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Der Satz "Ich liebe Dich" und seine Folgen(tsch) In seinem Zweiteiler "Mama und Papa" überrascht Regisseur Dieter Wedel mit einer Neuausrichtung seines Themenvisiers. Nicht mehr Politik, Institutionen und die Gesellschaft stehen im Mittelpunkt und damit am Wedelschen Pranger. Der Altmeister des öffentlich-rechtlichen Mehrteilers erzählt nun eine Liebes- und Trennungsgeschichte von ganz normalen Paaren. Zu sehen im ZDF am Montag, 2., und Dienstag, 4. Januar 2006. Anzeige "Wer einen Anwalt aufsucht, der liefert Waffen in Spannungsgebiete", so lautet einer jener typischen Sätze mit Signalcharakter, die der Autor Dieter Wedel nur allzu gerne ins Drehbuch schreibt, damit der Regisseur Dieter Wedel Spaß daran haben mag, so einen Satz effektvoll inszenieren zu dürfen. Und Wedel hat wieder einmal bekommen, was er wollte. Mehr Geld und Drehtage als bei vergleichbaren Produktionen, insgesamt 60 waren es. Er durfte aufwändige Castings veranstalten und anschließend vor Drehbeginn 14 Tage mit seinem Ensemble proben, in dem selbst in den Nebenrollen Stars wie Jochen Busse, Gisela Schneeberger oder Barbara Becker agieren. Alles nicht unbedingt üblich in der Welt der TV-Movies. Doch die Mühe hat sich gelohnt. "Mama und Papa" ist in seiner filmischen Ästhetik zwar wenig überraschend, eben typisches Wedel-Qualitätsfernsehen klassischer Prägung, dafür erzählt der Hamburger Regisseur jedoch eine ebenso anrührende wie spannende Geschichte, die von ihren exzellenten Hauptdarstellern getragen wird. Während der dynamische Enddreißiger Peter Ullrich (Fritz Karl) als Scheidungsanwalt in einer noblen Kanzlei Geld und Karriere macht, droht seine Frau Katja (Silke Bodenbender) an ihrem ereignislosen Leben zu ersticken. Nur Mutter der beiden Kinder zu sein, der 13-jährigen Julia (Anne Hausburg) und des jüngeren Philipp (Wolf-Niklas Schykowski), das reicht immer weniger zum Glück. Irgendwann, als der hier noch eitle und egozentrische Anwaltsgatte mal wieder spät aus der Kanzlei nach Hause kommt, steht die Traumvilla leer. Katja hat sich mit den Kindern aus dem Staub gemacht. Es ist nicht die einzige Trennung, von der Wedel im ungewohnt kurzen Format des Zweiteilers berichtet. Der sympathisch schusselige Jurastudent Thomas (Maximilian Brückner) muss miterleben, wie sich seine Eltern (Gisela Schneeberger und Peter Weck) nach mehreren Ehejahrzehnten trennen, weil der alte Vater noch einmal die Bestätigung einer jungen Geliebten gesucht und gefunden hat. Als Praktikant des Scheidungsanwalts Peter Ullrich muss Thomas den Abstieg seines Vorbilds vom gefeierten Starjuristen und Kanzleiteilhaber zu einem gebrochenen Mann miterleben, dessen gesamte Existenz zum Albtraum gerät. Das Schöne an Geschichten über Liebe und Trennung ist, dass fast jeder mitreden kann. Der Zuschauer eines solchen Stoffs mag seine eigenen Theorien entwickeln, was genau in der Beziehung der portraitierten Paare schief gelaufen sein mag und wie das Ganze nach zweimal 90 Minuten ausgeht. Dass man in keinem der Rollengeflechte einfache Schuldzuweisungen vornehmen kann, dass man bis kurz vor Schluss nicht vorauszusehen vermag, wie das Ganze ausgeht, das sind zwei große Stärken des Films. Selbst den Scheidungskrieg, zu dem es kommt, hat eigentlich keiner gewollt. Und es gibt ja auch zwischendurch immer wieder Hoffnung auf eine Wende zum Besseren. Wedel spielt und lässt spielen. Ähnlichkeiten zu seinem eigenen unkonventionellen Beziehungsleben streitet der TV-Großmeister übrigens nicht ab. "Es hätte mich nicht interessiert, einen Film über unangenehme Menschen zu machen. Das habe ich nie gemacht. Auch was ich tue, ist nicht immer astrein. Aber ich finde die Menschen toll. Dass zwei sympathische Menschen sich letztlich vor dem Scheidungsrichter bekriegen, obwohl sie alles im Guten regeln wollten, darin zeigt sich die Tragik unserer Zeit. Die Ursache liegt vor allem in der Sprachlosigkeit unserer Beziehungen." "Und womit hat alles angefangen?", fragt einer der Protagonisten an einem seiner emotionalen Tiefpunkte. "Mit dem Satz: 'Ich liebe dich!" lautet die Antwort. Natürlich wird hier eine ernste Geschichte erzählt. Dennoch gibt es in Wedels "Mama und Papa" überdurchschnittlich viel zu lachen. Bisweilen wagt sich das Drehbuch gar an Slapstickszenen heran, und das noch nicht einmal schlecht. "Es ist natürlich eine ernste Geschichte, die vom Zerbrechen der Liebe erzählt", sagt der Autorenregisseur. "Ich habe aber versucht, auch immer wieder Szenen hinein zu manövrieren, über die man lachen kann. Weil ich glaube, dass das Dunkle noch dunkler wird, wenn es zwischendurch mal hell wird." Und wenn man Dr. Dieter Wedel fragt, was er selbest aus seiner wie immer umfangreichen Recherche zum Thema Liebe, Trennung und Scheidung gelernt hat, findet auch hier ein Fünkchen Selbsthumor Platz: "Nach meinen Recherchen habe ich begonnen, abends zu Hause von meinen Problemen am Set zu erzählen. Obwohl ich am liebsten gar nichts mehr erzählt hätte. Aber ich habe ja mitbekommen, wohin Sprachlosigkeit - auch aus Erschöpfung heraus - führt. Deshalb lieber mal eine Blödsendung im Fernsehen weniger sehen und stattdessen mit dem Partner ein Gespräch führen", erklärt Wedel und fügt noch rasch hinzu: "Das gilt natürlich nicht für meinen Film." Eric Leimann |
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