Der Weg von Schweden nach Kongo ist definitiv zu lang, zumindest wenn man ihn innerhalb eines Jahres in einer Küche zurücklegt. Aber genau das taten schwedische Hausfrauen bis Anfang der 50er-Jahre. Dann war Schluss damit, weil die Schweden forschten, entwickelten und optimierten. Heraus kam eine Wunderküche, in der die Laufwege dramatisch gekürzt wurden und die damit die ganze skandinavische Damenwelt beglückte. Ganz Skandinavien? Nein, in Norwegen, bei den widerspenstigen Nachbarn, waren die Forscher noch nicht. Also schickte das Institut an einem bitterkalten Wintertag eine Kolonne Feldforscher ins Nachbarland, um den dortigen "Kitchen Stories" (2003) auf den Grund zu gehen. 3sat zeigt den bemerkenswert schrillen Film von Bent Hamer nun in einer Wiederholung.
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Auch Folke (Thomas Norström) fährt mit seinem Kleinwagen und dem Forschungswohnwagen nach Norwegen und harrt auf seinem mitgebrachten hochsitzartigen Erkundungsstand in der Ecke einer Küche aus, bewaffnet mit Grundriss und Beobachtungsbogen. Isak (Joachim Calmeyer) ist das Objekt seines Forschungsdrangs. Doch Isak, dem alten Griesgram, gefällt das nicht. Er hatte der Beobachtung nur zugestimmt, weil als Entschädigung ein Pferd, das sich allerdings als Holzspielzeug entpuppte, versprochen war.
Aus Rache kocht und isst er in einem anderen Raum, lässt seine Junggesellenküche dunkel und beobachtet durch ein Loch in der Decke heimlich den Beobachter. Dass jegliches Gespräch ("Wie kann man sich nur einbilden, einen Menschen durch bloße Beobachtung zu verstehen?") zwischen Forscher und Forschungsgegenstand verboten ist, erleichtert die Beziehung von Folke und Isak nicht gerade. Dennoch taut das Eis zwischen den Männern, und die Küche wird zum konspirativen Treffpunkt zweier Menschen, die glücklich sind, der Einsamkeit zu entfliehen.
Geredet wird in "Kitchen Stories" nicht viel. Das macht aber nichts, denn so bleibt genug Zeit, die Gesichter und die Räume zu erkunden. Es ist einfach zauberhaft, was an einem Tag und auf unglaublich vielfältige Weise in einer Küche passieren kann. Kommt es doch einmal zu einem Dialog der beiden Hauptakteure, bleibt Isak in der Originalfassung beim Norwegisch und Folke beim Schwedisch - ein charmantes Detail, das durch die Synchronisation leider verloren geht.
Bent Hamer hat sein Sammelsurium von absurden und komischen Momenten voller Herzenswärme inszeniert. Er stellt die Skurrilität seiner Figuren nicht zur Schau, sondern beobachtet sie und ihre Entdeckung der Freundschaft mit dem feinen Humor, der den Skandinaviern so eigen ist. Wer "Kitchen Stories" sieht, wird lächelnd den Fernseher abschalten und einen wunderbaren Abend haben. Und zwar keineswegs nur auf dem Weg zwischen Kühlschrank und Spüle.
Claas Nielsen
Beobachter Folke (Tomas Norström, links) und Proband Isak (Joachim Calmeyer) haben Freundschaft geschlossen und damit die wichtigste Regel der Untersuchung gebrochen. (ZDF / Erik Aavatsmark)
Folke (Tomas Norström, rechts) hat den kauzigen Junggesellen Isak (Joachim Calmeyer) zugeteilt bekommen. Dieser will zunächst nicht kooperieren, doch irgendwann bricht das Eis zwischen den beiden. (ZDF / Erik Aavatsmark)
Norwegen in den 50er-Jahren: Folke (Tomas Norström, hinten) ist einer von 18 Beobachtern, die im Dorf Landstad die Küchenroutine von männlichen Junggesellen untersuchen sollen. Sein Beobachtungsobjekt ist der kauzige Isak (Joachim Calmeyer). (ZDF / Erik Aavatsmark)
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