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Hotel Ruanda

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Politische Filme sind schwierig: Schwierig zu finanzieren, schwierig zu drehen und schwierig, was das Kassenergebnis angeht. In Deutschland hatte "Hotel Ruanda" (2004) gerade einmal gut 150.000 Zuschauer. Viel zu wenig - zum einen, da der Film außergewöhnliche und wichtige Auflärungsarbeit leistet. Zum anderen, weil er auch künstlerisch (drei Oscarnominierungen!) von besonderem Wert ist. Nun erscheint die Regiearbeit von Terry George auf DVD.

Der Film lief in diesem Jahr bei den Internationalen Filmfestspielen von Berlin im Wettbewerb, aber außer Konkurrenz. Publikum und Kritiker waren sich angesichts der schwachen Wettbewerbsfilme einig: Die authentische Geschichte eines ruandischen Hotel-Managers, der in den Wirren des Völkermords zum Retter von weit über 1.000 Menschen wird, war der Höhepunkt der Berlinale. Etwas über zehn Jahre ist es her, dass der afrikanische Staat von einer unmenschlichen Welle des Todes überrollt wurde. Grund dafür waren Neid und Missgunst. Die Anfänge hierfür lagen bei der belgischen Kolonialmacht, welche die Bevölkerung in zwei Gruppen aufgeteilt hatte: Die Tutsi waren mehr wert als die Hutus. Warum? Das wusste niemand so recht. Am Ende wurde - wie so häufig in der Menschheitsgeschichte - aufgrund der Nasenform die Zugehörigkeit festgestellt.

Das Grauen begann mit lautem Gerassel - doch niemand wollte hören. Waffenhändler hetzten über das Radio gegen die Tutsi, sie hätten den Präsidenten ermordet, seien arrogant und verdienten den Tod. Das Offensichtliche wurde von der Öffentlichkeit zu spät wahrgenommen. Erst als das Morden auf offener Straße begann, erreichte der Konflikt auch Paul Rusesabagina im noblen Hotel Mille Collines, wo die feine Gesellschaft einen edlen Whiskey zu schätzen wusste. Don Cheadle ist hier in seiner bisher beeindruckendsten Rolle zu sehen.

In diesen Wochen starben etwa eine Million Tutsi, aber auch gemäßigte Hutus, die gegen die Mordlust opponierten. Während alle Versuche misslangen, die internationale Staatengemeinschaft zu schnellen Hilfsmaßnahmen zu bewegen, kämpfte Rusesabagina, selbst Hutu, mit bescheidenem Erfolg gegen den Wahnsinn: Das Hotel wurde ungewollt zur Auffangstation für Flüchtlinge, bewacht von einer Hand voll UN-Soldaten, denen es untersagt war zu schießen. Mit einer zurückhaltenden, aber angemessen pathetischen Filmmusik von Andrea Guerra ("Lampedusa") inszenierte der irische Regisseur Terry George eine an Spannung nicht zu überbietende Tragödie.

Die Extras der DVD bieten wertvolle Hintergrundinformationen zum Film. Interessant ist nicht nur der Audiokommentar, den Regisseur Terry George und Paul Rusesabagina selbst sprechen, sondern auch das knapp halbstündige Making of, das Einblicke in die Herausforderungen bei der Entstehung eines solchen Films gibt. Hinzu kommen Interviews und mehr, insgesamt 80 Minuten Material.

Das anamorphe Bild wird durch die dem Film eigene farbarme Präsentation geprägt und weist eine gute Schärfe auf. Der 5.1-Sound reduziert sich bis auf ganz wenige Aufnahmen auf die Frontspeaker, kommt jedoch klar und ohne Störungen. Leider wurden die Extras nicht mit deutschen Untertiteln ausgestattet.

Nick Petersen

bewertungsbox

bildformat 1,85:1 (anamoph)
sprachen Deutsch (5.1), Englisch (5.1)
untertitel Deutsch, Englisch
extras Audiokommentar von Terry George (Regie), Paul Rusesabagina und Wyclef Jean (engl OV); Featurette; Interviews mit Cast & Crew; Message for Peace: Making Hotel Ruanda; Dokumentation: Return to Hotel
laufzeit 122 Min.
tonsystem Dolby Digital
regionalcode Regionalcode 2
preis ca. 20 Euro
bewertung bild gut
bewertung ton gut
bewertung extras sehr gut

Credits:
(ZA / GB / I 2004, R: Terry George, D: Joaquin Phoenix, Sophie Okonedo, Don Cheadle u.a.)


In Deutschland hatte "Hotel Ruanda" (2004) gerade einmal gut 150.000 Zuschauer. Nun folgt die DVD-Auswertung.
In Deutschland hatte "Hotel Ruanda" (2004) gerade einmal gut 150.000 Zuschauer. Nun folgt die DVD-Auswertung. (Universum)

Verzweifelt versucht UN-Colonel Oliver (Nick Nolte) die wütenden Menschenmassen zur Ruhe zu bringen.
Verzweifelt versucht UN-Colonel Oliver (Nick Nolte) die wütenden Menschenmassen zur Ruhe zu bringen. (Tobis)

Paul (Don Cheadle) bringt seine Frau Tatiana (Sophie Okonedo) und die Kinder in seinem zum Flüchtlingslager umfunktionierten Hotel in Sicherheit.
Paul (Don Cheadle) bringt seine Frau Tatiana (Sophie Okonedo) und die Kinder in seinem zum Flüchtlingslager umfunktionierten Hotel in Sicherheit. (Tobis)

Datum: 21.12.2005

Diskussion: "Hotel Ruanda"

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Artikel ID 163614

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