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Perfekt in jeder Hinsicht: "Anno 1404"

Eine Welt zum Staunen

"Anno 1404", der vierte Teil der historisch angehauchten Aufbausimulations-Reihe des Mainzer Entwicklerstudios Related Designs, verbindet gekonnt Einsteigerfreundlichkeit mit spielerischem Tiefgang und technischer Perfektion.

Faszinierende Welten mit funktionierenden Wirtschaftskreisläufen erschaffen und sich monatelang am geschäftigen Treiben auf dem Bildschirm ergötzen: Dafür ist Ubisofts Aufbausimulations-Reihe "Anno" seit jeher bekannt. Das aktuelle "Anno 1404" merzt gezielt Schwächen der Vorgänger aus und wird damit zum besten "Anno", das es bislang gab - ein Fest für alle Sinne.

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Nach jedem "Anno"-Titel denkt man, jetzt sei doch schließlich mal alles zum Thema gesagt. Und doch wird man mit jedem weiteren Spiel der Reihe aufs Neue überrascht. So zeigt "Anno 1404", dass die Entwickler von Related Designs Anregungen aus der Community durchaus ernst nehmen und umsetzen. Denn "Anno 1404" erfindet zwar das Grundprinzip der Serie nicht neu, liefert aber genau für die Kritikpunkte bei früheren "Anno"-Titeln nun überzeugende Lösungen, die das aktuelle Spiel wesentlich "runder" und stimmiger wirken lassen als all seine Vorgänger.

Die augenscheinlichste Verbesserung kommt Einsteigern zugute: Während sich "Anno 1701" zum Leidwesen vieler Fans ganz auf das "freie Spiel" beschränkte, bietet "Anno 1404" nun eine durchgehende Kampagne aus acht Missionen mit klar definierten Aufgaben. Anhand der Geschichte um Kathedralenbau und Kreuzzugsvorhaben wird der Einsteiger sachte und unterhaltsam mit den wichtigsten Spielelementen vertraut gemacht und dabei von unterschiedlichen Charakteren der Story angeleitet.

Schon in dieser frühen Phase fällt auf, dass "Anno 1404" einen Schwachpunkt fast aller Aufbausimulationen elegant umgeht: Anders als bei den meisten Genre-Vertretern kommt es während der Bauphasen fast nie zu Leerlauf und Langeweile - Miniaufträge sorgen dafür, dass der Spieler fast immer alle Hände voll zu tun hat, sei es mit dem Aufspüren von Schatzkisten, mit dem Erkunden neuer Landstriche oder mit kleinen Handelsmissionen, die per Schiff zu neuen Ufern führen - diesmal sogar bis in den fernen Orient.

Auch nach dem Absolvieren der umfangreichen Kampagne und vielen Stunden im "freien Spiel" verkommt das Siedeln nicht zur Routine. Im Gegenteil: "Anno 1404" gelingt das Kunststück, auch nach 50 Stunden noch zu fesseln. Erreicht wird dies durch die steigenden Ansprüche der Bewohner: Geben sich Bauern anfangs noch mit einem schlichten Dach über dem Kopf, Fisch und Most zufrieden, verlangen Patrizier und Adlige für ihren aufwendigen Lebensstil nicht nur Prachtgebäude, sondern auch kostbare Gewänder, erlesene Speisen mit Gewürzen aus fernen Ländern und jede Menge Unterhaltungsangebote fordern.

Gerade die launischen Wünsche der oberen Zehntausend sind es, die den Spieler bis zum Schluss immer wieder zwingen, seine Wirtschaftskreisläufe komplett neu zu strukturieren. Denn sind die Untertanen mal befriedigt, wächst die eigene Stadt nach und nach zu einer stattlichen Metropole heran, in der die kleine Kapelle zur Glaubensausübung einer imposanten Kathedrale weicht. So wachsen die Anforderungen an den Spieler mit der stetig zunehmenden Auswahl an Gebäuden, Erweiterungen und Ressourcen immer weiter an, ohne dass dabei der Überblick verloren geht.

"Anno 1404" lässt dem Spieler viel Freiheit, lenkt ihn aber unmerklich durch die "Sachzwänge" der Wirtschaft, sodass er früher oder später auch den unvermeidlichen Trip in den Orient unternimmt, um dort mit exotischen Waren zu handeln oder gar selbst eine Siedlung zu gründen. Ohne die Außenposten ist der volle Ausbau der Heimatstadt nahezu unmöglich.

Dafür ist es möglich, sich ausschließlich dem friedlichen Bauen hinzugeben oder andere Zivilisationen hinzuzuschalten, mit denen man um die Wette siedelt und die eine oder andere militärische Auseinandersetzung zu Wasser und zu Lande austragen muss. Der Militärpart tritt nie zu sehr in den Vordergrund, spielt sich aber aufgrund einiger Neuerungen wesentlich angenehmer als in den Vorgängern. Eroberungstruppen bauen nun erst einmal Heerlager und agieren von diesen aus - vorausgesetzt, der Nachschub bricht nicht ab. Leider ist es jedoch bislang nur möglich, sich mit Computergegnern zu messen. Auf einen Mehrspielermodus verzichtet "Anno 1404" vorerst. Dieses Manko soll eventuell mit einem Addon ausgeglichen werden.

Grafisch erstrahlt die "Anno"-Welt nun in allerfeinster DirectX10-Pracht - mit großartig animiertem Treiben in den Städten und grandios inszenierten Gewässern. Landschaften sehen sehr natürlich aus und keineswegs "computergeneriert" - ein wahrer Augenschmaus, der ergänzt wird durch einen genialen Orchestersoundtrack, der auch einer großen Hollywood-Filmproduktion bestens zu Gesicht stehen würde. Derzeit ist "Anno 1404" sicher die beste, technisch ausgereifteste und packendste Aufbausimulation auf dem Markt - unbedingt zugreifen!

Herbert Aichinger




Datum: 03.07.2009

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