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Das erste Album der Stone Roses: "The Stone Roses"

The Stone Roses The Stone Roses

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Wertigkeit wird in Zeiten von Gratis-Downloads und 7,99-Euro-Alben bei iTunes eben in erster Linie über die Parameter transportiert, die früher eher Beiwerk waren. "The Stone Roses" kommt im gebundenen Mini-Buch. Das steckt in einem Schuber mit goldener Prägeschrift und aufgeklebten Zitronen. Schick, schick - und damit in einem eigentümlichen Gegensatz zum Inhalt stehend. Denn es gab im England der letzten 20 Jahre wohl kaum eine Band, die sich so dezidiert über die Außergewöhnlichkeit ihrer musikalischen Inhalte definierte. Auch zwei Dekaden nach seiner Erstveröffentlichung ist das Debütalbum der Band aus Manchester eine zwingende Angelegenheit. Das Beiwerk, das nicht nur aus der edlen Verpackung, sondern auch einer Bonus-DVD und einer CD mit seltenen Demos besteht, bleibt Beiwerk.

Die Größe liegt in den Songs. "I Wanna Be Adored", "Waterfall", "She Bangs The Drums" oder "I Am The Ressurection" haben Melodieführungen und Vokalharmonien, für die auch heute noch viele anderen Bands töten würden - es reicht völlig aus, die CD mit den Demoversionen anzuhören, um schon einmal das festzustellen. Dass diese Größe sich in Zeitlosigkeit transformierte, lag indes an den Umständen.

Als sich die Stone Roses Mitte der 80er-Jahre gründeten, herrschte eine gewisse Ratlosigkeit, vielleicht auch eine gewisse Konturlosigkeit. Indiepop, das war eine honorige, aber eher spaßfreie Angelegenheit, der das Polarisierende ebenso wie jeder Hedonismus völlig abhandengekommen war. Spannender war die Musik, die auf Parties lief - Acid, früher Rave, früher Techno. Und genau das diente den Stone Roses als Stichwortgeber - weniger, was die direkten Einflüsse angeht, die blieben die alten: der klassische Indiepop der Frühachtziger, ein bisschen Wave, Merseybeat, Northern Soul. Doch gemeinsam mit John Leckie, der schon mit Pink Floyd, Paul McCartney, XTC und den Adverts zusammengearbeitet hatte, bauten sie die Songs quasi um, gaben ihnen Strukturen und Dramaturgien, die an der Offenheit der elektronischen Clubmusik anknüpften und damit einen Sommer lang schon so etwas wie das neue Ding waren, aber auch vieles vorwegnahmen, was später passierte. Egal ob Oasis, Blur oder Kasabian: Der Einfluss der Stone Roses auf das, was man später als Britpop oder Indierock bezeichnete, ist nicht hoch genug einzuschätzen.

Witzig ist, das alles auch einmal visualisiert zu erleben. Auf der Bonus-DVD findet sich ein, was die Tonqualität angeht, verblüffend stringenter Auftritt, der die Band wohl sehr realitätsnah zeichnet, allen voran Sänger Ian Brown. Schlaksig wie ein Teenager, im so charakteristischen Dollar-Shirt, tanzend. Dazu John Squire mit der Jackson-Pollock-artigen Gitarre - Squire gestaltete auch das Albumcover -, der eher rustikale Mani am Bass und Schlagzeuger Reni mit dem zum optischen Szenecode gewordenen Fischerhut: Die Ansage Browns in den Linernotes, dass man eine Band im Sinne der Beatles gewesen sei, gleichberechtigt und ohne jede Hierarchie, die glaubt man da gerne.

Jochen Overbeck


Datum: 23.08.2009

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