Im Jugoslawienkrieg verliebt sich Jeremy Irons in "Mathilde"
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Mathilde
Der Jugoslawienkrieg beflügelt nach wie vor die Fantasie der Regisseure. Keine Frage, dass dabei die Realität häufig auf der Strecke bleibt. Die 1967 in Split geborene, in Italien lebende Regisseurin Nina Mimica versucht in "Mathilde" (2004), ihrem ersten abendfüllenden Spielfilm, der unter anderem aus einer Drehbuchförderung des italienischen Staatssenders RAI hervorging (Koproduktion: ZDF), erst gar nicht, sich auf die Wahrheitsfindung einzulassen. Wie in anderen jüngst gedrehten Filmen geht es auch hier um die Jagd auf einen ehemaligen Kriegsverbrecher. Und wie auch dort dreht sich nicht alles um die Person des Gejagten (hinter dem sich unschwer zu erkennen der Serbenführer Karadzic verbirgt), sondern im Fokus steht vielmehr die Verachtung der Würde des Menschen.
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Immerhin ist die in Rückblenden erfasste Hauptrolle eines Blauhelmoffiziers, der den Kriegsverbrecher jagen will, mit Jeremy Irons äußerst namhaft besetzt. Den Film drehte er in einem arbeitsreichen Jahr neben Hochkarätern wie "Der Kaufmann von Venedig", "Kingdom of Heaven" (Ridley Scott) und "Being Julia" (Istvan Szabo), um nur einige zu nennen.
Im Film wird Irons, als ein in Triest stationierter italienischer Blauhelm-Colonel, tot am Strand der kroatischen Küste aufgefunden, neben ihm ein 15-jähriges Mädchen. Die Kugel, mit der der Soldat erschossen wurde, stammt aus einer italienischen Neun-Milimeter-Beretta, wie sie die Italiener verwandten.
Mathilde, das Mädchen (Nutsa Kukhianidze), wird sofort verdächtigt, den Mann getötet zu haben. Doch dann rekonstruiert ein kroatischer Journalist, ehemals Psychologe (Miki Manojlovic), das Vorleben Mathildes. Er stößt dabei auf eben jenen Kriegsverbrecher, mit dem Mathilde zusammen war, um schließlich auf ungeahnte Zusammenhänge zu kommen.
Mathilde floh zusammen mit ihrem kleinen Bruder Misho vor den Kämpfen in ihrer Heimat nach Split und arbeitete dort als Tänzerin in einem Bordell, wo sie den italienischen Blauhelmoffizier De Patris kennenlernte, der gleichfalls vor den Schrecken des Krieges zu fliehen versuchte. Doch die Liebe, in der sie für eine Nacht zusammenfinden, wird durch die heimliche Aufgabe, Mathilde als Werkzeug der Spionage gegen Paradic zu benützen, vernichtet. Als De Patris erkennt, dass man ihn gezielt einsetzte, bezahlt er diese Erkenntnis mit seinem Leben.
Der Film versucht, melodramatische Momente mit denen eines Politthrillers zu verbinden: Zwei Menschen werden den Machtspielen der Militärs geopfert. Liebe und Wahrheit sind in einer Welt ohne Skrupel chancenlos. Das wird psychologisch einfühlsam erzählt, doch die grausame Wahrheit des Krieges und seiner Folgen trifft der Film letztlich nicht.
Wilfried Geldner
Der UNO-Colonel De Patris (Jeremy Irons) gerät zum ersten Mal in den Bann Mathildes, die ihm bei der Suche nach einem Kriegsverbrecher helfen soll. (ZDF / Daniel Zuta Filmproduktion / Letic Aleksandar)
Mathilde (Nutsa Kukhianidze) ist eine junge Frau, die aus dem Krieg in Jugoslawien floh und nun als Tänzerin in Split untergekommen ist. Die Männer können sich ihrem Charme nicht entziehen. (ZDF / Daniel Zuta Filmproduktion / Letic Aleksandar)
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