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"Babel" wurde mit Preisen überhäuft

Babel

Ein Schuss löst eine weltumspannende Kettenreaktion aus. Zwei Hirtenjungen wollen die Reichweite eines Gewehrs testen und zielen achtlos auf einen entfernten Luxus-Reisebus, der durch die marokkanischen Berge fährt. Getroffen wird zufällig eine amerikanische Touristin. Ihre lebensgefährliche Verletzung steht nur am Anfang dramatischer Ereignisse, von denen unterschiedliche Menschen auf drei Kontinenten betroffen sind. Der Regisseur Alejandro Gonzáles Iñárritu ("Amores Perros", "21 Gramm") erweist sich bei seinem prominent besetzten Ensembledrama "Babel" (2006) zum dritten Mal als Meister des episodischen Erzählens. Das Erste zeigt den in Cannes mit dem Regiepreis ausgezeichneten Film nun als Free-TV-Premiere.

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Schauplatz Marokko: Hier kämpft die von der Kugel schwer verletzte Susan (Cate Blanchett) in einem abgelegenen Bergdorf um ihr Leben. Ihr Mann Richard (Brad Pitt) versucht alles, um ärztliche Versorgung zu bekommen. Doch bis dahin sind sie auf die Hilfe der Einheimischen angewiesen. Richard macht dabei die Erfahrung, dass er sich - selbst ohne Worte - besser den bodenständigen Menschen mitteilen kann als der marokkanische Dolmetscher aus der Stadt.

"Babel", das steht in der Bibel für den Kommunikationsverlust der Völker. Und der hat im Film die unterschiedlichsten Ursachen. Das Sprachengewirr der globalisierten Welt natürlich. Aber auch Mutlosigkeit. So wie im Fall der mexikanischen Nanny Amelia (Adriana Barraza), die in San Diego auf die Kinder der Amerikaner Susan und Richard aufpasst. Während die durch das Unglück in Marokko festsitzen, droht Amelia die Hochzeit ihres Sohnes in Mexiko zu verpassen.

Wo soll sie die ihr anvertrauten Kinder lassen? Auf Drängen ihres Neffen Santiago (Gael García Bernal) tritt sie die Fahrt an und nimmt die beiden heimlich mit. Doch bei der Wiedereinreise lassen eine Reihe vermeidbarer Missverständnisse zwischen Santiago, Amelia und den Zollbeamten eine ursprünglich harmlose Ausgangslage tragisch eskalieren.

Sprachlosigkeit ist der Kern aller Konflikte, in welche die Figuren geraten. Sie bestimmt auch das Leben von Chieko (Rinko Kikuchi) im entfernten Tokio. Hier versucht sich die taubstumme, nach Liebe suchende junge Frau ihrer Umwelt und ihrem Vater Yasujiro (Kôji Yakusho) mit Gebärdensprache und heftigen sexuellen Provokationen mitzuteilen. Meisterhaft bindet Iñárritu diese nicht nur visuell völlig unterschiedliche Geschichte in seinen Film ein.

Individuelle Schicksale in einer vernetzten Welt - was in anderen Händen zu einer überambitionierten oder pauschal politisierenden Versuchsanordnung hätte werden können, lebt bei Iñárritu. Der Mexikaner zeichnet die Globalisierung nach dem Modell der Chaostheorie. Alles hängt mit allem schicksalhaft zusammen. Und mit Blanchett, Pitt, Bernal und den weniger namhaften, dennoch ungeheuer lebensnahen Darstellern hat er ein Ensemble, das seine Vision trägt.

Johann Ritter


In Marokko kämpft der amerikanische Urlauber Richard (Brad Pitt) um das Überleben seiner Frau Susan (Cate Blanchett), die von einer Gewehrkugel getroffen wurde.
In Marokko kämpft der amerikanische Urlauber Richard (Brad Pitt) um das Überleben seiner Frau Susan (Cate Blanchett), die von einer Gewehrkugel getroffen wurde. (ARD / Degeto)

Die mexikanische Nanny Amelia (Adriana Barraza) irrt völlig entkräftet mit der ihr anvertrauten Debbie (Elle Fanning) durch die Wüste.
Die mexikanische Nanny Amelia (Adriana Barraza) irrt völlig entkräftet mit der ihr anvertrauten Debbie (Elle Fanning) durch die Wüste. (ARD / Degeto)

Verzweifelt bemüht sich Richard (Brad Pitt), medizinische Hilfe für seine Frau Susan zu organisieren, die in Marokko von einer verirrten Gewehrkugel getroffen wurde.
Verzweifelt bemüht sich Richard (Brad Pitt), medizinische Hilfe für seine Frau Susan zu organisieren, die in Marokko von einer verirrten Gewehrkugel getroffen wurde. (ARD / Degeto)

Datum: 03.09.2009

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