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Nach "Muxmäuschenstill" kommt nun "Short Cuts to Hollywood"

Short Cut to Hollywood

(vm/tsch) "Get Famous Or Die Trying" trägt ein Loser stolz auf seinem Körper tätowiert. Das ist keine Pose, er hat sich tatsächlich vorgenommen, vor, während oder eben nach seinem Tod berühmt zu werden, koste es, was es wolle. Und er ist wirklich zu allem bereit. Der Typ, der sich den Namen John F. Salinger zulegt und sich auf den Weg nach Amerika macht, um dort berühmt zu werden, wird von Jan Henrik Stahlberg verkörpert. Er und Regisseur Marcus Mittermeier sorgten 2004 mit ihrer Weltverbesserer-Satire „Muxmäuschenstill“ für heftige Diskussionen. „Short Cut to Hollywood“ ist ihr zweites gemeinsames Werk. Die makabre Tragikomödie ist unterhaltsam, lebendig und kein bisschen weniger kontrovers als „Muxmäuschenstill“. Wer damals am sehr schwarzen Humor des Filmduos Gefallen fand, wird auch jetzt auf seine Kosten kommen.

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Jeder sollte einmal das Gefühl gehabt haben zu leben, sagt einer zu Beginn des Films. Zusammen mit seinen Freunden Mattias (Marcus Mittermeier) und Christian (Christoph Kottenkamp) fliegt John F. Salinger (Jan Henrik Stahlberg) nach Amerika und bringt sich bei den Medien ins Gespräch, indem er sich einen Finger abschneidet. Das ist der Anfang seiner Demontage.

Wie weit gehst du für einen Löffel Aufmerksamkeit? Johns "Get Famous Or Die Trying"-Tattoo kommt nicht von ungefähr, genau so sieht sein Plan aus. Obwohl es bei ihm heißen müsste: Werde berühmt und sterbe dabei. Der einstige Verlierer benutzt seinen Tod als Marketinginstrument und die Geister, die er ruft, sind ihm sehr zu Diensten. Letztlich müssen wir alle sterben, warum also nicht so, dass es einem zu Lebzeiten einen Vorteil verschafft?

Was nach hanebüchener Spinnerei klingt, wird von Autor Stahlberg umsichtig beschrieben und von den Filmemachern unterhaltsam und lebendig umgesetzt. 2004 erlebte das Team bereits einen Achtungserfolg mit dem blassen Herrn Mux, der in den Straßen Berlins für Ordnung sorgte. Amüsant-zynischer Stoff, verpackt in einen Pseudo-Dokustil, machte Zuschauer und einige Jurys fassungslos. Man staunte und lachte. Jedoch - wenn auch mehrfach ausgezeichnet - ein Film, der gegen Ende ins Schlingern geriet.

Das passiert im zweiten Anlauf nicht mehr. Achtsam baut "Short Cut to Hollywood" Stein um Stein das groteske Vorhaben seiner Hauptfigur auf. Die erzählerischen Elemente greifen zwingend ineinander, der nächste Schritt unterliegt einer klaren Logik. Stahlberg verkörpert nach Mux nun Salinger, auch der Dokumentarstil wurde beibehalten. Die Musikerkarriere im Schnelldurchlauf ist grotesk überzogen, aberwitzig und voll unglaublicher Schlenker. Erstaunlich ist, dass trotz des hohen Tempos, mit der die Story abgespult wird, eine Bindung entsteht zu diesem singenden Typen, der neuerdings Cowboyhut und Pilotenbrille trägt.

Das Verrückt-Lustige dieser schwarzen Tragikomödie weicht schließlich dem Makaberen, eine weitere Parallele zu Herrn Mux, der im ersten Werk der Freunde Stahlberg/Mittermeier zu immer drastischeren Maßnahmen griff, um den Menschen eine Lektion zu erteilen. Auch "Short Cut to Hollywood" wählt ein schwieriges Ende, nimmt sich vor, den Zuschauer zur Reflexion zu zwingen, und wenn es nur das Nachdenken darüber ist, worüber man gerade lacht. Denn der Aufstieg und Fall des Losers Salinger schleudert das Publikum emotional hin und her. Aber früher oder später merkt jeder, dass das gar nicht so komisch ist. Es gelingt dem ambitionierten kleinen Team, das in den USA und Deutschland drehte, ihre Gesellschaftskritik in einen kurzweiligen Film zu verpacken, der erstaunlich ist, der verunsichert und entsprechend nachwirkt.

Claudia Nitsche

Credits:
V:Senator, D / USA 2007, R: Marcus Mittermeier, D: Jan Henrik Stahlberg, Marcus Mittermeier, Christoph Kottenkamp u.a.

Laufzeit: 94 Min.

Kinostart:
24. September 2009


Lachen, bis es weh tut: "Short Cut to Hollywood" ist die neue, böse Satire von Jan Henrik Stahlberg und Marcus Mittermeier.
Lachen, bis es weh tut: "Short Cut to Hollywood" ist die neue, böse Satire von Jan Henrik Stahlberg und Marcus Mittermeier. (Senator)

So sehen Sieger aus: John (Jan Henrik Stahlberg, vorne) will unsterblich werden, seine Freunde Matt (Marcus Mittermeier, links) und Chrismon (Christoph Kottenkamp) unterstützen ihn.
So sehen Sieger aus: John (Jan Henrik Stahlberg, vorne) will unsterblich werden, seine Freunde Matt (Marcus Mittermeier, links) und Chrismon (Christoph Kottenkamp) unterstützen ihn. (Senator)

Das Konzept geht auf: Matt (Marcus Mittermeier, links), John (Jan Henrik Stahlberg, Mitte) und Chrismon (Christoph Kottenkamp) haben in Amerika nicht nur neue Namen angenommen, sondern ein neues, spannendes Leben begonnen.
Das Konzept geht auf: Matt (Marcus Mittermeier, links), John (Jan Henrik Stahlberg, Mitte) und Chrismon (Christoph Kottenkamp) haben in Amerika nicht nur neue Namen angenommen, sondern ein neues, spannendes Leben begonnen. (Senator)

Datum: 20.09.2009

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