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Der bislang beste Irakkriegsfilm: "Tödliches Kommando"

Tödliches Kommando - The Hurt Locker

(vm/tsch) Selbst ausgezeichnete US-Kriegsfilme lassen oft die amerikanische Flagge zu stolz im blauen Himmel flattern oder lassen Soldaten wie junge Götter mit stählernen Körpern aussehen. Ganz frei von Patriotismus ist auch “Tödliches Kommando - The Hurt Locker” nicht. Doch der Irakkriegsfilm der Action-Regisseurin Kathryn Bigelow ("Strange Days") hebt sich von Genre-Geschwistern durch seinen schonungslosen Realismus und die beinahe dokumentarische Kameraführung deutlich ab. Diesmal ist es ein Bomben-Entschärfungsteam, dem man im brutalen Kriegsalltag begleiten darf, was neu und deshalb sehr spannend ist.

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Der Tod lauert unter Plastikplanen, verborgen unter rostigen Motorhauben oder eingegraben in den Wüstensand der Straßenpisten: Das Team rund um Sergeant Sanborn (Anthony Mackie) und Specialist Eldridge (Brian Geraghty) riskiert bei einem der härtesten Kommando-Unternehmen im Zweistromland in jeder Sekunde ihr Leben. Sobald die Männer an einen verdächtigen Schauplatz gerufen werden, müssen sie im Wettkampf gegen die Uhr versteckte Bomben entschärfen und Sprengfallen enttarnen - lediglich geschützt durch ein schwach gepanzertes Militärfahrzeug und gelegentlich dick eingepackt in einen monströsen Splitterschutzanzug.

Als wäre der Job nicht nervenaufreibend genug, muss sich die kleine Truppe auch noch auf einen deutlich ruppigeren Arbeitsstil einstellen. Ihr neuer Vorgesetzter, Staff Sergeant William James (Jeremy Renner), ist ein undurchsichtiger Hitzkopf. Bereits in Afghanistan hat er sich einen Namen als eiskalter Profi gemacht. Nur sein Führungsstil lässt viel zu wünschen übrig. Ohne Rücksicht auf Verluste stachelt er seine Männer zu Himmelfahrtskommandos an und nimmt selbst auf seine eigenen Überlebenschancen keine Rücksicht.

Schon bei ihrem ersten gemeinsamen Einsatz merken die Jungs, aus welcher Richtung der Wind jetzt weht: Frustriert über die mörderische Hitze unter seinem Schutzhelm, lässt James auf einer hochbrisanten Mission das lebensrettende Utensil kurz entschlossen zurück und marschiert schnurstracks auf die Sprengfalle zu. 38 Tage müssen die Männer noch überleben, dann geht es zurück in die Heimat. Unter ihrem neuen Boss wächst die Gefahr, in einem Leichensack heimzureisen, mit jeder neuen Mission.

Kathryn Bigelow ("K-19", "Gefährliche Brandung") gilt in der von Machos dominierten Szene der Actionregisseure als anerkannte Hochspannungsmeisterin. Für ihren schnörkellos inszenierten Irakkriegsfilm konnte sie auf gerade erst von den Militärbehörden freigegebenes Material des Irak-Berichterstatters Mark Boals zurückgreifen, der auch am Drehbuch mitwirkte. Der nahezu ungefilterte Blick auf den trostlosen, völlig verfahrenen Besatzungsalltag tut dem Film gut und hebt ihn von deutlich platteren Heldenfilmen ab.

Dies wird auch durch die exzellente Kameraarbeit von Barry Ackroyd unterstrichen, der seine HD-Handkamera meist auf Augenhöhe der Soldaten in dunkle Hauseingänge, auf unübersichtliche Dachlandschaften oder den in den Straßen wirbelnden Plastikmüll zoomen lässt. Dadurch verstärkt sich der hohe Grat an Nervosität, der die Anspannung der GIs realistisch einfängt. Überall könnten Attentäter lauern.

Trotzdem lässt auch Bigelows Film viele Fragen offen. Allzu männerbündlerisch-kraftstrotzend dürfen sich die Elite-Soldaten nach gelungener Mission in ihren jämmerlichen Baracken besaufen und prügeln. Und als Sergeant James endlich nach Hause fliegt, wird mit wenigen Strichen skizziert, wie unwohl er sich in seiner für ihn deutlich bedrohlicheren Rolle als junger Familienvater fühlt. Also drängt es ihn - und den Film - schnurstracks zurück an die Front. In einer pathetischen Schlussaufnahme steckt er schon wieder im Schutzanzug und stapft heroisch der nächsten Sprengfalle entgegen. Ein Bild, das einen ganzen Film in Misskredit bringt.

Rupert Sommer

Credits:
V:Concorde, USA 2008, R: Kathryn Bigelow, D: Jeremy Renner, Raph Fiennes, Guy Pierce u.a.

Laufzeit: 131 Min.

Kinostart:
13. August 2009

Wertung
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Im Kriegsfilm "Tödliches Kommando - The Hurt Locker" (2008) porträtiert Kathyrin Bigelow die Arbeit eines Sprengstoffteams im Irak.
Im Kriegsfilm "Tödliches Kommando - The Hurt Locker" (2008) porträtiert Kathyrin Bigelow die Arbeit eines Sprengstoffteams im Irak. (Concorde Filmverleih GmbH)
Gefährlicher Einsatz: Sergeant James (Jeremy Renner) macht sich auf den Weg, eine Bombe zu entschärfen.
Gefährlicher Einsatz: Sergeant James (Jeremy Renner) macht sich auf den Weg, eine Bombe zu entschärfen. (Concorde Filmverleih GmbH)
Hitzkopf: Sergeant James (Jeremy Renner) ist bei seinen Kameraden umstritten.
Hitzkopf: Sergeant James (Jeremy Renner) ist bei seinen Kameraden umstritten. (Concorde Filmverleih GmbH)

Datum: 07.08.2009

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