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Erstaunlich altmodisch: "G.I. Joe - Geheimauftrag Cobra"

G.I. Joe - Geheimauftrag Cobra

(mb/tsch) Mit dem Begriff “G.I. Joe” kann der Deutsche nicht viel anfangen. In Amerika hingegen steht dieser Name für eine lange Tradition und ist mindestens genau so populär wie Barbie. Der Vergleich kommt nicht von ungefähr, denn “G.I. Joe” hieß Barbies maskulines Äquivalent. Während Mädchen ihre Puppen umzogen und schminkten, spielten Jungs mit dem Soldaten “G.I. Joe” Krieg. Das war vor 45 Jahren. Unlängst wurde der prominenten Spielzeugfigur ein Videospiel gewidmet und nun fand sie sogar ihren Weg ins Kino. Doch “G.I. Joe – Geheimauftrag Cobra” ist bei weitem nicht so spektrakulär wie etwa das Spielzeug-inspirierte Actionfeuerwerk “Transformers”. Das mag G.I. Joe-Fans der ersten Stunde ansprechen, doch in Deutschland, wo kaum jemand die Spielfigur kennt, könnte es als schlicht langweilig erscheinen.

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"Transformers" kommt aus dem gleichen Geburtsstall und steht unverkennbar Pate, und dies im Sinne einer wirklichen Patenschaft. Michaels Bays Actionspektakel basiert auf anderen Figuren des gleichen Herstellers ("Hasbro"), allerdings wurde unter den Fittichen von Steven Spielberg mit Effekten massiver geklotzt. Bei "G.I. Joe" wird sowohl optisch als auch akustisch eher gekleckert.

Bei einem Film dieser Größenordnung kann man sich der Erwartung eines "Größer, schneller, lauter"-Automatismus nicht erwehren, der eben immer mehr fordert als das, was die Langweiler vom vergangenen Jahr boten. Regisseur Sommers überrascht da mit einem Rückschritt. Einem Rückschritt, der sich eigentlich gut in die Gesamtkonstruktion einfügt, denn die Erscheinung des bunt zusammengewürfelten Eliteteams ist denn doch eher Oldschool.

Spannung bezieht der Filmemacher immer wieder daraus, dass sein A-Team der Elitesoldaten auf einen Feind trifft, der ihnen weit überlegen scheint. So gut die Global Integrated Joint Operating Entity (G.I. J.O.E.) ausgerüstet ist, sie wird von der gefährlichen Verbrecherorganisation Cobra eigentlich den kompletten Film lang an ihre Grenzen gebracht.

Denn deren Anführer, den gut organisierten Waffenhändler James McCullen (Christopher Eccleston), kurz: Destro, zu bekämpfen, bedeutet gegen einen mächtigen Gegner zu straucheln, dem man nie mehr als eine Pattsituation abringen kann. Sein Familienunternehmen hat im heimischen Labor eine neongrüne Flüssigkeit erfunden. Diese besteht aus Nanomilben - Milben, die alles auffressen. Solch Zersetzung wird zunächst wenig eindrucksvoll an einem Panzer demonstriert, später dann ein wenig aufwändiger anhand des Eiffelturms in Szene gesetzt.

Das von der Nato eingesetzte Team zur Bewachung der grünen Masse wird zu Beginn so schnell zerstört wie es vorgestellt wurde. Übrig bleiben der junge, couragierte Captain Duke Hauser (Channing Tatum)und sein witziger, farbiger Freund, Sidekick Wallace Weems (Marlon Wayans). Sie werden zu Neuzugängen bei der Einheit, da Duke mit der Nachrichtenoffizierin der Gegenseite (Sienna Miller) liiert war.

Nachdem sie sich vor vier Jahren aus den Augen verloren, schlug sich Anastasia auf die Seite der Bösen, also zu McCullen, und avancierte durch eine adlige Heirat zur Baroness. An ihrer Seite kämpft der Martial-Arts-Söldner Storm Shadow (Byung-hun Lee), der wiederum seinen Gegenspieler im Ninja-Kämpfer Snake Eyes (Ray Park) auf der anderen Seite findet. Mit solchen Aufzählungen könnte man noch eine Weile weitermachen, was auch sicher im Sinne des Erfinders wäre, schließlich sollen die vielen im Spielzeugregal wartenden Figuren ihre Käufer finden.

Für das Kinopublikum indes genügt es zu wissen, dass Anas Pulsarwaffe zu den wenigen interessanten Effekten des gesamten Films zählt. Feuert sie sie ab, verschwimmt das Bild, als spiegle es sich in einem See. Kein wirklicher Aufreger, aber immerhin. Der Eiffelturm zerfällt halbwegs spektakulär, und 112 Autos werden in die Luft gejagt, fühlen sich aber wie 40 an. Dazu kommen einige ansprechende Stunts von Kindern und last not least eine Story, die geradlinig erzählt wird.

In den Anfangsminuten verwischt Sienna Millers Figur, erscheint in Videogame-Optik, was im weiteren Verlauf jedoch einfach weggelassen wird. Schließlich beginnen alle sehr zu menscheln: Es wird viel gelacht, vier Leute verlieben sich sogar in einem ansonsten viel zu lauten Film, der Soundeffekte jederzeit mit plumpen Lärm verwechselt.

Arbeit hatten einzig Channing Tatum und Marlon Wayans als männliche Hauptdarsteller, als sie in Spezialanzügen durch die Straßen jagten. Der Einsatz von Dennis Quaid hingegen ging nicht über das Zucken des Gesichtsmuskels hinaus, sodass man seine Leistung besser unkommentiert lässt. Joseph Gordon-Levitt übt sich in der typischen Gary-Oldman-Rolle, während Bösewicht McCullen vielleicht auch nicht von ungefähr Liam Neesons Züge hat. Trotz Materialschlacht und Martial Arts können ein paar bekannte Darsteller der Popularität im Popcorngeschäft keineswegs schaden.

Claudia Nitsche

Credits:
V:Paramount, USA 2009, R: Stephen Sommers, D: Channing Tatum, Sienna Miller, Dennis Quaid u.a.

Kinostart:
13. August 2009


"G.I. Joe - Geheimauftrag Cobra", der Action-Aufreger des Sommers unter Regie von Stephen Sommers ("Die Mumie"), knüpft an die "Transformers" an.
"G.I. Joe - Geheimauftrag Cobra", der Action-Aufreger des Sommers unter Regie von Stephen Sommers ("Die Mumie"), knüpft an die "Transformers" an. (Paramount)

Der traurige, ehrgeizige Soldat mit dem gebrochenen Herzen: Alleskönner Duke (Channing Tatum).
Der traurige, ehrgeizige Soldat mit dem gebrochenen Herzen: Alleskönner Duke (Channing Tatum). (Paramount)

Lange wird die Sekretärin von General Hawk (Dennis Quaid) nicht mehr unter den Lebenden weilen. Ein Angriff auf den Oberkommandeur steht unmittelbar bevor.
Lange wird die Sekretärin von General Hawk (Dennis Quaid) nicht mehr unter den Lebenden weilen. Ein Angriff auf den Oberkommandeur steht unmittelbar bevor. (Paramount)

Datum: 07.08.2009

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