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Lady Gaga will ins Museum

Zwischen Louvre und Großraumdisko

Musikerin Lady Gaga

Ihre Musik gehört in den Louvre. Zumindestens empfindet Lady Gaga ihr Schaffen so. Ihre Musik sei Kunst und sollte weltweit im Museum zu bewundern sein, meint die Sängerin. Überschätzt sich Lady Gaga maßlos, oder hat die neue Ikone am Musikhimmel wirklich das Zeug zum Ausstellungsstück als zeitgeschichtliche Referenz des Pop? Mit ihren Hits "Just Dance", "Lovegame" und natürlich "Poker Face" hat sie schon mal Chartstauglichkeit bewiesen, ihre Videos sind Knallbonbons für die Augen und ihr gesamtes Auftreten Götzenbild für die Großraumdisko.

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Immer wieder betont die 23-jährige Songwriterin, die Anfang dieses Jahres noch als Support-Act von den Pussycat Dolls anheuerte und Songs für die hübschen Kätzchen schrieb, dass sie sich von Größen wie Andy Warhol oder David Bowie inspirieren lässt. Klaus Nomi verschweigt sie meist, vom optisch visionären Countertenor, der in den 70er-Jahren nur zu geringem Popruhm kam, hat sie viele der Kostümideen und die Art, Lippenstift zu tragen, abgeschaut.

Aber ein gutes Plagiat gilt eben auch als Kunst. Und letztendlich kommt es auf die Inszenierung an. Wie das geht, davon hat die als Stefani Germanotta geborene Musikerin richtig Ahnung. In ihrer Kunstperformance verschmilzt alles: "Ich unterscheide nicht zwischen Lady Gaga und meiner Privatperson, ich bin auf alle Fälle ein Ganzes. Es liegt in der Natur von Musik und Kunst, provokativ zu sein, und es ist immer wichtig, zu provozieren. Wenn ich in manchen Bereichen differenzieren würde, wäre das eine ganz gefährliche Sache, und das würde meine Musik umbringen."

Die Lady denkt radikal. Geht nicht? Gibt es nicht bei ihr: "Wir führen einfach jede Idee aus, die wir im Team für meine Performance erarbeiten. Nichts ist zu verrückt oder zu gewagt. Denn was man nicht sofort ausführt und auf die lange Bank schiebt, macht man doch nie wieder, oder? Es ist kriminell, die eigenen Visionen nicht zu würdigen, darum gibt es bei uns einfach alles und keine Grenzen!" Große Gesten, harter Tanzbeat, satte Worte in Verbindung mit Mode, die nicht zwingend alltagstauglich ist. Im Booklet ihrer CD dankt sie ganz schlicht "Fashion". Mode ist wichtig, sie ist Alltagskunst. Folglich hat die Chanel-Anhängerin auch eine ganze eigene Sicht, was das Beste an ihrer absolvierten Deutschland-Tournee war: "Nicht die Special-Effects, sondern meine Fans! Die sind immer gut drauf und soooo schick angezogen! Sie geben sich Mühe, an diesem Abend besonders gut auszusehen. Es ist ganz wichtig, ein Individuum zu sein, und das kann ich nur unterstützen. Manchmal sind auch ganz junge Fans im Publikum, und ich sorge mich natürlich um sie und muss das ein oder andere böse Wort mal verschlucken (lacht). Die sind alle so lieb, deshalb ist es mein Ziel, jeden Fan von mir weltweit kennenzulernen. Das bestärkt mich in meiner Kunst!"

Und obwohl sie sich um ihre kleinen Fans sorgt, schmückt sich Lady Gaga gerne mit derben Worten ("Dance you motherfuckers"), in Interviews allerdings verbittet sie sich Fragen zu On/Off-Freund Speedy, ihren früher mal braunen Haaren und der alten Schulfreundin Paris Hilton, mit der sie auf einer New Yorker Mädchenschule die Schulbank drückte. So gerne Lady Gaga vielleicht eine sozial nicht ganz astreine Vergangenheit hätte, stammt sie aus gutem Hause in New York. Doch mit Stolz verweist sie auf ihre europäischen Wurzeln: "Ich bestehe darauf, dass ich ganze Italienerin bin - auch wenn ich kein Italienisch spreche! Ich glaube ganz stark an die Kraft der Familie, und ich liebe meine Familie. Ich selbst koche Italienisch zu Hause, und es war meine Familie, die mir beigebracht hat, wie wichtig es ist, gemeinsam am Tisch zu essen. Allerdings weiß jeder, der Kinder hat, dass es ganz schön harte Arbeit ist, Kinder am Tisch zu halten. Tja, was soll ich sagen: Meine Eltern waren echt harte Arbeiter." Und sie mussten es wohl eher hinnehmen, dass Stefani mit 18 Jahren daheim auszog und ihr Geld als Stripperin verdiente und so schon damals die großen Gaga-Posen vor Publikum üben konnte.

Nicht nur in Outfit und Musik sucht die Lady die Perfektion, sie nimmt ihre Arbeit ganz professionell und müsste momentan vor lauter Promotion, Tour und Fan-Ansprüchen keine Zeit mehr haben, sich zu erholen. Trotzdem ist Gaga recht relaxt. Ihr Geheimnis? "Ganz einfach: Ich habe hinter meinem linken Ohr einen Knopf, den drücke ich und führe meinem Gehirn so neue Energie zu. Das klappt ganz gut, mehr brauche ich nicht!" Und so maschinenhaft und künstlich das Gaga-Image wirkt, so zerbrechlich wird die Gaga, wenn man sie fragt, ob es ihr vielleicht selbst einmal so erging wie in ihrem neuesten Video zu "Paparazzi". Nämlich ein Star zu sein, dessen Ruhm von sogenannten Freunden ausgenutzt wird. Sie überlegt kurz und teilt mit gedrückter Stimme fest, dass sie diese Frage nicht beantworten wird. Und da blitzt Verletzlichkeit auf und kurz kann man statt der Hitmaschine mit Feuer speienden Brüsten ein New Yorker Mädchen erahnen, die für den von ihr ersehnten Ruhm und ihre selbst ernannte Kunst wohl schon einige Opfer gebracht hat.

Nina Becker-Göpner


Unbestritten die Pop-Newcomerin des Jahres 2009: Lady Gaga.
Unbestritten die Pop-Newcomerin des Jahres 2009: Lady Gaga. (Universal Music)

Mit provokanten Posen und gewagten Outfits an die Spitze der Charts: Lady Gaga.
Mit provokanten Posen und gewagten Outfits an die Spitze der Charts: Lady Gaga. (Universal Music)

Performance, Pop und Provokation verschmelzen bei Lady Gaga zu einem Ganzen: "Ich unterscheide nicht zwischen Lady Gaga und meiner Privatperson".
Performance, Pop und Provokation verschmelzen bei Lady Gaga zu einem Ganzen: "Ich unterscheide nicht zwischen Lady Gaga und meiner Privatperson". (Universal Music)

Datum: 29.07.2009

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