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In "Wir Kinder vom Bahnhof Soul" zieht's Jan Delay zum Pop-Funk

Jan Delay Wir Kinder vom Bahnhof Soul

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Wenn man so will, hat Jan Delay schon früh die Zeichen der Zeit erkannt. Noch bevor deutscher Rap in Getto-, Gangster-, und Größenwahnsinnsfantasien abdriftete, veröffentlichte der damals bereits mit den "Beginnern" erfolgreiche Hamburger sein erstes Soloalbum. Starre HipHop-Genre-Kontexte vermied er seitdem. Seine Aussagen blieben zwar klar und deutlich, der Pop-Entertainmentfaktor jedoch stieg rasant an. Letzterer und seine Liebe zum Funk gewinnen auf seinem dritten Soloalbum "Wir Kinder vom Bahnhof Soul" nun deutlich die Oberhand.

Klar ist aber auch: Zum großen Vokalakrobaten wird Delay mit seiner charakteristisch-näselnden Stimme nicht mehr. Und einige explizite und kräftige Seitenhiebe auf jugendlichen Castingwahn und Superstar-Ambitionen im "Showgeschäft" sowie einen Aufruf zum Boykott von multinationalen Großkonzernen - Parole "Kommando Bauchladen" - kann sich der Hamburger natürlich auch nicht verkneifen.

Trotzdem herrscht auf dem Album definitiv das Prinzip "Hoffnung": "Wenn du denkst, es geht nicht mehr, kommt von irgendwo diese Mucke her", singt Jan Delay. Und stürzt sich gemeinsam mit seiner meistens schmissig, stets lässig aufspielenden Band Disko No.1 kopfüber in feist-fröhlichen Funk und selig machenden Soul, bei dem Bläsersätze und Latino-Rhythmen ("Rave Against The Machine") auftauchen dürfen und die 70er-Jahre-Disko-Ära eine wichtige Rolle spielt ("Oh Jonny"). Schon unterkühlt taucht der Hamburger beim Synthie-Pop von "Abschussball" auf und erinnert ein wenig an die von ihm verehrte Funk-Legende Prince - oder gar an Falco zu seinen besten Zeiten.

Delays Verdienst auf "Wir Kinder vom Bahnhof Soul" ist es jedoch, dass er es erneut schafft, Sprachwitz und Spielfreude, Entertainment und Engagement vollkommen unpeinlich zusammenzubringen. Möglich ist deswegen auch nur leise Kritik auf höchstem Niveau: Man darf im Vergleich zum letzten Album vielleicht ein wenig eine Weiterentwicklung vermissen. Aber selbst das scheint Delay bereits erkannt zu haben, seine Funk-Periode sei mit diesem Album wohl vorüber, ließ er wissen. Welchem Genre er sich dann auch zuwenden mag: Ziemlich "Large", unbedingt intelligent und immer unterhaltsam wird's sicherlich.

Tournedaten zu "Jan Delay auf Deutschland-Tournee":

09.10., Bielefeld, Ringlokschuppen

10.10., Bremen, Pier 2

11.10., Köln, Palladium

12.10., Frankfurt, Jahrhunderthalle

17.10., Würzburg, s.Oliver Arena

19.10., Freiburg, Rothaus Arena

20.10., Balingen, Volksbank Messe

22.10., Saarbrücken / St. Ingbert, Mech. Werkstatt

24.10., Dortmund, Westfalenhalle 2

26.10., Berlin, Columbiahalle

27.10., Hannover, AWD Halle

29.10., Chemnitz, Stadthalle

30.10., Kassel, Eissporthalle

31.10., Rostock, Stadthalle

1.11., Flensburg, Deutsches Haus

Stefan Weber


(Universal)

Datum: 17.08.2009

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