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Ungleicher Kampf in "Flash Of Genius": Mensch-Konzern

Flash Of Genius

(cg/tsch) "Flash Of Genius" erzählt die langwierige Geschichte eines Patent-Kampfes. Klingt nicht sehr spannend, zumal es um die Erfindung des Intervallscheibenwischers geht. Ein kleiner Mann (überzeugend: Greg Kinnear aus „Besser geht’s nicht“) kämpfte zwölf Jahre lang gegen den Autokonzern Ford. Dabei ging es ihm nicht um Geld, sondern um Anerkennung. Das Drama „Flash Of Genius“ ist die Charakterstudie eines kleinen Mannes, der an seinem großen Traum erst zugrunde gehen muss, um endlich Gerechtigkeit zu erfahren.

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Im Jahr 1967 wünschen sich die Autokonzerne unter anderem eins: endlich dahinterzukommen, wie man einen Intervallscheibenwischer entwickelt. Parallel dazu arbeitet der schrullige Wissenschaftler und Universitätsprofessor Robert Kearns (Greg Kinnear, "Besser geht's nicht") mit seinen beiden Söhnen an dieser Idee. Siehe da, dem sechsfachen Familienvater gelingt im Hobbykeller, was den Ingenieuren in seinem Heimatort Detroit, Hochburg der Autoindustrie, bisher verwehrt blieb: Er erfindet den Intervallscheibenwischer.

Als Idealist, der er ist, würde er ihn gerne mit seiner Familie zusammen herstellen und auf den Markt bringen, also selbst produzieren. Sein Freund Gil (Dermot Mulroney), ein Automobilzulieferer, belehrt ihn eines Besseren. So kommt es zum Treffen mit Ford. Nach anfänglichem Interesse kupfern sie Kearns' Modell ab und erklären ihm, dass sie nun doch nicht an einer Zusammenarbeit interessiert seien. Als er, immer noch am Boden zerstört, anderthalb Jahre später bei der offiziellen Präsentation des neuen Ford Mustang begreift, dass seine Idee gestohlen wurde, ist der Uniprofessor entschlossen, sein Recht einzufordern.

Die Freunde an seiner Seite bröckeln schnell, wollen Diplomatie, den eigenen Kopf retten. Anwälte erklären ihm, wie klein seine Chancen sind gegen einen Autoriesen vorzugehen. Doch dieser Mann geht einen einsamen Weg voller Opfer. Er ist kein Sympathieträger und die Geschichte dazu, sie wird langatmig erzählt.

Denn es ist keine kurze Story. Kearns kämpft über viele Jahre Arbeit, die erzählt werden wollen, die gerafft werden müssen. Zunächst hat er einen Anwalt (Alan Alda) an seiner Seite, den er nervt, dem er erklärt, wie sein Job funktioniert, den er täglich anruft. Später kämpft er alleine, vernachlässigt grob fahrlässig seine Familie, bis ihn seine loyale Frau (Lauren Graham) verzweifelt verlässt. Der Grund: Er will kein Geld, er will eine Entschuldigung von Ford, weil sie ihn betrogen haben.

Anders als beispielsweise beim "Insider" mit Russell Crowe fiebert man bei diesem Einzelkämpfer nicht unbeirrt mit. Crowe, dem Chemiker, der die Machenschaften der Tabakindustrie aufzudecken versuchte, der bedrängt und zum Schweigen gebracht werden sollte, wünschte man den Sieg der Wahrheit. Beim Intervallscheibenwischer allerdings fragt man sich, wie viel wirkliche Werte der Erfinder seiner Wahrheit noch opfern will. Ist es wirklich so wichtig?

Für Kearns ist es das. So weh ihm der Verlust seiner Familie tut, er bleibt dabei, vertritt sich selbst vor Gericht. Sicher, die immer höher werdenden finanziellen Entschädigungen des Autoriesen deuten darauf hin, dass er Goliath in die Knie zwingen kann. Er opfert sein Geld, seine Gesundheit, landet in der Nervenklinik, verliert den Halt und die Liebe seines Lebens. Aus dem naiven Familienoberhaupt wird ein verbitterter Mann mit Scheuklappen, besessen von seinem Glauben an eine gerechte Welt.

Mit Greg Kinnear, den Marc Abraham nicht eine Minute aus den Augen lässt, hat der Regisseur einen engagierten Darsteller gefunden, der sich in dieser Rolle aufarbeitet. Obwohl "Flash Of Genius" durch die Zeit hasten muss, um den zwölf Jahre dauernden Kampf zu beleuchten, verliert das Drama nicht an Wirkung. Es geht dabei nicht um die klassische Konstellation, nicht darum, dem Zwerg die Daumen zu drücken.

Viel mehr lässt einen dieser Film nachdenklich zurück. In was für einer Welt leben wir eigentlich, in der man für Anerkennung ein ganzes Leben opfern muss? Und wer sagt, dass dies ein Einzelfall war. Natürlich ist er es nicht. Ein deutscher Erfinder namens Hans-Diedrich Kreft kämpft seit Jahren gegen ein japanisches Konsortium von Chipherstellern, die sein Patent nicht anerkennen. Auch aus der Vergangenheit gibt es hunderte von Beispielen, bei denen Erfinder betrogen wurden, oft, weil sie die Gebühr für das Patent nicht aufbringen konnten. Sie sind längst vergessen.

Claudia Nitsche

Credits:
V:Kinowelt, USA 2008, R: Marc Abraham, D: Greg Kinnear, Lauren Graham, Andrew Gillies u.a.

Laufzeit: 119 Min.

Kinostart:
25. Juni 2009


Ein Erfinder kämpft gegen einen Autokonzern, weil er nicht hinnehmen will, dass die Mächtigen sich einfach nehmen, was ihnen nicht gehört.
Ein Erfinder kämpft gegen einen Autokonzern, weil er nicht hinnehmen will, dass die Mächtigen sich einfach nehmen, was ihnen nicht gehört. (Kinowelt)

Er kann seine Genialität selbst nicht fassen. Doch so schlau wie Kearns (Greg Kinnear) ist, so naiv ist er auch.
Er kann seine Genialität selbst nicht fassen. Doch so schlau wie Kearns (Greg Kinnear) ist, so naiv ist er auch. (Kinowelt)

Auch ein schräges Huhn findet mal ein Korn: Der Uniprofessor Robert Kearns (Greg Kinnear) erfindet im Hobbykeller 1967 den Intervallscheibenwischer für Autos.
Auch ein schräges Huhn findet mal ein Korn: Der Uniprofessor Robert Kearns (Greg Kinnear) erfindet im Hobbykeller 1967 den Intervallscheibenwischer für Autos. (Kinowelt)

Datum: 28.06.2009

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