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"Loben ist langweilig"Schauspielerin Yvonne Catterfeld "Ich habe einfach wieder Lust, ein bisschen anzugreifen", lacht Yvonne Catterfeld, und ein Blick aufs Fernsehprogramm der nächsten Wochen zeigt, was hinter dieser Ankündigung steckt. Es wird ein goldener Herbst für die 29-jährige Schauspielerin und Sängerin: Im großartigen Sat.1-Thriller "Schatten der Gerichtigkeit" (Dienstag, 06.10., 20.15 Uhr) jagt sie als knallharte Kommissarin finsteren Kinderschändern und korrupten Polizisten hinterher. Und im RTL-Zweiteiler "Vulkan" (So., 18., Mo., 19.10., 20.15 Uhr, RTL) schickt sie sich gar an, gleich das halbe Land vor einer urgewaltigen Katastrophe zu retten. Ob's gelingt, wird hier natürlich nicht verraten, wohl aber, dass die Wahl-Berlinerin im November auch noch ein neues Album herausbringen will. Über all das und vieles andere spricht der sympathisch-geerdete Star im Interview. Anzeige teleschau: "Schatten der Gerechtigkeit" feierte beim Filmfest München Premiere auf der großen Kinoleinwand. Wie ging es Ihnen, als Sie sich so überlebensgroß vor ein paar Hundert Leuten zusahen? Yvonne Catterfeld: Auf jeden Fall fühlte ich mich sehr geehrt. Ist ja nicht alltäglich, dass ein Fernsehkrimi so eine große Premiere bekommt und nun auch noch auf dem Baden-Baden-Fernsehfestival nominiert ist. Aber ich bin bei so was auch sehr aufgeregt. Es gibt eben immer Szenen, bei denen man sich selber mal nicht gut genug findet - im Kino kommt das dann besonders hart. Ich gehöre jedoch zu den Menschen, die so etwas gut verkraften (lacht). teleschau: Es gibt auch einige Liebesszenen. Fällt Ihnen das leicht? Catterfeld: Es spielt keine Rolle, ob es einem leicht oder schwer fällt, es ist mein Job und gehört einfach dazu. Es muss letztendlich leicht und authentisch aussehen. Meine Entscheidung, wie weit ich gehe bei solchen Szenen, muss immer im Sinne der Figur, die ich spiele, und der jeweiligen Szene sein. Wichtig ist, dass man rechtzeitig vorher ausführlich mit allen Beteiligten darüber spricht, genau abklärt, was und wie viel gezeigt werden soll. Natürlich, als ich mich dann so ganz nackt auf der Leinwand sah, wollte ich mich am liebsten heimlich aus dem Kino schleichen ... teleschau: Eifersucht darf da zu Hause natürlich kein Thema sein! Catterfeld: Ist es auch nicht. Das ist der Vorteil daran, dass wir beide Schauspieler sind. teleschau: Ist Ihr Freund Oliver Wnuk Ihr größter Fan oder Ihr größter Kritiker? Catterfeld: Loben ist langweilig, deswegen schätze ich es, dass ich einen eher kritischen Mensch als Freund habe. Es gibt, gerade in diesem Geschäft, ja nicht so viel Ehrlichkeit. Zum Glück habe ich aber ein paar wenige sehr ehrliche Menschen um mich herum. Die sind dann zwar manchmal ganz schön hart in ihrem Urteil, aber mir ist das lieber als falsches Lob. teleschau: Wie gut vertragen Sie Kritik? Catterfeld: Eigentlich ganz gut. Ich versuche sie so anzunehmen, dass ich daraus lerne und sie mich immer ein Stückchen weiterbringt, denn darum geht es doch, oder? Ich finde Menschen, die nicht mit Kritik umgehen können, nicht besonders. Davon habe ich in meinem Beruf leider schon einige getroffen. teleschau: Denken Sie, dass Sie mit Ihrem Auftritt als taffe Kommissarin viele Leute überraschen? Catterfeld: Oh ja. Gerade das hat mich an der Sache gereizt: Ich spiele eine Frauenrolle, die man von mir nicht erwartet, die ich selbst aber eigentlich auch ganz gut kenne. Ich hatte zur Vorbereitung unter anderem Kampftraining - der Zuschauer erlebt sicher ganz neue Potenziale von mir: Da sind Wut und Aggression. Auch ich agiere, wenn es sein muss, konsequent, radikal und kühl ... teleschau: Es ist auch ein Actionrolle: Die Kommissarin schreit, schießt, rennt und kämpft. Und man sieht dabei zu, wie sie daheim in ihrer Wohnung eisenhart trainiert ... Catterfeld: Hören Sie auf! (lacht) Diese Szene mit den Sit-Ups an der Sprossenstange hängend, brachte mir einen Krampf und einen unglaublichen Muskelkater ein. Aber die Kampfszenen waren wirklich mein absolutes Highlight. Darauf hatte ich mich am meisten gefreut. teleschau: Prügeln Sie denn so gerne? Catterfeld: Ob Sie's glauben oder nicht: Ich war schon als kleines Mädchen immer diejenige, die sich gerne mit den großen Jungs anlegte. Ich hatte wohl damals schon ein bisschen zu viel Power - aber im Lauf der Jahre vergisst man die Kraft aus der Kindheit wieder. Es war toll, diese Kraft jetzt wieder zu entdecken. teleschau: Sind Sie sehr sportlich? Catterfeld: Grundsätzlich schon, aber ab und zu habe ich auch einen ganz schönen Durchhänger. Ich bin wohl einfach manchmal ein bisschen zu faul, um's durchzuziehen. teleschau: Machen Sie auch Kampfsport? Catterfeld: Nein. Als Kind wollte ich das gerne - aber irgendwie merkte ich, dass ich da zu schnell Muskeln kriege. Ich war damals ja viele, viele Jahre Geräteturnerin, betrieb das wirklich hart, wahrscheinlich zehre ich heute noch von diesen Grundlagen. Mir fällt es meistens sehr leicht, mich an eine Sportart zu gewöhnen - auch die Kampfszenen für den Film hatte ich schnell drin. teleschau: Müssen Sie viel für Ihre Figur tun, achten Sie auf Ihre Ernährung? Catterfeld: (lacht) Wenn Sie das meine Freunde fragen würden, dann würden die alle lauthals loslachen. Pizza, Burger, Steaks ... Das ist meine Welt. Ich bin ganz klar der männliche Esser! Aber klar, die Kommissarin lebt gerade auch von ihrer Selbstdisziplin. Also musste ich mich vor dem Film zusammenreißen. teleschau: Sie sind Schauspielerin und Sängerin, gehören zu den bekanntesten Stars im Lande. Ergibt sich daraus ein besonderer Druck, den Sie auch im Alltag spüren? Catterfeld: Hmmm. Ich spüre das natürlich sehr deutlich, dass mich die Leute überall, mit Make-Up oder ohne, erkennen. Früher war das sehr extrem - da fühlte ich die Popularität durchaus auch körperlich: Sie glauben nicht, wie viele Leute einen berühren, anfassen wollen. Aber ich finde, es hat in den vergangenen Jahren schon deutlich nachgelassen, außerdem habe ich mir einen totalen Tunnelblick zugelegt und eine Schutzhülle angeeignet. Das Schwierigste ist heute eigentlich, dass mich manche Leute spüren lassen, dass sie mich nicht als ernsthafte Schauspielerin sehen. Das stört mich schon ein bisschen. teleschau: Können Sie das Rampenlicht auch genießen? Wie gerne stehen Sie im Mittelpunkt? Catterfeld: Überhaupt gar nicht. Am liebsten würde ich mich bei öffentlichen Anlässen ganz klein und unsichtbar machen. Ich fühle mich wirklich am wohlsten, wenn ich in Ruhe meiner Arbeit nachgehen kann oder wenn ich im Ausland bin. Andererseits: Wie wäre es, wenn mich auf einmal gar keiner mehr erkennen würde? Schwierige Frage ... Das sind alles nicht zuletzt auch Dinge, die von der Tagesform abhängen. Bin ich gut drauf, dann kann ich inzwischen fast spielerisch mit dem Rummel umgehen. teleschau: Denken Sie, der Umgang der Öffentlichkeit mit einem Star verändert sich mit der Qualität seiner Arbeit? Catterfeld: Auf jeden Fall! Das sehe ich bei einigen älteren Kollegen, die geradezu unantastbar wirken, sehr deutlich. Da würde man natürlich auch gerne mal hinkommen. teleschau: Sie arbeiten daran. Im Oktober sind Sie auch bei RTL in einer großen Rolle zu sehen: im zweiteiligen Eventmovie "Vulkan". Finden Sie denn noch Zeit für die Musik? Catterfeld: Und ob! Bis eben war ich in Hamburg im Studio - im November kommt ein neues Album. Das dürfte ebenfalls einige Leute überraschen, denn es ist sehr weit von dem entfernt, was man sich vorstellt, wenn man an meinen Namen denkt. teleschau: Das müssen Sie jetzt näher erklären! Catterfeld: (lacht) Ich sage nur: Back to the roots. Ich wollte alles möglichst klein, reduziert haben: die Band, das ganze Team, den Sound. teleschau: Das wird also ein richtiger Yvonne-Catterfeld-Herbst! Catterfeld: Ja. Ich habe einfach wieder richtig Lust, ein bisschen anzugreifen. So sehr, dass mir sogar die Promotion Spaß macht (lacht). Es kommt ja auch noch der Weihnachtsfilm bei Sat.1: "Engel sucht Liebe" mit Max von Thun und Anja Kling als Engel. Frank Rauscher |
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