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Dennis Quaid über seinen neuen Film "G.I. Joe"

"Lauf einfach weiter ..."

Schauspieler Dennis Quaid

Unlösbare Herausforderungen kennt Dennis Quaid nicht mehr. Der texanische Schauspieler ist über 30 Jahre im Geschäft. "Ich bin Profi", sagt er, und sein künstliches Lachen liegt zwischen ernst gemeinter Arroganz und sympathischem Kumpeltum. Dafür quälen den smarten 55-Jährigen beim Drehen andere Dinge. Sein aktueller Actionfilm "G.I. Joe" (Kinostart: 13.08.) zählt nicht zu den Highlights seiner Filmografie. Als Chef der Elitesoldaten wird er ziemlich schnell von den Bösen lahmgelegt und hat daher nicht viel zu tun. Die Realität sieht anders aus. Der Mann mit der durchwachsenen Karriere und dem eigenen Bekunden nach "pulsierenden Privatleben" bringt gerade ein ebenfalls pulsierendes Privatleben eines bekannten Staatsmannes auf die Leinwand - und wenn ihm in den Drehpausen langweilig wird, kümmert sich Quaid um seine knapp zwei Jahre alten Zwillinge, die er und seine dritte Frau von einer Leihmutter austragen ließen.

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"Guten Tag, wie geht's? Guud oder slecht?", lautet seine Begrüßung und er strahlt. Dennis Quaid hat oft genug in Deutschland gedreht, um ein paar Brocken dieser Sprache zu können. Zu seinem gut gebräunten Lebemann-Teint passt das dezent gestreifte fliederne Hemd, die Jeans zeugt von guter Qualität, und der Kragenschmutz ist sicher den vielen Terminen am heutigen Tag geschuldet.

Quaid setzt sich. Gerade eben bei der Pressekonferenz zu "G.I. Joe" konnte man fast Angst vor ihm bekommen. Dennis Quaid saß am linken Ende der Tafel, verzog keine Miene, egal, was gesprochen wurde, wie eifrig die Kollegen sich um einen Witz mühten. Kein Lächeln, nichts. Er hörte nicht hin und sah sehr schlecht gelaunt aus.

Doch nun, vis-à-vis, ist der starre Blick weggewischt. Seine blauen Augen leuchten, wenn er zu Beginn prophylaktisch lacht, und seine Deutschkenntnisse wie ein Geschenk an den Gastgeber präsentiert.

Mag er als General Hawk in Stephen Sommers heroischem Actionfilm auch nur drei Zeilen sprechen, sieht er sich doch nicht beschnitten in seinen künstlerischen Möglichkeiten. "Method Acting" sei das natürlich keines gewesen, sagt er, wartet kurz die Reaktion ab, setzt ein breites Grinsen auf und fährt fort: "Ich bin ja Profi, mache das lange genug", lacht er, obgleich das so witzig nun nicht ist.

Er habe wie alle anderen gleich für drei "G.I. Joes" unterschrieben und hoffe, dass die Fortsetzungen gedreht werden. "Stephen hat mir versprochen, dass ich dann eine Waffe in die Hand nehmen darf und ein Pferd reiten", sagt er, lacht wieder und setzt zur Verteidigung der Produktion an: "Der Film ist nicht wirklich ironisch gemeint, aber er nimmt sich selbst nicht ernst", meint Quaid, privat ohne Armee-Erfahrung, anerkennend. Er sei überrascht gewesen, dass sein Sohn Jack die Hasbro-Actionfiguren kannte. Er war 14, als er ihm riet: "Hey, die Rolle musst du nehmen." Den Gefallen tat er dem mittlerweile 17-jährigen Jungen, der immer wieder mal unter öffentlichen Attacken seiner allein lebenden Mutter Meg Ryan gegenüber ihrem Ex-Gatten leidet.

Um Frauen ist Hobbymusiker Quaid nie verlegen gewesen. Seine dritte Ehe führte ihn erstmals weg von Schauspielerinnen. Seit fünf Jahren ist er mit der Immobilienmaklerin Kimberly Buffington verheiratet. Zwar versuche er, "sein Privatleben nicht zu inszenieren", wie er sagt, gleichzeitig scheut er sich nicht, an die Öffentlichkeit zu gehen, wenn er es für richtig erachtet. Dies war der Fall, als seine knapp zweijährigen Zwillinge im Krankenhaus durch überdosierte Medikamente in Lebensgefahr gerieten.

Er selbst verabreichte sich in den Neunzigern jede Menge Kokain, bekannte sich schließlich zu seiner Sucht, setzte sein gewinnendes Lachen auf, strauchelte aber dennoch. Sein Leben heute sei wunderbar und "die Zeiten, in denen er bei einem Film nur sich selbst beobachten konnte, sind vorbei", sagt er zufrieden. Ihm geht es gut. "Hoch und Tiefs gab es bei mir wie bei allen anderen auch. Ich denke aber, das spiegelt sich nicht in meiner Arbeit wider."

Er sei froh, dass er noch dabei ist und keiner, der sich abschottet. "Ich mische mich unter das Volk. Das klappt eigentlich immer ganz gut. Ich bin nicht Britney Spears, und so viel habe ich gar nicht zu verbergen. Ich verwandle mein Privatleben einfach nicht in ein Theaterstück für die Öffentlichkeit. In Hollywood erlebt man da komische Dinge, wie junge Schauspielerinnen, die zum Joggen in den Park gehen und gleich die Fotografen dabei haben. Wissen Sie, was komisch ist, in den Siebzigern, als ich angefangen habe, interessierte sich auch die Presse in erster Linie für die Arbeit. Heute geht es aber nicht mehr darum, viel mehr wollen die Leute ein Star werden, populär sein. Das ist der Unterschied."

Derzeit hat Quaid vier Produktionen am Start, über die man sprechen kann. Neben "G.I. Joe" wird Ende August Jonas Akerlunds "The Horseman" in die Kinos kommen. Akerlund überzeugte mit seinem Debüt "Spun", dem drogenlastigen Film, der Stars ungewohnt dreckig in Szene setzte. Für "Pandorum" arbeitete Quaid mal wieder eine Weile in Berlin, mit Christian Alvart, den er als "erstaunlichen jungen Regisseur" bezeichnet. Alvart inszenierte den spannenden Krimi "Antikörper". Dennis Quaid schickt er nun im Weltall auf Mission, "eine Riesengeschichte, mit 'Star Wars' vergleichbar", umschreibt Quaid vollmundig und ergänzt, dass es bereits ein Sequel und ein Prequel dazu gebe.

Derzeit bringe Quaid zwölf Kilo mehr auf die Waage als normalerweise, denn er spielt aktuell den amerikanischen Ex-Präsidenten Bill Clinton. Der Film heißt nicht nur "Special Relationship", er behandelt auch eine besondere Beziehung, nämlich die zu Clintons Praktikantin Monica Lewinsky.

Das Drehbuch schrieb Peter Morgan, der Mann, der viel Lob für "Frost/Nixon" bekam. So begeistert der Schauspieler von seinen Projekten ist, gesteht er: "Am Tag vor dem Drehstart möchte ich immer aussteigen, zurück nach Hause. Da ist dieser Berg vor dir und du denkst: 'Ich würde lieber meine Pferde reiten oder Golf spielen.' Dieses Reinspringen am Anfang ist eine unangenehme Sache."

Apropos unangenehm, wie nimmt man denn zwölf Kilo zu? "McDonalds einmal am Tag. Sie haben doch den Film 'Supersize me' gesehen, oder? Es funktioniert." Es scheint nicht mehr viel zu geben, was ihm die Laune verdirbt. Seine Tiefs hat er mit einer simplen Methode überwunden: "Lauf einfach weiter, anders geht es nicht. Ein Fuß vor den anderen", sagt er und lacht, diesmal ein sympathischeres Lachen, bevor er schließt: "Alle Zeiten gehen vorbei, sogar die guten."

Claudia Nitsche


Gut gelaunt präsentierte sich Dennis Quaid bei der Filmpremiere in London.
Gut gelaunt präsentierte sich Dennis Quaid bei der Filmpremiere in London. (Jo Hale / Paramount Pictures)

Dennis Quaid bei der Filmpremiere in London - sein neuer Film "G.I. Joe" startet nun auch in Deutschland.
Dennis Quaid bei der Filmpremiere in London - sein neuer Film "G.I. Joe" startet nun auch in Deutschland. (Jo Hale / Paramount Pictures)

Dennis Quaid und Sienna Miller spielen die Hauptrollen in "G.I. Joe - Geheimauftrag Cobra" (Kinostart: 13.08.).
Dennis Quaid und Sienna Miller spielen die Hauptrollen in "G.I. Joe - Geheimauftrag Cobra" (Kinostart: 13.08.). (Jo Hale / Paramount Pictures)

Datum: 08.08.2009

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