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Western + Esoterik: "Blueberry und der Fluch der Dämonen"

Blueberry und der Fluch der Dämonen

Zumindest Palomito, die Stadt, in die Regisseur Jan Kounen zu Beginn seines Western-Spektakels "Blueberry und der Fluch der Dämonen" (2004) seine Zuschauer mitnimmt, ist ein überbordender Kindheitstraum. Genauso haben wir uns die Orte im Wilden Westen immer vorgestellt, wenn wir Cowboy und Indianer gespielt haben. Heiß, staubig, voller skurriler oder gefährlicher Typen. Im Saloon fließt der Whisky in Strömen, es gibt Prügeleien und Schießereien, während die taffe Stadtschönheit im knappen Dekolleté die Männer verrückt macht und sich draußen die puritanischen Frauen versammeln, um gegen den Alkohol zu protestieren. Dazu bevölkern Bösewichte, ein alter, gutmütiger Sheriff und der obligatorische Trottel das Städtchen. Das alles ist knallbunt und wunderbar überzogen inszeniert. So viel zu den Kindheitsträumen. Der Rest des Films, den 3sat nun wiederholt, hat allerdings gar nichts mehr mit dem klassischen Western zu tun.

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Gleich zu Beginn ist Blueberry (Vincent Cassel) in irgendeiner dunklen Höhle, er gleitet in die Schattenwelt und erinnert sich. An die Zeit, als er in den Westen kam, jung und voller Tatendrang. An die erste Frau, die sein Leben bestimmte und die starb, weil sie zwischen ihm und Wallace Sebastian Blount (Michael Madsen) stand. An seine Verletzung und die Kur bei den Schamanen in den Heiligen Bergen. Erinnerung und Gegenwart vermischen sich im Rausch der Getränke, die ihm die Indianer zur Heilung verabreichen.

Blueberry wird Stammesmitglied und ist ein paar Jahre später Sheriff in Palomito. Er sorgt nicht nur für Recht und Gerechtigkeit, sondern vor allem dafür, dass die heiligen Berge, dass die Indianer, ihre Riten und Mythen respektvoll behandelt werden. Hier zeigt sich, dass Blueberry in zwei Welten lebt. Der Stern an seiner Brust verankert ihn in der Realität, die tiefe Freundschaft zu den Schamanen und die spirituellen Erfahrungen, die er mit ihnen macht, entheben ihn der Wirklichkeit. Er ist ein Wanderer zwischen zwei Welten, und er muss sich auf beiden Seiten den Dämonen stellen.

In der Realität sind das sein alter Widersacher Blount, der zwielichtige Prosit (Eddie Izzard) und der Saloonbesitzer Sullivan (Geoffrey Lewis). Sie sind alle auf der Suche nach den Heiligen Bergen, entweder um das dort vermutete Gold zu finden oder um die Macht der Schamanen für sich auszunutzen. Gemeinsam mit Sullivans Tochter Maria (Juliette Lewis) stellt sich Blueberry diesem Kampf, der seine persönliche Rache ist. Egal, welche Ziele Blueberry, Blount, Prosit und Maria verfolgen, sie alle sind auf der Suche nach dem Sinn des Lebens. Die Geschichte ist lediglich ein Rahmen, den Jan Kounen geschaffen hat, um die spirituellen Erfahrungen Blueberrys zu zeigen.

Auf der Grundlage des Comics von Jean Giraud alias Moebius begibt sich Jan Kounen auf einen transzendentalen Trip und spielt dabei mit Mythen und bewusstseinserweiternden Drogen. Schräg, aber schön.

Tom Ruder


Die Ranchertochter und Sängerin Maria (Juliette Lewis) hat sich verliebt.
Die Ranchertochter und Sängerin Maria (Juliette Lewis) hat sich verliebt. (ZDF / ARD Degeto)

Der zwielichtige Revolverheld Wally (Michael Madsen) hat es auf den Schatz der Indianer abgesehen.
Der zwielichtige Revolverheld Wally (Michael Madsen) hat es auf den Schatz der Indianer abgesehen. (ZDF / ARD Degeto)

Mike Blueberry (Vincent Cassel) und sein Blutsbruder Runi (Temura Morrison, links) kämpfen Seite an Seite.
Mike Blueberry (Vincent Cassel) und sein Blutsbruder Runi (Temura Morrison, links) kämpfen Seite an Seite. (ZDF / ARD Degeto)

Datum: 17.07.2009

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