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"Killshot" will viel zu viele Genres in sich vereinen

Killshot

(vm/tsch) Auf „Killshot“ war schon Tarantino heiβ. Doch dann landete das Drehbuch zum gleichnamigen Roman Elmore Leonards beim Briten John Madden, dem Regisseur von "Shakespeare in Love". Darüber, ob es Tarantino besser gelungen wäre, den Stoff filmisch umzusetzen, kann man nur spekulieren. Tatsache ist aber, dass es Madden nicht schaffte, die komplexe Geschichte zu einem homogenen und überzeugenden Ganzen zusammenzuspinnen. Es geht um viel zu viel - Mafia, Altern, Liebe - um jedem Handlungsstrang dieselbe Beachtung schenken zu können. Man hätte sich entscheiden müssen, doch Madden tat es nicht. Und so schwebt sein Film irgendwo zwischen Belagerungsthriller, Gangsterfilm, Liebesgeschichte und Charakterstudie. Die guten Bilder und das vom Leben gezeichnete Charaktergesicht Mickey Rourkes, der in die Rolle eines Profikillers mit indianischen Wurzeln schlüpft, erweisen sich als die gröβten Stärken von „Killshot“.

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Geschminkt und aufgespritzt, aber dadurch nicht unbedingt hübscher präsentiert sich Rourke als kerniger Anti-Held. Er spielt den Hitman von Toronto: Armand Degas, genannt Blackbird, ist ein Auftragskiller mit indianischen Wurzeln, der sein Leben mit Zynismus und Fatalismus erträglich macht. "Ich töte Menschen. Manchmal für Geld, manchmal einfach so", erklärt er dann auch Richard Nix. "Brick"-Star Joseph Gordon-Levitt hyperventiliert ein wenig in seiner Rolle als abgefuckter Nachwuchsgangster, der bei Blackbird in die Lehre gehen will.

Lust hat Blackbird keine, eigentlich wollte er sich nach seinem letzten Auftrag zur Ruhe setzen. Auch wenn er noch nicht weiß, wo. In seinem Reservat jedenfalls ist er unerwünscht. Aber da ihn Nix an seinen kleinen, toten Bruder erinnert, nimmt sich Blackbird des gewalttätigen, jähzornigen Dreckskerls an. Mit seiner grenzenlosen Dummheit setzt Nix eine fatale Ereigniskette in Gang, an deren Anfang ein Ehepaar in der Krise steht.

Die Colsons sind schlichtweg ist zur falschen Zeit am falschen Ort: Der ehemalige Stahlarbeiter Wayne (Thomas Jane) heuert in der Firma seiner Noch-Gattin Carmen (Diane Lane) an. Durch Zufall und noch mehr grenzenlose Dummheit von Richard Nix bekommen sie von einem Erpressungsversuch des Gangster-Duos mit und stehen fortan auf der Abschussliste Blackbirds. Das ungleiche Verbrecherpärchen allerdings ist dümmer als das FBI, das sich irgendwann einschaltet, erlaubt. Wobei die Bundespolizei auch nicht gerade helle ist.

John Madden hat sich mit "Killshot" eine denkbar undankbare Aufgabe zugetraut. Dass die Umsetzung der komplexen Vorlage so lange dauerte, ist kein Zufall: logische Fallstricke, inkonsequente Figuren und Schwachstellen im Plot hatten neben Tarantino auch Anthony Minghella seinerzeit abwinken lassen. Also windet sich "Killshot" durch einen Genremix, ist Belagerungsthriller im Hause von Carmen, traurige Liebesgeschichte zweier gescheiterter Eheleute, Porträt einer verlorenen Killerseele und Reflexion über den Sinn des Lebens.

Um Dynamik und Spannung einen ganzen Film lang aufrecht zu erhalten, ist das einfach zu viel. Daran ändert auch Mickey Rourke nichts, der ohnehin nicht seine Oscar-nominierte "Wrestler"-Form erreicht. Dabei ist "Killshot" eigentlich und vor allem die Geschichte des unvermeidlichen Scheiterns (dessen sich John Madden auch nicht gänzlich entziehen kann). Doch das ist leider nur ansatzweise in der stilistisch durchaus reizvollen Neo-Noir-Inszenierung zu sehen, in der jegliche Wärme fehlt und der gewaltsame Tod zur Beiläufigkeit und Notwendigkeit wird.

Andreas Fischer

Credits:
V:Senator, USA 2008, R: John Madden, D: Mickey Rourke, Joseph Gordon-Levitt, Diane Lane u.a.

Laufzeit: 95 Min.

Kinostart:
16. Juli 2009


Regisseur John Madden wagte sich an die schwierige Romanvorlage "Killshot" und macht nicht alles falsch.
Regisseur John Madden wagte sich an die schwierige Romanvorlage "Killshot" und macht nicht alles falsch. (Senator)

Mit stoischer Gelassenheit wartet Armand "Blackbird" Degas (Mickey Rourke) auf das unvermeidliche Ende.
Mit stoischer Gelassenheit wartet Armand "Blackbird" Degas (Mickey Rourke) auf das unvermeidliche Ende. (Senator)

Richard Nix (Joseph Gordon-Levitt) will gern ein cooler Gangster werden, ist aber nur ein aggressiver Dümmling.
Richard Nix (Joseph Gordon-Levitt) will gern ein cooler Gangster werden, ist aber nur ein aggressiver Dümmling. (Senator)

Datum: 11.07.2009

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