logo
Anzeige
Cineastentreff Kino Film Filmstarts - Neu im Kino Kino Film Kriegsfilm als Spaghetti-Western: "Inglourious Basterds"
Kriegsfilm als Spaghetti-Western: "Inglourious Basterds"

Inglourious Basterds

(cg/tsch) Tarantino liebt B-Movies und er lässt keine Möglichkeit aus, das zu betonen. Nun fand er einen italienischen Kriegsschinken und wollte ihn zum Kult machen. Das ist dem Ausnahme-Regisseur schon oft gelungen: Inspiration für seine Werke suchte er immer in angestaubten Trash-Filmen und belebte so in Vergessenheit geratene Genres. Doch seine Nazi-Parodie ''Inglourious Basterds'' erfüllt nicht die großen Erwartungen des Publikums. Der Film bekommt zwar einen Coolness-Bonus, kommt aber an Tarantionos Meisterwerke aus früheren Jahren nicht heran. Zu selbstgefällig schickt der Filmemacher seine Figuren spürbar lange zweieinhalb Stunden ohne Plot und Pointe auf einen Redemarathon, der zwar ab und an wirklich witzig ist, aber über die sonstigen Längen des Films nicht hinwegzutäuschen vermag. Eines muss man Tarantino aber lassen: Er schafft es wieder mal, jeden Schauspieler mit der richtigen Rolle zu bekleiden. Dafür spricht die Tatsache, dass viele der Deutschen, die in ''Inglourious Basterds'' mitwirkten, zum ersten Mal in ihrer Karriere wie echte Hollywood-Größen aussehen.

Anzeige

 

Mit Quentin Tarantino ist es etwas schwierig. Der Mann ist in gewisser Weise unantastbar, wird von seinen Fans vergöttert wie kaum ein anderer Regisseur. Der Mann kennt Kino, ohne Zweifel. Und er schuf einige unvergessliche Kinostunden. "Pulp Fiction" und "Jackie Brown" etwa. Nicht zu vergessen das Rache-Doppel "Kill Bill" mit Uma Thurman als blutrünstiger Braut. Virtuose Filme allesamt, aber eben auch gnadenloses Ideenrecycling. Tarantino ist ein Cineast mit unerschöpflichem Filmwissen, er kennt sich vor allem in den Randgebieten des Kinos bestens aus und huldigt vorzugsweise den oft leichtfertig als Trash abgetanen Genres. Das kann er wie kein zweiter, doch hat er - bei kritischer Betrachtung - noch keinen originär eigenen Film gemacht.

Tarantino-Filme wirken oft ein wenig wie cineastische Angeberei, die er mit seinem neuen Kinofilm "Inglourious Basterds" auf die Spitze treibt. Vom Titel her das Remake der italienischen B-Action-Kriegsklamotte "Inglourious Bastards" hat Tarantinos missglückte Nazi-Parodie mit der Produktion aus dem Jahr 1977 nicht viel gemein. Schräge Typen, viel Machismo, dumme Sprüche und jede Menge Pyrotechnik - "Ein Haufen verwegener Hunde", so der deutsche Kinotitel -, schien perfekt für Tarantino, der sich ein "e" für ein "a" vormachte und den Titel in "Inglourious Basterds" änderte. Legasthenie? Wohl eher eine Marotte! Und davon hat der Liebling der jugendlich-hippen Kinointelligenzia einige.

Die kann sich nun darüber freuen, dass Tarantino mal wieder einer vergessenen Filmgröße huldigt. Diesmal hat er sich den Österreicher G.W. Pabst ausgesucht, der in den 20er- und 30er-Jahren Klassiker wie "Die weiße Hölle vom Piz Palü" und den Antikriegsfilm "Westfront 1918" drehte. Tarantino protzt mit seinem Wissen und lässt die "Basterds" ansonsten viel reden: mit großem Ego, aber ohne Punkt, Komma und Pointe.

Dabei war das Original in vielerlei Hinsicht (Dialoge, Schnitte, Charakterzeichnung, Effekte) zwar eine Katastrophe, der Film hat einen anarchischen Charme, der Tarantino geradezu auf den Plan rufen musste. Nur leider machte der daraus unerträglich klebrige zweieinhalb Stunden, ohne dramaturgischen Faden, dafür mit willkürlichen Perspektivwechseln und elend langen, aufgeblasenen Szenen. Die erste dauert etwa 20 Minuten und ist ein Monolog des SS-Offiziers Horst Landa über jüdische Ratten und deutsche Falken. Dann löscht der fiese Nazi eine Familie aus, nur Tochter Shosanna (Mélanie Laurent) überlebt - und wird später zum Racheengel. Zum Glück rettet Darsteller Christoph Waltz, in Cannes als bester Darsteller ausgezeichnet, diesen Auftakt mit einer unfassbaren Leistung und schauspielerischen Präzision.

Aber er kann den Film genauso wenig vor dem Absturz bewahren, wie die deutsche Schauspielzunft, die der Versuchung Tarantino nachgab: Til Schweiger spielt einen dümmlichen Nazi-Schlächter, Daniel Brühl einen schauspielernden Soldaten mit amourösen Ambitionen und Diane Kruger eine Doppelagentin. Der Film entstand zu großen Teilen in Deutschland, Tarantino verließ sich komplett auf die Filmstudios Babelsberg und deren Infrastruktur. Deswegen sind auch viele Nebenrollen mit deutschen Darstellern besetzt: Sylvester Groth als Goebbels und in Minirollen Jana Pallaske, Christian Berkel, August Diehl und Michael Fassbender tragen enthusiastisch das Ihre zum, unverschuldeten, filmischen Desaster bei. Um am Schluss fliegt der Leipziger "Tatort"-Kommissar Martin Wuttke als Hitler in die Luft. Das ist übrigens eine der besseren Ideen Tarantinos: Der Führer und sein Stab sterben in einem Pariser Kino, das sie zu Propagandazwecken missbrauchen.

Doch bis auf den explosiven Schluss, mit Bombast in Szene gesetzt, bleiben die im besetzten Frankreich umherstreuenden "Basterds" zäh und langweilig. Brad Pitt findet als Star kaum statt, ohne Sinn wird zwischen Handlungssträngen gewechselt: SS-Oberst Landa jagt Juden, US-Lieutenant Aldo Raine (Pitt) und seine jüdische Guerrilla-Truppe jagen (in wenigen Szenen) Nazis, die Shosanna wartet auf ihre Chance, Landa zu töten, der ihre Familie ermordete. Das alles passiert vor allem mit Worten; viel zu selten gibt es wüste Schießereien oder spritzt das Blut in der gewohnten Tarantino-Manier.

Andreas Fischer

Credits:
V:Universal, USA / D 2009, R: Quentin Tarantino, D: Christoph Waltz, Mélanie Laurent, Brad Pitt u.a.

Laufzeit: 154 Min.

Kinostart:
20. August 2009


Lange Rede, kaum ein Sinn: Quentin Tarantinos "Inglourious Basterds" reden seinen Film kaputt.
Lange Rede, kaum ein Sinn: Quentin Tarantinos "Inglourious Basterds" reden seinen Film kaputt. (Universal)

Brad Pitt (rechts) und Eli Roth sind zwei der titelgebenden Basterds, die im Film kaum eine Rolle spielen.
Brad Pitt (rechts) und Eli Roth sind zwei der titelgebenden Basterds, die im Film kaum eine Rolle spielen. (Universal)

Christoph Waltz als SS-Oberst Landa ist einer der wenigen Lichtblicke der "Basterds".
Christoph Waltz als SS-Oberst Landa ist einer der wenigen Lichtblicke der "Basterds". (Universal)

Datum: 17.08.2009

Facebook aktivieren

Diskussion: "Kriegsfilm als Spaghetti-Western: "Inglourious Basterds"" lesen

Lesen Sie doch auch die Diskussion in unserem Forum zu "Kriegsfilm als Spaghetti-Western: "Inglourious Basterds"".

 
Anzeige
livedome
Konzert-DVD im Stream
Gentleman
Gentleman am 27.04. ab 20.00 Uhr als » Musikstream

Anzeige
.
Partner von Fantastic Zero


itemid = 31 - id = 7474 - task = view - option = com_content - limitstart= 0