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Dick und Jane

Dick und Jane: Zu allem bereit, zu nichts zu gebrauchen

(tsch) Dick und Jane sind zwei Amerikaner besten Durchschnitts. Sie leben ihren Traum vom Spießerglück, haben ein Häuschen, stressige Jobs, ein überdurchschnittliches Einkommen und demnächst vielleicht auch einen eigenen Pool. Auch Kinder haben sie, obwohl dem lebensfrohen Paar Dinge passieren, die absolut nicht jugendfrei sind. "Galaxy Quest"-Regisseur Dean Parisot hat sich mit der Frage beschäftigt, wie zwei Normalos reagieren, wenn ihnen die Existenzgrundlage entzogen wird. Herausgekommen ist ein kurzweiliger Spaß mit einigen grandiosen Momenten, der mit der Zeit aber deutlich an Tempo verliert.

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"Dick und Jane" zeigt erstmalig Komödientalent Jim Carrey und die notorisch unterschätzte Tea Léoni ("Family Man", "Spanglish") Seite an Seite. Als dynamisches Paar mit vielen oberflächlichen Freundschaften und scheinbar ohne Sorgen geben sie ein wunderbares Abbild des ach so typischen Durchschnittsamerikaners ab, dessen Grad von Glücklichkeit anhand seines Fuhrparks und des Vorgartendesigns abzulesen ist.

Das Glöckchen am "Hau' den Lukas" läutet spätestens dann, als Dick eine Beförderung zum Kommunikationschef des Multimillionen Dollar-Konzerns Globodyne bevorsteht. Doch - auch das entspricht der Realität des Big Business - der clevere Kopf des Unternehmens (nach "Elizabethtown" wieder in seinem Element: Alec Baldwin) stiehlt sich mit eben jenen Multimillionen davon, treibt damit alles in den Ruin und behält zu allem Übel noch eine weiße Weste.

Was zählt also alles Glück in Form eines schweren BMWs, eines Gartens mit Rollrasen und eines gerade ausgehobenen Lochs für den bald gelieferten Pool? Dick steht auf der Straße. Jane auch, weil sie in Aussicht der Beförderung lieber gleich gekündigt hat, um sich fortan mehr um den eigenen Nachwuchs zu kümmern. Was tun, wenn der auf Pump finanzierte Lebensstil bei bestem Willen nicht zu halten ist? Im Supermarkt für einen Hungerlohn die mürrische Kundschaft begrüßen? Der ehemalige designierte Kommunikationsleiter versucht's - und scheitert kläglich. Also woher all das benötigte Geld nehmen, wenn nicht stehlen? Letzteres wird für das eigentlich rechtschaffende Ehepaar zur echten Alternative. Schließlich ist ihr Haus mittlerweile komplett leer geräumt, der Vorgarten gleich einer Schlammwüste, und das automobile Statussymbol ist längst eingetauscht gegen einen rostigen japanischen Kleinstwagen.

Dick, der liebenswerte Tollpatsch, tut sich zwar schwer mit der Kriminalität, doch seine bessere Hälfte ist ein echtes Naturtalent. Gemeinsam werden sie nach einiger Übung und vielen Patzern - einschließlich eines versuchten Überfalls auf einen Bekannten - zu einem buchstäblich eingespielten Team und beklauen alles: Vom Supermarkt bis hin zu Banktresoren. Der größte Coup steht ihnen indes bevor, als sie erfahren, dass der gewitzte Globodyne-Boss seine Millionen auf ein ausländisches Konto transferieren wird. Gemeinsam mit dessen ehemaliger linker Hand, mittlerweile schwer alkoholkrank, wollen sie den Transfer umlenken. Das Projekt droht aus dem Ruder zu laufen - bis Dick sich auf das besinnt, was ihn in seinem ehemaligen Job so gut gemacht hat: die gute Miene zum bösen Spiel.

Die Vorlage für diese Absteiger-Komödie lieferte die Satire "Das Geld liegt auf der Straße" von 1977, in der sich George Segal und Jane Fonda als Bonnie & Clyde-Verschnitt versuchten. Carrey und Léoni agieren weitaus frischer und - bei aller Übertreibung - sehr viel spontaner und glaubwürdiger als ihre Vorbilder. Dennoch fehlt dem immer chaotischer werdenden Treiben ein emotionaler Zusammenhalt, der den Film über den Charakter einer Gag-Aneinanderreihung hinaushebt.

Der Zuschauer wohnt einem Auftritt des Komikers Jim Carrey bei, der - unterstützt von einer komödiantisch talentierten Tea Léoni - immer dann zur Höchstform aufläuft, wenn er sich die Freiheit nimmt, zu improvisieren und herumzualbern. Carreys Spontaneität indes füllt nicht allein das Drehbuch, das sich auf genau jene Situationen verlässt. Eine etwas tiefschürfendere, existenzialistischere Problematisierung der Thematik hätte dem Film durchaus gut getan, vor allem, weil Carrey seine Ausdrucksfähigkeit in tragischen Dingen in "Der Mondmann", "Die Truman Show" und "Vergiss mein nicht" schon häufig unter Beweis gestellt hat.

Leif Kramp

Credits:
V:Sony, USA 2005, R: Dean Parisot, D: Jim Carrey, Alec Baldwin, Téa Leoni u.a.


Dick (Jim Carrey) und Jane (Téa Leoni) stellen sich als Gauner-Paar anfangs ziemlich ungeschickt an.
Dick (Jim Carrey) und Jane (Téa Leoni) stellen sich als Gauner-Paar anfangs ziemlich ungeschickt an. (2005 Sony Pictures Releasing GmbH)

Der dynamische Dick Harper (Jim Carrey) hofft auf die Beförderung.
Der dynamische Dick Harper (Jim Carrey) hofft auf die Beförderung. (2005 Sony Pictures Releasing GmbH)

Als Dick (Jim Carrey) arbeitslos wird, muss er um seine Existenz fürchten.
Als Dick (Jim Carrey) arbeitslos wird, muss er um seine Existenz fürchten. (2005 Sony Pictures Releasing GmbH)

Datum: 01.01.2006

Diskussion: "Dick und Jane"

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