logo
Anzeige
Cineastentreff Kino Film Filmstarts - Neu im Kino Kino Film Unterhaltsam, aber belanglos: "Taking Woodstock"
Unterhaltsam, aber belanglos: "Taking Woodstock"

Taking Woodstock

(cg/tsch) Zu sehen und zu hören ist von Woodstock in „Taking Woodstock“ wenig. Regisseur Ang Lee, der sich danach sehnte, nach so vielen schwermütigen Dramen endlich eine Komödie zu drehen, guckt in seinem ersten Wohlfühlfilm hinter die Kulissen des legendären Festivals. Verrückte Hippies, halbnackte Mädchen und Drogen sind zwar präsent, bilden aber nur den Hintergrund von „Taking Woodstock“. Im Vordergrund stehen die Bewohner des verschlafenen Dorfes Bethel im Bundesstaat New York, das unerwartet über Nacht zum Zentrum der Hippiekultur wurde. Das Ergebnis dieser Studie ist zwar unterhaltsam, aber auch ziemlich belanglos. Was genau Ang Lee mit dieser verspäteten Hommage an Woodstock, die streng genommen gar keine ist, bezweckt, bleibt ein Rätsel.

Anzeige

 

Der 54-jährige Oscar-Preisträger ist ein Meister der langsamen, intensiven Bilder. Das bestätigt er gleich beim Vorspann. Die Kamera seines französischen Kameramanns Eric Gautier schwenkt über das verschlafene Örtchen Bethel im Bundesstaat New York. Autos schleichen vorbei, ein Mann bessert lautlos ein Dach aus. Gautier empfahl sich mit "Into The Wild" und "Die Reisen des jungen Che". Die Musik stammt von Score-Altmeister Danny Elfman - eine kurze Ode an die Langsamkeit.

Vor dem Festival sah die Situation in der Provinz recht traurig aus. Das Motel El Monaco wird von der rüden Sonia Teichberg (Imelda Staunton) und ihrem sehr stillen Mann Jake (Henry Goodman) geführt. Ihr Sohn Elliot (Demetri Martin) versucht, die kleine Pension am Leben zu halten, obwohl er eigentlich sein eigenes Leben in New York führen will.

Sonia ist jüdische Immigrantin aus Russland, die sich von nichts und niemandem die Butter vom Brot nehmen lässt, schon gar nicht von Gästen, die sich über ihren Geiz beschweren. Ihr resolutes Wesen inszeniert Ang Lee in amüsanten Szenen mit viel trockenem Sarkasmus. Sie ist die Einzige, die die Verwandlung des Dorfes in einen Wallfahrtsort nicht verändern wird. Elliots Mutter bleibt der alte Raffzahn, bei dem man ständig auf der Suche nach einem guten Kern ist. Doch sein Vater Jake und der hilfsbereite Sohn erleben das Festival anders.

Woodstock steht beim Regisseur von "Brokeback Mountain" und "Tiger and Dragon" nicht für Musik. Das Festival interessiert ihn kaum, er hält die Kamera backstage, erzählt wunderbar beiläufig die Geschichten der Menschen, die es in den Ort verschlägt, wie Vilma (Liev Schreiber), Transvestit mit Soldatenlaufbahn. Er kümmert sich um die Sicherheit der eigentlich konservativen Familie Teichberg.

Denn mit der Zusage der Veranstalter schwemmt es viele komische Menschen ins Dorf, die im Vorfeld die Machtverhältnisse klären wollen. Stoisch kämpft Gutmensch Elliot gegen die widrigen Umstände, begleitet von paranoiden Vietnamveteranen (Emile Hirsch) und unglaublicher Situationskomik. Der angeschlagene Ton erinnert an "Garden State", das bravouröse Regiedebüt von "Scrubs"-Doktor Zach Braff. Auch Elliot Teichberg besitzt dieses treuherzige Wesen, will niemandem auf die Füße treten, kann eigentlich gar nicht wütend werden. Der amerikanische Stand-up-Comedian Demetri Martin erweist sich als exzellente Wahl für diese Rolle.

Man muss bei Ang Lees Gefühlsstudie schon genauer hinsehen, um die Veränderungen zu entdecken. Veränderungen in einer spielerisch leichten Komödie, bei der jeder seine Rolle sehr ernst nimmt und ausfüllt. "Taking Woodstock" ist unterhaltsam, kommt streng genommen sogar ohne Botschaft aus. Ein schwelgerisches Stück Kino ohne große Gesten, das einer Begegnung von Ang Lee und Elliot Tiber bei einer Talkshow zu verdanken ist. Tibers autobiografischer Roman diente als Grundlage für diesen wunderbaren kleinen Film, der verspricht, durch Mund-zu-Mund-Propaganda ein Erfolg zu werden.

Claudia Nitsche

Credits:
V:Tobis, USA 2009, R: Ang Lee, D: Demetri Martin, Imelda Staunton, Emile Hirsch u.a.

Laufzeit: 120 Min.

Kinostart:
03. September 2009


Ang Lee schafft im Rahmen des Woodstock-Festivals einen Film über die Menschen des kleinen Ortes Bethel.
Ang Lee schafft im Rahmen des Woodstock-Festivals einen Film über die Menschen des kleinen Ortes Bethel. (Tobis)

Es sieht nicht gut aus für das elterliche Motel: Jake (Henry Goodman, links) und Sonia (Imelda Staunton) glauben weniger an die Rettung als ihr Sohn Elliot (Demetri Martin).
Es sieht nicht gut aus für das elterliche Motel: Jake (Henry Goodman, links) und Sonia (Imelda Staunton) glauben weniger an die Rettung als ihr Sohn Elliot (Demetri Martin). (Tobis)

Und sie pilgerten und pilgerten. Kein Mensch rechnete mit dem Ansturm, den das Woodstock Festival in Bethel erlebte, einem eigentlich verschlafenen Ort.
Und sie pilgerten und pilgerten. Kein Mensch rechnete mit dem Ansturm, den das Woodstock Festival in Bethel erlebte, einem eigentlich verschlafenen Ort. (Tobis)

Datum: 29.08.2009

Facebook aktivieren

Diskussion: "Unterhaltsam, aber belanglos: "Taking Woodstock""

Um eine Diskussion zu "Unterhaltsam, aber belanglos: "Taking Woodstock"" zu beginnen melden Sie sich bitte im Forum an. Wenn Sie noch nicht registriert sind, können sie sich jetzt registrieren um an den Diskussionen teilzunehmen.

 
Anzeige
livedome
Konzert-DVD im Stream
Gentleman
Gentleman am 27.04. ab 20.00 Uhr als » Musikstream

Anzeige
.
Partner von Fantastic Zero


itemid = 31 - id = 7509 - task = view - option = com_content - limitstart= 0