logo
Anzeige
Cineastentreff Kino Film Filmstarts - Neu im Kino Kino Film "Zerrissene Umarmungen" ist kein Höhepunkt für Almodóvar
"Zerrissene Umarmungen" ist kein Höhepunkt für Almodóvar

Zerrissene Umarmungen

(vm/tsch) „Zerrissene Umarmungen“, der neue Pedro-Almodóvar-Film, handelt von den ganz groβen Gefühlen. Liebe, Eifersucht, Trauer und Verzweiflung bewegen die Figuren und spinnen ein komplexes Netz aus zahlreichen Nebenhandlungen, die in einem ständigen Wechsel zwischen Gegenwart und Vergangenheit, zwischen Realität und Fiktion inszeniert werden, so dass der Zuschauer öfters irritiert die Stirn runzeln und sich schlieβlich geschlagen geben muss. Was ist es, was „Zerrissene Umarmungen“ im Innersten zusammenhält? Und worum genau geht es Almodóvar in diesem tragikomischen Melodram der groβen Gesten und Worte? Das erfährt man nicht. Doch an den herausragenden Darstellern, den originellen Einfällen und den groβartigen Bildern kann man sich in „Zerrissene Umarmungen“ nicht satt sehen. Und vor allem an Penélope Cruz, die wieder mal umwerfend ist.

Anzeige

 

"Es ist das mutigste und komplexeste Drehbuch, das Pedro je geschrieben hatte, sagte die leicht verschnupfte Penélope Cruz nach der Premiere von "Zerrissene Umarmungen" beim Festival von Cannes. Die schöne Spanierin sollte es wissen, sie hatte schon vier Mal mit Almodóvar zusammengearbeitet. Und ist trotzdem zurückgekommen: Der Regisseur weiß, dass er "seine Frauen" vor der Kamera an den Rande des Nervenzusammenbruchs treibt. "Aber sie vertrauen mir, auch wenn ich Dinge verlange, die wehtun."

"Zerrissene Umarmungen" ist ein sehr persönlicher Film - mit leichtem Pathos geht es um all die Schmerzen, die die Liebe bereitet; die Liebe zweier Menschen, genauso aber die Liebe zum Kino. Und es geht um die Unfähigkeit, zu den Gefühlen zu stehen. Cruz spielt Lena, eine junge Frau, die zur Geliebten ihres wesentlich älteren und obszön reichen Chefs Ernesto Martel (José Luis Gómez) wird. Doch das von Geldsorgen befreite Leben reicht der ehemaligen Sekretärin, die aus finanzieller Not gelegentlich ihren Körper verkaufen musste, nicht aus. Sie will mehr, sie will Erfüllung - am liebsten als Schauspielerin.

Also produziert der Lover kurzerhand einen Film für sein talentfreies Betthäschen, den Regisseur Mateo Blanco (Lluís Homar) inszeniert. Das Unvermeidliche passiert: Lena und Mateo verlieben sich auf dem Set ineinander. Eifersucht, Tragik, Unvermeidlichkeit - Almodóvar kann sich in den ganz großen Emotionen austoben. Und das wird zur echten Herausforderung: "Zerrissene Umarmungen" ist voller doppelter Böden, eine strukturelle Herausforderung an die Wahrnehmung, eine manchmal anstrengend mäandernde Wanderung von Geist und Seele zwischen Jetzt, Damals und Film-im-Film.

Reiseführer ist der mittlerweile erblindete Mateo, der sich 14 Jahre danach erinnert. Er nennt sich inzwischen Harry Caine, schreibt Drehbücher und erinnert sich an seine Zeit mit Lena, eine Zeit, in der er sehen konnte und fühlen. Kleine Puzzleteile fügen sich zu einem großen Drama zusammen, von Almodóvar virtuos und mit berauschenden Bildern zusammengefügt. Es ist eine zauberhafte Liebeserklärung - an Penélope Cruz natürlich, an die Reinheit großer Gefühle, an die Almodóvar unerschütterlich glaubt, und an das Kino. Dass "Zerrissene Umarmungen" dabei merkwürdig distanziert bleibt, dass die Emotionen nicht ganz so unmittelbar und kraftvoll sind, wie in Almodóvars besten Filmen, ist verzeihlich.

Dafür gibt es zu viele unvergessliche kleine Momente und herrliche Einfälle voll bittersüßer Melodramatik. Produzent Martel schickt zum Beispiel seinen Sohn ans Set, um ein Making Of zu drehen. Das tonlose Material sieht sich der eifersüchtige alte Mann mit einer Lippenleserin an und kommt der Affäre von Lena und Mateo dadurch erst auf die Schliche. Oder die Flucht des Paares in eine karge Abgeschiedenheit, in der die Welt um sie herum aufhört zu existieren: Liebende brauchen nur sich selbst. Und nicht zuletzt die oscarprämierte Penélope Cruz, die vor einer außergewöhnlichen Herausforderung stand: In ihrer Rolle spielt sie schließlich eine weitere Rolle - und Möchtegern-Schauspielerin Lena ist unverschämt schlecht.

Andreas Fischer

Credits:
V:, E 2009, R: Pedro Almodóvar, D: Penélope Cruz, Lluís Homar, Blanca Portillo u.a.

Laufzeit: 128 Min.

Kinostart:
06. August 2009


Pedro Almodóvar huldigt in "Zerrissene Umarmungen" seiner Muse Penélope Cruz und seiner großen Liebe: dem Kino.
Pedro Almodóvar huldigt in "Zerrissene Umarmungen" seiner Muse Penélope Cruz und seiner großen Liebe: dem Kino. (Tobis Film)

Penélope Cruz bringt die Leinwände zum Glühen: Sie spielt eine Möchtegern-Schauspielerin, die unter ihrem tyrannischen Mann leidet.
Penélope Cruz bringt die Leinwände zum Glühen: Sie spielt eine Möchtegern-Schauspielerin, die unter ihrem tyrannischen Mann leidet. (Tobis Film)

Lena (Penélope Cruz) und Mateo (Lluís Homar) genügen sich selbst.
Lena (Penélope Cruz) und Mateo (Lluís Homar) genügen sich selbst. (Tobis Film)

Datum: 02.08.2009

Facebook aktivieren

Diskussion: ""Zerrissene Umarmungen" ist kein Höhepunkt für Almodóvar"

Um eine Diskussion zu ""Zerrissene Umarmungen" ist kein Höhepunkt für Almodóvar" zu beginnen melden Sie sich bitte im Forum an. Wenn Sie noch nicht registriert sind, können sie sich jetzt registrieren um an den Diskussionen teilzunehmen.

Weitere Artikel, die Sie interessieren könnten:

    Chabrol und Rohrbach werden mit Berinale Kamera geehrt
    Die Berlinale Kamera geht in diesem Jahr an zwei wichtige Filmschaffende, die sich beide darauf verstehen, die großen Literaten ihrer Heimatländer erfolgreich auf die Leinwand zu bringen: Regisseur Claude ...

    Frankreichs "Public Enemy No.1" hieß Jacques Mesrine
    2009 kommen zwei Filme ins Kino, die mit ähnlichem Titel zwei legendäre Verbrecher porträtieren: Michael Manns „Public Enemies“ über den amerikanischen Bankräuber John Dillinger und der französische Thriller ...

    Isabelle Huppert erledigt "Eine Frauensache"
    "Ich wollte einen ergreifenden Film über eine einsame, orientierungslose Frau machen, die nicht begreift, was ihr geschieht", sagte Claude Chabrol über sein Drama "Eine Frauensache" (1988). So gesehen ...

    Chabrol macht aus Gérard Depardieu "Kommissar Bellamy"
    Obwohl "Kommissar Bellamy" einen typischen Krimiplot hat, wäre es nicht ganz zutreffend, den Film als einen Krimi zu bezeichnen. Denn im neuen Werk des Altmeisters des französischen Kinos Claude Chabrol ...

    "Ein Geheimnis" versammelt die Stars des französischen Kinos
    „Ein Geheimnis“ hat wahrscheinlich jede Familie. Doch in Claude Millers Drama ist es ein so schreckliches, dass es Jahrzehnte braucht, bis es wieder ans Licht kommt, um endlich verarbeitet zu werden. ...

    Super: "Public Enemy No. 1 - Todestrieb & Mordinstinkt"
    In den 60ern und 70ern hatte das Böse in Frankreich offiziell einen Namen: Jacques Mesrine. Das war ein smarter, charismatischer, aber auch unberechenbarer Mann, der außerhalb des Gesetzes lebte und zum ...


 
Anzeige
livedome
Konzert-DVD im Stream
Gentleman
Gentleman am 27.04. ab 20.00 Uhr als » Musikstream

Anzeige
.
Partner von Fantastic Zero


itemid = 31 - id = 7440 - task = view - option = com_content - limitstart= 0