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Europawahl

Wen wählt Europa?

Das Hauptfeld liegt weit hinter ihm, der Sieg des Rennens scheint sicher. Doch was macht Junkersson? 13,5 Kilometer vor dem Ziel steigt der fiktive Radrennprofi ab und stürmt zum Erstaunen des Reporters in ein Wahllokal an der Strecke - und seine Verfolger hinterher. Zeit zum Wählen ist immer, lautet die Botschaft des Spots, mit dem das Europäische Parlament zwischen 4. und 7. Juni an die Wahlurnen locken will. Doch die witzigen Werbeclips, die auch unter dem myspace-Account europeanparliament einsehbar sind, stellen nur die Spitze einer umfangreichen Web-Offensive der Europäischen Union dar.

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"Die Einigung Europas gleicht dem Versuch, ein Omelett zu backen, ohne Eier zu zerschlagen", stellte der französische Schriftsteller Paul Lacroix bereits im 19. Jahrhundert fest. Und doch entschieden sich die Europäer vor 30 Jahren, eben diesen Versuch zu wagen: Seit 1979 wählen die EU-Bürger Menschen aus ihrer Mitte, die sie im Europäischen Parlament vertreten sollen. Oder besser, sie wählen nicht. Denn obwohl die Zahl der Wahlberechtigten beständig steigt, sinkt die Wahlbeteiligung indirekt proportional: Lediglich 45,6 Prozent der EU-Bevölkerung machten 2004 von ihrem Mitbestimmungsrecht Gebrauch, Deutschland lag mit 43 Prozent noch unter dem ohnehin schon niedrigen Durchschnitt. Und das, obwohl Deutschland mit 99 von künftig 736 Parlamentariern die größte Zahl an Abgeordneten stellt.

Doch warum sollte man auch an einem womöglich warmen Sonntag wie dem 7. Juni einen Abstecher ins Wahllokal machen, wenn der Badesee viel verlockender erscheint? Die Antwort darauf liefert das Europäische Parlament selbst: Unter www.europarl.europa.eu wird nicht nur in der jeweiligen Landsprache die Funktionsweise des Gremiums erläutert, sondern es werden auch zehn gute Gründe genannt, sich an dessen Aufbau zu beteiligen. Zum Beispiel, weil es notwendig ist, dass mehrere Länder im puncto Umweltschutz am gleichen Strang ziehen. Oder weil Arbeitsrecht im Zuge der Globalisierung schon längst kein Thema mehr ist, das nur innerhalb der eigenen Landesgrenzen diskutiert werden muss.

"Betrifft mich nicht" bleibt trotzdem eine weit verbreitete Einstellung, gerade unter jungen Leuten. Auf einer ansprechenden Homepage, die dem Informationsbüro für Deutschland unter der etwas umständlichen URL www.europarl.de/export/europawahl/Startseite_Europawahl.html eingerichtet wurde, wird das Gegenteil bewiesen und eine Liste mit den Vorzügen eines geeinten Europas erstellt: Telefonieren im Ausland ist mittlerweile keine Wissenschaft mehr und auch die Reise an den ungarischen Plattensee ist dank EU-Osterweiterung deutlich einfacher geworden. Apropos: Wo genau liegt Ungarn eigentlich? Das lässt sich spielerisch im Europa-Puzzle herausfinden. Hat der User alle EU-Länder in Position gebracht, kann er sich für Wahlerinnerung per SMS oder E-Mail anmelden.

Diesen Service bietet auch die Plattform www.caneuhearme.eu, mit der die Europäische Union in Zusammenarbeit mit MTV vor allem Erstwähler im wahrsten Sinne des Wortes ansprechen will. Während Musiker wie Depeche Mode, Tiziano Ferro oder Lenny Kravitz per Video erklären, wie viel ihnen der alte Kontinent bedeutet, können die jungen Europäer per Twitter über die Union diskutieren. Umfangreicher fallen allerdings die Beiträge der Nachwuchsreporter aus, die unter www.youthreporter.eu mit ihren Heimatländern, Europa und natürlich der anstehenden Wahl auseinandersetzen.

Nach so viel Überzeugungsarbeit erscheint der Urnengang gar nicht mehr so abwegig. Doch was fängt man nun an mit seiner Stimme, die über das Wohl und die gemeinsame Zukunft von knapp 500 Millionen Europäern bestimmen soll? Natürlich empfiehlt es sich, zur Bildung der politischen Meinung Parteiprogramme zu studieren und Debatten zu verfolgen. Doch falls dazu die Zeit fehlt, ist es im Zweifelsfall besser, den Wahl-O-Mat zu befragen, bevor das Kreuz leichtfertig gesetzt wird. Unter www.wahl-o-mat.de/europa können die User per Mausklick ihre Position zu Themen wie Atomausstieg, Einwanderung oder Datenschutz innerhalb weniger Minuten mit denen der etablierten Parteien abgleichen.

Doch Vorsicht: Der Wahl-O-Mat funktioniert auf Grundlage der Forderungen, die die Politiker auf dem Papier stellen. Ob diese tatsächlich umsetzbar sind, wird nicht bewertet. Wer genauer wissen möchte, wie die Parlamentarier in spe ihre Ziele verwirklichen zu gedenken, fragt sie am besten selbst: Unter www.kandidatenwatch.de können die einzelnen Kandidaten, die sich am 7. Juni ins Europäische Parlament wählen lassen wollen, per Forum direkt zu ihren Plänen und Ansichten befragt werden. So können die Wähler sicherstellen, dass sie mit ihrer Stimme nicht auch ihr Mitspracherecht abgeben.

Annekatrin Liebisch


Wahlaufruf per myspace: Die EU hat die Zeichen der Zeit erkannt.
Wahlaufruf per myspace: Die EU hat die Zeichen der Zeit erkannt. (www.myspace.com)

Warum sollte man sich an einem Sonntag zur Europawahl bequemen? Die Homepage www.europarl.europa.eu liefert zehn gute Gründe.
Warum sollte man sich an einem Sonntag zur Europawahl bequemen? Die Homepage www.europarl.europa.eu liefert zehn gute Gründe. (www.europarl.europa.eu)

Das Parlament in bunt: Die Homepage des EU-Informationsbüros für Deutschland ist auf Jungwähler ausgerichtet.
Das Parlament in bunt: Die Homepage des EU-Informationsbüros für Deutschland ist auf Jungwähler ausgerichtet. (www.europarl.de/export)

Datum: 14.05.2009

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