Den Schlapphut tief in die zerfurchte Heldenstirn gezogen, mit Hexenschuss und weidwunder Seele macht sich der "pensionierte" Mietkiller William Munny nach elfjähriger Knarren-Abstinenz erneut auf den langen Weg in die einsamen Weiten der Prärie. Und er ist angekommen: Vier Oscars und einen Golden Globe brachte der wortkarge Finsterling aus "Erbarmungslos" (1992) nach Hause. Alleine in den USA spielte Clint Eastwoods Western-Abgesang über 90 Millionen Dollar ein, neben "Million Dollar Baby" (2004) das zweite unantastbare Meisterwerk im späten Schaffen des großen Kaliforniers. Das ZDF schließt mit "Unforgiven", so der Originaltitel, seine sechsteilige Clint-Eastwood-Spielfilmreihe.
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Mit den strahlenden Helden des klassischen Western hat der heruntergekommene Revolverheld William Munny (Eastwood) wenig gemein: Seit dem Tod seiner Frau fristet er seine Tage als verarmter Schweinefarmer und ist kaum noch im Stande, sein dürres Pferd zu besteigen. Doch dann will er es noch einmal wissen: Zusammen mit Ex-Partner Ned Logan (Morgan Freeman) und einem ehrgeizigen Jung-Pistolero - der nur leider extrem kurzsichtig ist - bricht er auf, um für 1.000 Dollar Kopfgeld zwei Cowboys zu lynchen, die einer Prostituierten das Gesicht entstellten.
"Erbarmungslos" ist Abrechnung und Hommage an das Western-Genre zugleich. Melancholisch und abschiedsschwer feiert Eastwood die Austreibung der alten Mythen und Legenden, die aufrechte Mannsbilder wie John Wayne einst überlebensgroß in Szene setzten. Dabei zeichnet er seine Protagonisten weder stark noch moralisch: Die Revolverhelden sind feige und abgewrackt, der Sheriff (Gene Hackman, er erhielt für die Rolle den Oscar als bester Nebendarsteller) bösartig, die Huren einsam. David Webb Peoples (Autor von "Blade Runner") schrieb das Drehbuch bereits in den 70er-Jahren für Francis Ford Coppola. Kurz darauf erwarb Clint Eastwood die Rechte. Mit der Verfilmung des Stoffes wartete er dann jedoch weitere zehn Jahre, um "in die Rolle hineinzualtern".
Mit 79 Jahren fühlt sich Clint Eastwood für die Arbeit vor der Kamera inzwischen jedoch zu alt. Seine gewichtige Darstellung des geläuterten Rassisten in "Gran Torino" (2008) wurde als sein letzter Auftritt als Darsteller angekündigt. In "Invictus", das sich in Vorbereitung befindet, übernimmt Eastwoods langjähriger Weggefährte Morgan Freeman die Hauptrolle. Er spielt den Menschenrechtler und ehemaligen Präsidenten Südafrikas Nelson Mandela.
Hans Czerny
Der ehemalige Revolverheld William Munny (Clint Eastwood) führt seit dem Tod seiner Frau eine wenig rühmliche Existenz als Schweinefarmer. (ZDF / Bob Akester)
Ex-Auftragskiller William Munny (Clint Eastwood) hat der Gewalt eigentlich abgeschworen. Doch für 1.000 Dollar Kopfgeld will er ein letztes Mal töten. (ZDF / Bob Akester)
Die Kopfgeldjäger William Munny (Clint Eastwood, Mitte), Ned Logan (Morgan Freeman, rechts) und Schofield Kid (Jaimz Woolvett) haben ihre Opfer ausfindig gemacht. Doch das Töten ging schon mal leichter von der Hand. (ZDF / Bob Akester)
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