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Auch nach "Che - Guerilla" bleibt Che Guevara ein Rätsel

Che - Guerrilla

(cg/tsch) Nicht mehr als 90.000 Menschen sahen sich „Che – Revolucion“, den ersten Teil von Steven Soderberghs Che-Guevara-Biopic, in den deutschen Kinos an. Zu sagen, dass der zweite mit Ungeduld und Vorfreude erwartet wurde, wäre also übertrieben. Doch auch wenn der Krieg von Teil 1 gewonnen ist, geht die Revolution nun für das Freiheitsidol weiter: „Che – Guerilla“ kommt nun ins Kino und schildert die zweite Lebenshälfte des legendären Revoluzzers, von seiner Reise nach Bolivien bis zu seinem Tod. Doch auch hier verzichtete Soderbergh auf klassische Spannungsbögen, was sein Heldenepos trotz der Aufteilung in zwei Episoden sehr sperrig und schwer verdaulich macht. Der Mann hinter dem T-Shirt- und Tattoo-Motiv bleibt auch nach „Che – Guerilla“ nach wie vor ein Rätsel.

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"Che - Revolucion" - das war im Kern eine episodische Nacherzählung der Jahre 1956 bis 1959. Angefangen bei der Formierung einer Rebellentruppe um Fidel Castro, endend mit dem Sturz des Batista-Regimes auf Kuba, mithin so etwas wie ein überraschend trocken dargebotener Grundkurs in Guerilla-Taktik. Der Krieg ist gewonnen, die Revolution geht weiter, hatte Che Guevara (Benicio Del Toro) am Ende von Teil eins konstatiert. Und so ist der kubanische Industrie- und Handelsminister im Jahr 1965 über Nacht spurlos verschwunden, reist mit falscher Glatze und falschen Papieren nach Bolivien ein. Hier, so meint der argentinische Arzt und Revolutionär, wird seine Hilfe dringender benötigt.

Guevaras aussichtsloser Abnutzungskampf gegen das Barrientos-Regime in Bolivien war diejenige Zeitspanne, für die sich Soderbergh anfänglich begeistert hatte. Und vielleicht wäre es besser gewesen, er hätte sich wie ursprünglich vorgesehen hierauf beschränkt. Soderbergh projiziert hier gleichsam die Möglichkeiten und Grenzen der Revolte in den ausgezehrten Körper seines Helden - in seine Verletzungen und vor allem in sein asthmatisches Röcheln, das unverdrossen stets ein und dieselbe Richtung vorgibt: weiter, immer weiter.

Der bolivianische Che Guevara ist ein Held der Selbstüberwindung. Aber auch einer, für den im Grunde keine Verwendung besteht. Und genau darin findet diese ikonische Märtyrergestalt endlich zu ihrer Größe und Tragik. "Revolution, muss das sein?", fragt die geknechtete und doch mutlose Bevölkerung, auf die Guevara geduldig wie ein Missionar einpredigt. "Und wenn schon, dann doch bitte nicht in unserem Dorf!" Unerbittlich wird Che fortan gejagt, verraten und im Stich gelassen - auch von seiner eigenen, zunehmend demoralisierten Truppe -, bis die stets wacklige Handkamera, durch die Augen des Sterbenden blickend, flackert und erlischt.

Soderberghs ausdrückliches Versprechen, den Menschen hinter dem T-Shirt-Motiv sichtbar zu machen, löst aber auch Teil zwei kaum ein. Der Auftritt der deutschstämmigen Freiheitskämpferin Tania (Franka Potente) wäre in einem gewöhnlichen Hollywoodfilm ein romantisches Versprechen. Doch mehr als ein paar Durchhalteparolen und mahnende Worte hat das verhinderte Guerilla-Traumpaar füreinander nicht übrig. Dann stirbt jeder für sich allein. So geht es den Zuschauern bis zuletzt wie jenen drei glücklosen Sensationsreportern, die ein paar Eindrücke aus dem täglichen Leiden und Sterben der Kämpfer mitnehmen, das Rätsel ihres charismatischen Anführers aber nicht mal ansatzweise enthüllen.

Steven Soderbergh, so urteilte die Kritik, habe sich bei "Che" konsequent geweigert, ein Biopic zu drehen. Vielleicht ist aber auch das Gegenteil zutreffend, vielleicht hat noch kein Regisseur das Prinzip Filmbiografie derart rückhaltlos und kompromisslos umgesetzt. Das Leben mag die tollsten Geschichten schreiben. Nach dem klassischen Aufbau eines Hollywooddrehbuchs gestaltet es sich aber in aller Regel nicht. Nicht einmal bei einem großen Abenteurer wie Ernesto "Che" Guevara.

Jens Szameit

Credits:
V:Central Film, USA / E 2008, R: Steven Soderbergh, D: Benicio Del Toro, Franka Potente, Rodrigo Santoro u.a.

Laufzeit: 131 Min.

Kinostart:
23. Juli 2009


In "Che - Guerrilla" porträtiert Steven Soderbergh einen tragischen Helden der Selbstüberwindung. Den Menschen hinter der Ikone macht aber auch Teil zwei des Che-Guevara-Epos nicht sichtbar.
In "Che - Guerrilla" porträtiert Steven Soderbergh einen tragischen Helden der Selbstüberwindung. Den Menschen hinter der Ikone macht aber auch Teil zwei des Che-Guevara-Epos nicht sichtbar. (Central Film / Senator)

Die Revolution soll leben, die Kämpfer sterben: Che Guevara (Benicio Del Toro) geht in Bolivien an die Grenzen seiner körperlichen Möglichkeiten.
Die Revolution soll leben, die Kämpfer sterben: Che Guevara (Benicio Del Toro) geht in Bolivien an die Grenzen seiner körperlichen Möglichkeiten. (Central Film / Senator)

In den Bergdörfern Boliviens liefert sich der Revolutionär Che Guevara (Benicio Del Toro) einen aussichtslosen Abnutzungskampf gegen die Truppen des Barrientos-Regimes.
In den Bergdörfern Boliviens liefert sich der Revolutionär Che Guevara (Benicio Del Toro) einen aussichtslosen Abnutzungskampf gegen die Truppen des Barrientos-Regimes. (Central Film / Senator)

Datum: 19.07.2009

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