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"Crossing Over" schildert das Leben illegaler Einwanderer

Crossing Over

(mb/tsch) “Jeden Tag überqueren Tausende von Menschen illegal unsere Grenzen… nur eins steht ihnen im Weg: Amerika“, heißt es in „Crossing Over“, dem neuen Drama Wayne Kramers („The Cooler“, „Running Scared“). Nach dem „Short Cuts“-Muster spinnt der Regisseur aus verschiedenen Schicksalen einen Episodenfilm zusammen, der vom großen Traum illegaler Einwanderer in Amerika handelt, im gelobten Land Fuß zu fassen. Manchmal mehr, manchmal weniger ergreifend, entlarven die zum Teil leider etwas pathetischen Geschichten die USA als ein trügerisches Paradies, in dem Vorurteile und Stereotypen regieren.

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Max Brogan ist ein Mann, dem man die Bürde seines Jobs ansieht: Längst ist es ihm peinlich, mit seinen jüngeren Macho-Kollegen bei den wilden Razzien in Hinterhof-Nähereien Angst und Schrecken zu verbreiten und durch die dicht gedrängten Reihen der Arbeiterinnen zu hetzen. Harrison Ford spielt den altgedienten Einwanderungsexperten der Polizei von L.A. als einen Mann mit dem Herz am rechten Fleck. Als er mal wieder eine Gruppe junger Mexikanerinnen kontrollieren muss, die von gewissenlosen Schleuserbanden über die Grenze verfrachtet wurden, findet Mireya Sanchez (Alice Braga) bei ihm ein offenes Ohr. Heimlich steckt sie ihm einen Zettel zu, auf dem der Aufenthaltsort ihres kleinen Sohns steht.

Brogan lässt die Angelegenheit keine Ruhe: Als die junge Mutter längst wieder über die Grenze abgeschoben wurde, treibt er den Jungen auf und fährt ihn in seiner Freizeit eigenmächtig zurück zu seinen Großeltern. Dort ist die Bestürzung groß: Aus Angst um ihr Kind und in der Hoffnung auf ein besseres Leben hat sich Mireya längst wieder in Richtung USA auf den Weg gemacht.

Ein ähnlich beklemmendes Schicksal verbindet die australische Schauspielerin Claire Shepard (Alice Eve) mit ihrer neuen Wunschheimat Los Angeles: Sie braucht dringend eine Arbeitsgenehmigung. Andernfalls ist für sie der Traum von einer Hollywood-Karriere ausgeträumt. Durch Zufall gerät sie an den Verwaltungsbeamten Cole Frankel (Ray Liotta). Und der unterbreitet ihr ein höchst unmoralisches Angebot: Alice kann sich ihre Green Card bei ihm ganz persönlich verdienen - und zwar als seine Mätresse.

Kein ganz unproblematisches Verhältnis zu ihrer amerikanischen Identität hat die junge Muslima Taslima (Summer Bishil), deren Eltern aus Bangladesch stammen. In der Schule lässt sich die Klassenbeste zu einem rhetorisch gewagten Aufsatz provozieren: Mit zitternder Stimme, aber innerlich fest von ihrem Standpunkt überzeugt, will sie ihre Klassenkameraden davon überzeugen, dass die Terroristen, die die Flugzeuge ins World Trade Center flogen, eben keine Feiglinge, sondern Überzeugungstäter waren. Ihre Sophistereien kommen bei ihren Mitschülern und der Lehrerin naturgemäß alles andere als gut an: Schon am nächsten Tag steht die Polizei bei Taslimas Eltern vor der Tür. Der Familie droht die Abschiebung.

Regisseur Wayne Kramer, der bereits mit dem eigenwilligen Las-Vegas-Melodram "The Cooler - Alles auf Liebe" (2003) einen spannenden Blick auf die Schattenseiten der amerikanischen Psyche geworfen hat, wagte mit "Crossing Over" den ganz großen Wurf, was ihm in weiten Teilen auch gelang. Kunstvoll verwebt er mit dem bei kalifornischen Stoffen offenbar unvermeidbaren "Short Cuts"-Prinzip gleich mehrere Handlungsstränge, die ähnliche Themen abhandeln: die Sehnsucht vieler Außenstehender, in das vermeintliche Paradies USA eingelassen zu werden, und die Identitätskrisen und die innerliche Leere, die die Bewohner der Sehnsuchtsrepublik zu verkraften haben.

Einige Erzählstränge gehen stärker an Herz - so zum Beispiel die hilflosen Rettungsbemühungen Harrison Fords. Einige weitere - etwa ein Schwerpunkt rund um eine koreanische Einwandererfamilie - werden etwas zu flüchtig erfasst. Während der Film tolle Bilder findet, um die Unwirtlichkeit der Grenzregion mit seinen menschenfeindlichen Highways und Straßenschluchten einzufangen (Kamera: James Whitaker), dürfte die unvermeidliche Fahnensymbolik und das etwas zu dick aufgetragene Gutmenschen-Pathos einigen Zuschauern sauer aufstoßen. Immerhin bemüht sich der Film um schonungslosen Realismus: Das führt dazu, dass Harrison Ford in emotionalen Schlüsselszenen Spanisch sprechen muss. Und das gelingt ihm gar nicht mal schlecht.

Rupert Sommer

Credits:
V:Senator, USA 2009, R: Wayne Kramer, D: Harrison Ford, Ray Liotta, Ashley Judd u.a.

Laufzeit: 113 Min.

Kinostart:
25. Juni 2009


Im Episodendrama "Crossing Over" spielt Harrison Ford einen knorrigen Grenzbeamten mit dem Herz am rechten Fleck.
Im Episodendrama "Crossing Over" spielt Harrison Ford einen knorrigen Grenzbeamten mit dem Herz am rechten Fleck. (Senator)

Auf einer Razzia führt Einwanderungspolizist Max Brogan (Harrison Ford, Mitte) die Mexikanerin Mireya Sanchez (Alice Braga) ab.
Auf einer Razzia führt Einwanderungspolizist Max Brogan (Harrison Ford, Mitte) die Mexikanerin Mireya Sanchez (Alice Braga) ab. (Senator)

Max Brogan (Harrison Ford) kümmert sich um das Schicksal von illegalen Einwanderern in Los Angeles.
Max Brogan (Harrison Ford) kümmert sich um das Schicksal von illegalen Einwanderern in Los Angeles. (Senator)

Datum: 28.06.2009

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