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Extrem tanzbar: Simian Mobile Discos "Temporary Pleasure"

Simian Mobile Disco Temporary Pleasure

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Wenn nicht jetzt, wann dann? James Ford und James Shaw fahren für ihr zweites Album als Simian Mobile Disco ganz schwere Geschütze auf. Und XXL-Stil-Darling Beth Ditto von The Gossip ist tatsächlich nur eins davon. Und wenn das britische Produzentenduo jetzt mit "Temporary Pleasure" nicht gerechterweise den Schritt aus der britischen Clubszene auf die ganz große, weltweite (Festival-)Bühne schafft, dann nie mehr.

Referenzen und Renommee besitzen beide schon zuhauf. Sie waren eine Hälfte der sträflich unterschätzten Psychedelic-Pop-Formation Simian (deren "We Are Your Friends" im Justice-Remix zum Konsensknaller auf allen Tanzflächen wurde), produzierten und remixten für die Arctic Monkeys, Klaxons, Björk, Muse - um mal nur einige Adressen und große Hausnummern zu nennen. Und ihr Debüt "Attack Decay Sustain Release" enthielt die ultimative Ansage des Clubjahres 2007: "It's The Beat" - viel mehr als einen eben solchen in Stadiongröße losballernden samt einigen 90er-Jahre-Dance-Zitaten brauchte der Track auch nicht.

Geholfen hat das aber vorzugsweise nur in ihrer Heimat, in der Simian Mobile Disco selbst zur großen Nummer wurden - auch dank eines extrem konstruierten Hypes namens "New Rave". Dass die beiden, wie sie nun behaupten, richtig gehend vom Erfolg erschrocken waren, mag man aber kaum glauben. Denn "Temporary Pleasure" erzählt eine etwas andere Geschichte. Schon der Opener "Cream Dream" gibt sich dank Super-Furry-Animals-Sänger Gruff Rhys' Vocals als extrem nahbarer Pop-Song. "Audacity Of Huge" verdankt sich zu gleichen Teilen Kraftwerk und Heaven 17, "10.000 Horses Can't Be Huge" ist intelligenter und instrumentaler Minimal Techno, der mit seiner spielerischen Keyboard-Melodie an Dial- oder Kompakt-Acts erinnert. Tanzbar? Wie Hölle! Massentauglich? Auf jeden Fall. Geballer? Eher Fehlanzeige.

Stattdessen gibt's neben bereits erwähnter Beth Ditto mit Soulster Jamie Lidell, den Brooklyn-Hipstern Telepathe und Hot-Chip-Nerd Alexis Taylor eine auserlesene Gästeliste. Die den Elektro-Nummern nicht nur Hingucker-Namen, sondern auch reichlich Popsong-Appeal spendet. Gemeinsam mit den eher klassischen Techno-Tracks (wie dem knapp sechsminütigen "Ambulance") ergibt sich - bei elektronischer Tanzmusik selten genug der Fall - ein durchgängig stimmiges Album. Das mit seinen Songs, Beats und Stargästen auch genügend Potenzial für die große Festivalbühne hätte.

Stefan Weber


Datum: 17.08.2009

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