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Spätestens seit Ulla Schmidts verhängnisvollem Spanienurlaub ist klar: Der Wahlkampf hat begonnen. Am 27. September entscheidet das deutsche Volk über die neue Zusammensetzung der Regierung, einen Monat zuvor stehen in Sachsen, Thüringen und dem Saarland Landtagswahlen an. Um die Deutschen in möglichst großer Zahl zu den Wahllokalen zu bewegen, wird längst nicht nur im Fernsehen und in Fußgängerzonen Stimmung gemacht. Denn über eigene Webpräsenzen, Twitter und soziale Netzwerke lassen sich Schlammschlachten viel zeitgemäßer austragen.
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"Unseriös. Unkalkulierbar. Unsozial: Union" urteilt die SPD auf ihrer offiziellen Homepage über das Steuerprogramm der Konkurrenz. "Herr Scholz, kehren Sie ins Leben zurück!" fordert die Linke den SPD-Arbeitsminister auf. "Schwarz-Gelb, nein danke" sagen die Grünen und verweisen auf Atommüllfässer. Auf den ersten Blick scheint sich der Online-Wahlkampf nicht im Geringsten von der klassischen Plakatkleberei zu unterscheiden.FDP und CDU scheinen sich auch optisch auf Zusammenarbeit einzustimmen und vertrauen auf konservative Gestaltung. Die Online-Vertretung der Linken nähert sich optisch einem Nachrichtenmagazin an, während SPD und Grüne auf ihren Seiten mit frischen Farben und mutigem Design klar die Jüngeren ansprechen will. Überhaupt dürfte das Superwahljahr 2009 vom jugendlichsten Wahlkampf der jüngeren deutschen Geschichte gekennzeichnet sein: Nach und nach pirschen sich die Parlamentarier an die Jungwähler an und bedienen sich dabei ihrer Mittel: Soziale Netzwerke. Ohne Account bei studiVZ oder Facebook ist mittlerweile anscheinend kein Spitzenpolitiker mehr wettbewerbsfähig. Angela Merkel verrät bei Facebook nicht nur, dass sie gern einmal mit der Transsibirischen Eisenbahn reisen würde, sondern fordert unter der Rubrik "Frag Angie" die User zum Dialog auf. Guido Westerwelle setzt hingegen auf Bildsprache: Im Fotoalbum "Ein Tag mit Guido" dokumentiert er, was er den lieben langen Tag so treibt, unter "Vermischtes" zeigt sich Guido beim Malen, beim Volleyballspielen und auf dem Rücken eines weißen Pferdes. Während Facebook-Nutzer eher zufällig in den Wahlkampf taumeln, wird vonseiten der studiVZ/meinVZ-Macher deutlich mehr Aufwand betrieben. Zur eigens eingerichteten Wahlzentrale gehören nicht nur die geprüften Profile der Politiker, sondern auch Gruppen wie "Meine Stimme zählt" oder "Ihr fragt, Politiker antworten", die das Interesse der potenziellen Wähler anstacheln sollen. Eine Taktik, die aufzugehen scheint: Immer mehr Nutzer bekennen sich zu Parteien oder Politikern, was - wenn auch keine repräsentative - Auskunft über deren Beliebtheit bei den Jüngeren gibt. Demnach steht die Kanzlerin mit knapp 60.000 Befürwortern deutlich höher in der Gunst der studiVZ-Nutzer als ihre Konkurrenten, die allesamt die 20.000-Anhänger-Marke noch nicht überschritten haben. Im Parteienranking gibt es hingegen einen anderen Ausreißer: Während die etablierten Parteien mit den Gesamtwerten ihrer virtuellen Anhängerschaft relativ dicht beieinanderliegen, hängt die neu gegründete Piratenpartei alle ab. Wohl aus diesem Grund luden die VZ-Betreiber auch Vertreter der Piraten zu der Interviewreihe ein, in der Mitglieder der politischen Jugendorganisationen Stellung zu breit gefächerten Themen beziehen. Während die Authentizität der Politikerprofile von den Netzwerk-Betreibern verifiziert wurde, ist bei angeblichen Twitter-Accounts von Politikern Vorsicht geboten. Zwar gibt es zwitschernde Parlamentarier - beispielsweise Grünenpolitikerin Julia Seeliger, die als "zeitrafferin" auch gern über Parteifreunde herzieht, oder Julia Klöckner von der CDU, die Horst Köhler vorzeitig zum Bundespräsidenten ausrief. Doch die meisten Konten gehören nicht der vertrauenswürdigen Sorte an. So finden sich gleich mehrere Angela Merkels auf twitter.com, die von Angie_Merkel bis Die_Fuehrerin die seltsamsten Nutzernamen und Einträge haben. Im Zweifelsfall ist eben nach wie vor die sicherste Informationsvariante, sich die Parteiprogramme durchzulesen - auch wenn das die trockenste Methode darstellt.
Annekatrin Liebisch
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Konservativ in Ausrichtung und Optik: die CDU. (www.cdu.de)
Die Wahl der beststrukturiertesten Homepage entscheidet die SPD für sich. (www.spd.de)
Die Homepage der Linken wirkt seriöser als so manches ihrer Wahlversprechen. (die-linke.de) |
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