Es gibt viele Wege, sich mit einem Trauma auseinanderzusetzen. Auch filmisch. Während etwa Oliver Stone ein Heldenepos über Feuerwehrleute drehte ("World Trade Center") oder Paul Greengrass ("Flug 93", beide: 2006) dokumentarische Genauigkeit walten ließ, schlugen andere beim Thema "11. September 2001" leisere Töne an. "Yasmin" (2004), den das Erste zum achten Jahrestag der New Yorker Anschläge wiederholt, ist so ein Film der subtilen Momente, dem es eher um die Folgen der Gewalt geht als um den Anschlag selbst. Die Engländerin Archie Panjabi ("Kick it like Beckham") verkörpert die Titelheldin, eine pakistanische Einwanderin der zweiten Generation in Nordengland. Nach den Anschlägen auf das World Trade Center gerät auch ihre Welt aus den Fugen.
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Archie Panjabi, zuletzt 2007 in Michael Winterbottoms "Ein mutiger Weg" in den deutschen Kinos zu sehen, spielt also Yasmin - eine Frau, die zwischen zwei Welten lebt: Auf dem Weg zur Arbeit vertauscht sie den Schleier gegen enge Jeans, zu Hause bei Vater, Bruder und Scheinehemann spielt sie die Muslima. Sie fühlt sich den pakistanischen Traditionen entfremdet und den westlichen Idealen verbunden, hat sich irgendwie mit beidem arrangiert.
Mit ihrem neu erworbenen Cabrio braust sie morgens zum Job als Sozialarbeiterin, wo sie von den Kollegen gemocht wird. Von einem ganz besonders: Mit John (Steve Jackson) scheint sich sogar etwas anzubahnen. Doch daheim trägt die junge Frau Kopftuch, aus Respekt vor ihrem Vater (Renu Setna), der eine Moschee leitet. Und sie ist verheiratet: Auf diese Weise verschaffte sie ihrem etwas zurückgebliebenen Cousin Faysal (Shahid Ahmed) eine Aufenthaltsgenehmigung in England.
Doch nach dem 11. September ist nichts mehr, wie es war: Yasmins Umgebung begegnet den Pakistanis mit Angst und Intoleranz. Ihr Bruder (Syed Ahmed) wendet sich den radikalen Islamisten zu. Ihr zutiefst gläubiger Vater verliert alles, was ihm wichtig war, und ihr Mann wird verhaftet. Auch Yasmin selbst bekommt die Folgen zu spüren. Kollegen schneiden sie plötzlich, John wendet sich ab. Schließlich verliert sie ihren Job. Enttäuscht von der englischen Gesellschaft beginnt sie, sich mit ihrem kulturellen Erbe und Glauben zu beschäftigen. Das engagierte Drama des britischen Regisseurs Kenny Glenaan stellt wichtige und provokante Fragen. Ein überfälliger Film, der ein bedeutendes gesellschaftliches Thema aufgreift.
Johann Ritter
Yasmin (Archie Panjabi) fühlte sich eigentlich eher den westlichen Werten verbunden, doch nach dem 11. September 2001 trägt sie nicht ganz freiwillig wieder Kopftuch. (ARD / Degeto)
Nach den Anschlägen auf das World Trade Center muss Yasmin (Archie Panjabi) feststellen, dass ihre Arbeitskollegen sie plötzlich mit anderen Augen sehen. (ARD / Degeto)
Yasmin (Archie Panjabi), Tochter pakistanischer Einwanderer, lebt in England zwischen zwei Welten. (ARD / Degeto)
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