Surrealistischer Irrsinns-Trip: "Jacob`s Ladder"
Jacob's LadderJacob Singer hat Albträume. Denkt er, hofft er. Gerade ist er in der U-Bahn eingenickt. Nur einen Augenblick. Jetzt winden sich monströse Würmer um den Vietnamveteranen, verzerrte Fratzen erscheinen am Fenster, Fahrgäste entpuppen sich als Tote. Und dann ist er wieder im Krieg. Rings um ihn herum schlagen Granaten ein, Kameraden zerbersten vor seinen Augen im Sperrfeuer. "Aufhören!", schreit Jacob - vergebens. Es ist erst der Anfang eines bizarren Totentanzes, den Adrian Lyne 1990 in Szene setzte. "Jacobs Ladder" ist das Meisterwerk des Regisseurs, der mit Hochglanz-Hits wie "9 1/2 Wochen" und "Flashdance" Ende der 80-er berühmt wurde. 3sat zeigt das abgründige Horrordrama in der Reihe "PsychoWelten". Anzeige Nichts ist, wie es scheint in "Jacobs Ladder". Der ganze Film ist ein einziges Fragezeichen, ein Labyrinth verworrener Visionen. Lyne wählte statt Hochglanzaufnahmen grobgekörnte Dunkelheit, statt lupenreiner Präzision verwackelte Bilder mit der Handkamera. Es ist die Projektion eines Albtraums, schmutzig und konfus. Jacob (brillant paranoid gespielt von Tim Robbins) irrt zwischen Raum und Zeit, zwischen Vision und Realität - man sieht das Trauma eines gebrochenen Soldaten. Er findet sich an Orten wieder, die er noch nie gesehen hat oder die es gar nicht geben dürfte. Seltsame Kreaturen tauchen auf, Menschen ohne Gesichter, Köpfe in Zellophan, und der Mann, der seine Grusel-Visionen erklären könnte, explodiert kurz vorher in einem Auto. Jacob bleibt sich selbst überlassen, bleibt gefangen in dem halluzinatorischen Hexenkessel seines Unterbewusstseins. Da können auch seine Freundin Jezebel (Elizabeth Peña) und sein Arzt Louis (Danny Aiello) nicht helfen. Auch wenn "Jacob's Ladder" die eine oder andere Länge hat und in seiner ausschweifenden Freude am Symbolismus die Geduld seines Publikums herausfordert, gelang Adrian Lyne ein surrealistischer Irrsinns-Trip, der im Kino allerdings schlecht ankam. Zu Unrecht. Die kunstvollen Bilder aus einer intelligent gestrickten Psychohölle, die manchmal an die Szenarien David Lynchs erinnern, hätten mehr als einen Achtungserfolg verdient gehabt. 3sat setzt die Spielfilmreihe "PsychoWelten" am Freitag, 7. August, 22.25 Uhr, mit dem spanischen Mysterydrama "Öffne die Augen" (1997) - mit Penélope Cruz in der weiblichen Hauptrolle - fort. Tom Ruder |
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