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10 Minuten mehr "Angst und Schrecken in Las Vegas"

Angst und Schrecken in Las Vegas

(vm/tsch) So einen wie Terry Gilliam gibt es kein zweites Mal. Seine Werke bewegen sich jenseits jeglicher Filmgesetze und -Regeln. Er ist einer der wenigen in der Filmbranche, die sich einfach alles erlauben können. So verhält es sich auch mit Johnny Depp, dem Liebling aller Welt, intelligent, gut aussehend und exzentrisch. Dieser ist seinerseits bestens mit Gesellschaftskritiker und Autor Hunter S. Thompson befreundet gewesen und wäre es sicher immer noch, hätte sich jener nicht 2005 umgebracht. Diese drei Ausnahme-Künstler und ein abgefuckt aussehender und um vielleicht 20 Kilo schwererer Benicio Del Toro taten sich 1998 zusammen und erschufen “Fear and Loathing in Las Vegas”, eines jener seltenen Meisterwerke, mit deren Postern man am liebsten seine ganze Wohnung tapezieren möchte.

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"Schießt meine Asche mit einer Kanone in die Luft!" Hunter S. Thompson, Journalist, Gesellschaftskritiker und Autor, wünschte sich einen bombigen Abgang, bevor er sich im Februar 2005 erschoss. Die Kanone wurde am 20. August 2005 von Johnny Depp gezündet. Der Schauspieler war ein enger Freund Thompsons und stellte den zugedröhnten Reporter 1998 in "Fear and Loathing in Las Vegas" dar. Terry Gilliams großartiger Drogentrip erscheint nun als Director's Cut: Die beiden zusätzlich eingefügten Szenen sind fast zehn Minuten lang. Allerdings wurde bei der DVD-Neuauflage am Bonusmaterial gespart. Es gibt lediglich eine gute Viertelstunde reichlich oberflächliches Zusatzmaterial.

Depp spielt Raoul Duke, einen jungen Journalisten und das Alter Ego von Hunter S. Thompson, der gemeinsam mit seinem Anwalt Dr. Gonzo (Benicio Del Toro) nach Las Vegas reist, um über ein Sandpistenrennen zu berichten. Rasch deutet sich in dem abgedrehten Spektakel an, dass es den beiden weniger um die Sportveranstaltung, als um Glücksspiel und den hemmungslosen Genuss von Betäubungsmitteln aller Art geht. Genauer: "Wir hatten zwei Beutel Gras, 75 Kügelchen Mescalin, fünf Löschblattbögen extrastarkes Acid, einen Salzstreuer halb voll mit Kokain, ein ganzes Spektrum vielfarbiger Uppers, Downers, Heuler, ein Liter Tequila, eine Flasche Rum, eine Kiste Bier und einen halben Liter Äther und zwei Dutzend Poppers."

38 Jahre ist es her, dass Kult-Autor Hunter S. Thompson die Romanvorlage "Fear and Loathing in Las Vegas" schrieb und damit das Bürgertum schockte. Das Buch galt als absolut unverfilmbar, bis Regisseur Terry Gilliam sich an den Stoff machte. Der Ex-Monty-Python-Mann näherte sich der Vorlage mit Fantasie und ließ seinen Hauptdarstellern offenbar viel Raum. Bisweilen wirkt es so, als ob Depp und Del Toro während der Dreharbeiten von all den Mittelchen, die sie da im Kofferraum durch die Wüste fahren, ab und an eine Hand voll eingeworfen hätten.

Gilliam, dessen neuer Film "The Imaginarium of Doctor Parnassus" am 3. Dezember in die Kinos kommt, hat sich nach jahrelanger Pause gerade entschlossen, die Arbeit an seiner "Don Quixote"-Verfilmung wieder einmal aufzunehmen. Allerdings wird Johnny Depp nicht dabei sein. Der Terminkalender des Schauspielers ist zu voll. Die geplanten Dreharbeiten im nächsten Jahr müssen ohne ihn stattfinden.

Das Bild der DVD punktet insbesondere bei der Farbwiedergabe, bleibt aber bei Schärfe und Details (leichtes Kantenflimmern!) hinter den Erwartungen zurück. Der Sound, als Dolby Digital 5.1-Mix abgelegt, ist ordentlich, aber nicht überragend. Verzerrte Effekte und Musik werden routiniert eingesetzt und schaffen eine angenehme räumliche Atmosphäre.

Andreas Fischer

bewertungsbox

bildformat 2,35:1 (anamorph)
sprachen Deutsch (5.1), Englisch (5.1)
untertitel Deutsch, Englisch
extras Interviews; Entfallene Szenen
laufzeit 123 Min.
tonsystem Dolby Digital
regionalcode Regionalcode 2
preis ca. 12 Euro
bewertung bild befriedigend
bewertung ton befriedigend
bewertung extras mangelhaft

Credits:
(USA 1998, R: Terry Gilliam, D: Johnny Depp, Benicio Del Toro, Tobey Maguire u.a.)


Den Kopf voller dummer Ideen und den Kofferraum voller Drogen: "Fear and Loathing in Las Vegas" erscheint nun als Extremtrip im Director's Cut auf DVD.
Den Kopf voller dummer Ideen und den Kofferraum voller Drogen: "Fear and Loathing in Las Vegas" erscheint nun als Extremtrip im Director's Cut auf DVD. (Universum)

Datum: 07.08.2009

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