellern von Kunstgalerien herhalten mussten. Das Stück "Vibrator" wurde gar per Skype-Übertragung mit B52's Frontmann Fred Schneider aufgenommen.

Thematisch schlagen Melissa und Alex mit ihren Texten in jede erdenkliche Kerbe, die sich gerade hat finden lassen. "Buzz" handelt von Fluggesellschaften, "Sewing Machine", wie der Name erahnen lässt, von Nähmaschinen und Nähzubehör, "Strip Song" beschäftigt sich mit den vermeintlichen Künstlern, die die Designs für die Anti-Aids-Kollektion von H&M entwarfen, "Art Rules" macht sich hingegen über die Kunstszene lustig und kritisiert ganz in Chicks-on-Speed-Manier die Dominanz der Männer in der Szene. In "How To Build A High Heeled Shoe Guitar" wird genau erklärt, wie man sich sein eigenes "Objekt Instrument" basteln kann. Diese multimedialen Erfindungen der beiden Damen kommen auf dem Album ständig zum Einsatz und verleihen "Cutting The Edge" einen sehr eigenständigen und innovativen Sound.

Dennoch gilt nach wie vor: Kunst bleibt Kunst und polarisiert. Ungewollt oder provoziert, auch die Chicks on Speed ecken nach wie vor häufig an, weshalb das ein oder andere Lied auf dem Album nur mit gutem Willen hörbar bleibt. An dieser Stelle seien "Scream Song" und "Art Rules Christoper Just's Hard One" erwähnt. Am Ende überwiegt zwar der gute Eindruck der Platte, es ist aber dennoch sehr entspannend, plötzlich kein Gepiepse, Gequietsche und Gekreische mehr hören zu müssen.

Stefan Kronthaler


Datum: 14.06.2009

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