Die Enttäuschung stand bei den Berliner Filmfestspielen 2007 vielen Berlinern ins Gesicht geschrieben: George Clooney werde nicht zur Premiere seines neuen Films "The Good German" kommen, hieß es. Dabei hatte der schöne George die Hauptstadt in den vergangenen Jahren häufig und gerne besucht. Nur diesmal sparte er sich den roten Teppich, um die Aufmerksamkeit auf wichtigere Dinge zu lenken, auf das Leiden der Menschen in der sudanesischen Krisenregion Darfur zum Beispiel. Er kann und will es schließlich nicht allen recht machen. Nicht im wahren Leben, nicht im Film. In "The Good German" (2006) spielt er einen amerikanischen Reporter, der nach dem Zweiten Weltkrieg nach Berlin zurückkehrt - in die Stadt, in der er sich einst verliebte. Doch willkommen ist er nicht. Selbst seine Angebetete möchte am liebsten nichts von ihm wissen.
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Inszeniert von Steven Soderbergh, der sich über alle Maßen am visuellen Stil großer Filmklassiker früher Jahre wie zum Beispiel "Casablanca" orientierte, entwirft "The Good German" das zerbombte Nachkriegsberlin als rechtlosen Ort, in dem die alliierten Besatzer mehr auf das große politische Ganze schauen als auf die Gerechtigkeit im Detail. An einer Stelle fällt der Satz, dass man wegen eines Mordes in der sowjetischen Zone keinen Dritten Weltkrieg riskiere. So ist auch Jake Geismer (Clooney) auf sich gestellt, als er herauszufinden versucht, welches Geheimnis seine einstmalige Liebe Lena Brandt (angemessen kühl: Cate Blanchett) verbirgt.
Die hat bereits einen anderen Amerikaner auf dem Gewissen, der ihr nicht nur verfallen war, sondern auch regen Handel mit den Sowjets trieb. Dieser Korporal, gespielt von "Spider-Man" Tobey Maguire, vermutete, dass der Ehemann Lena Brandts immer noch lebte und versuchte, daraus Profit zu schlagen. Schließlich war dieser der persönliche Sekretär eines weltbekannten deutschen Raketenwissenschaftlers und könnte beweisen, dass der hehre Intellektuelle für die Ausbeutung von Zwangsarbeitern mit verantwortlich war. Solche Vorwürfe kann keine Seite gebrauchen, denn es gilt, sich das technische Wissen und nicht das schlechte Gewissen des Deutschen zu sichern.
Schnell wird das wahre Anliegen der Sieger klar: Ost und West rangeln um die Wissenschaftselite des Dritten Reichs, vor allem um die Top-Ingenieure, die dabei helfen sollen, sich in der neuen Weltordnung möglichst stark und sicher zu positionieren. Soderbergh betont, der Kalte Krieg habe sich bereits während der Friedenskonferenz in Potsdam abgezeichnet. Also wird fleißig konspiriert, verschleiert und beschattet.
Clooney agiert in einem filmischen Umfeld, das atmosphärisch äußerst stark an den "Dritten Mann" erinnert. Die Schwarz-Weiß-Ästhetik des Films wirkt leider heillos überstilisiert, obwohl Originalaufnahmen der Potsdamer Konferenz technisch meisterhaft eingearbeitet wurden. Auch hat Clooney, Hollywoods beliebtester Charmeur, schon bessere Drehtage erlebt. Die freilich aufgezwungene Übertreibung seiner Darstellung des im Dunkel tappenden Rechercheurs will nicht überzeugen. Ganz anders Cate Blanchett: Als ambivalente Opferfigur beweist sie nicht nur hervorragendes deutsches Sprachtalent, sondern zeigt auch erneut, dass sie auf der Leinwand eine echte Diva sein kann. Mit ihr kann das Finale des Films zum provokanten Gegenentwurf des klischeebeladenen "Casablanca"-Ausklangs werden, das den Vergleich verdient.
Jan Treber
In den Ruinen von Berlin stellt Jake (George Clooney) auf eigene Faust Nachforschungen an. (ZDF / Melinda Sue Gordon)
Als der Militärkorrespondent Jake Geismer (George Clooney) 1945 in Berlin ankommt, findet er eine vollkommen zerstörte Stadt vor. (ZDF / Melinda Sue Gordon)
Hinter Corporal Tully (Tobey Maguire) sind sowohl amerikanische als auch russische Soldaten hinterher. (ZDF / Melinda Sue Gordon)
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