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Nichts Neues: "Die Entführung der U-Bahn Pelham 1 2 3"

Die Entführung der U-Bahn Pelham 1 2 3

(cg/tsch) Panisch gerannt, viel geschossen und spektakulär gekämpft wird in nahezu jedem Film von Tony Scott („Spy Game“, „Domino“). In seinem neuen Werk „Die Entführung der U-Bahn Pelham 1 2 3“ ist es nicht anders. Verständlich, denn es ist ein klassischer Action-Stoff, der hier auf die Leinwand übertragen wurde. Wie bereits der Titel verrät, gerät eine U-Bahn in die Hände fieser Entführer. Das Schlimme ist, dass der Filmtitel beinahe alles verrät, was im Film passiert. Die Panik der Geiseln, das hektische Gerenne der Retter und die ewigen Verhandlungen am Telefon zwischen dem Guten und dem Bösen hat man leider genau so unzählige Male auf der Leinwand gesehen. Man muss enttäuscht feststellen, dass Tony Scott offensichtlich nichts Neues in die 1974 unter dem Titel "Stoppt die Todesfahrt der U-Bahn 1-2-3" bereits verfilmte Geschichte hineinbringen wollte. Und da hilft es wenig, dass Denzel Washington und John Travolta das Gut-gegen-Böse-Spiel spielen, denn ihre Figuren lassen einen ohnehin kalt.

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Was, wenn eine gefüllte U-Bahn zum Ziel einer Kidnapper-Bande wird? Was geschieht in den Tunneln, wenn es dunkel wird? Das Szenario ist nicht erst durch die zeitgenössische Terrorfurcht hochaktuell und wirft neue Fragen auf, zum Beispiel: Wie kommt der ständig erreichbare Mensch der Jetztzeit mit einer lebensbedrohlichen Situation zurecht, wenn Handy und mobile Computer keine Signale empfangen?

Drehbuchautor Brian Helgeland hat sich nicht nur diesbezüglich dem aktuellen Zeitgeist anzunähern versucht. Bei seiner Neuauflage, die eigentlich keine sein will, sondern lieber eine eigene Idee, eine neue Geschichte, allenfalls inspiriert vom Vorgängerfilm, geht es weitaus gehöriger zur Sache als noch vor 35 Jahren: Es wird gemordet, gelitten und durch die Straßen und Tunnel Manhattans gehetzt, als gäbe es zumindest für die Geiseln kein Morgen. Der für seine forschen Schnitte bekannte Regisseur Tony Scott bleibt seinem Stil treu und garniert die aufgepeppte Katastrophen-Story mit dröhnender Rap-Musik und spektakulären Autounfällen, obwohl sich alles Wesentliche eigentlich unter den Straßen von New York abspielt.

Dort sitzt Gangsterboss Ryder mit seinen zu allem Unheil bereiten Lakaien in einem Stahlkäfig mit Rädern und droht damit, jede Minute eine Geisel zu töten, wenn nicht innerhalb von einer Stunde zehn Millionen Dollar in bar aus dem Gelddepot in Brooklyn angeliefert werden. Was wirklich hinter dem Himmelfahrtskommando in der Enge der U-Bahn-Schächte steckt, wird erst später klar.

Gespielt wird der Schnauzbartträger von John Travolta, der bereits vor genau acht Jahren mit "Passwort: Swortfish" seine Qualitäten als glaubwürdiger Terroristenmime unter Beweis stellte. Damals hatten sich gerade die Anschläge auf das World Trade Center und das Pentagon ereignet, weshalb der Kinostart um einen Monat nach hinten verschoben wurde. Heute dagegen ist der filmische Terrorgrusel wieder kommod, und ein gewöhnlicher U-Bahn-Angestellter darf zum Held erwachsen.

Denzel Washington verkörpert den Aufsichtsleiter in der Nahverkehrszentrale der Metropolitan Transportation Authority (MTA) von New York, der gerade Dienst hat, als der schicksalhafte Anruf des Kidnappers eintrifft. Fortan wird er zum Dreh- und Angelpunkt für das Überleben der Geiseln und gerät zu allem Unheil noch in einen schweren persönlichen Gewissenskonflikt.

Dass sich zwischen dem personifizierten Bösen und dem gewöhnlichen Helden wider Willen eine seltsame Verbindung entwickelt, ist natürlich unvermeidbar und soll für zusätzliche Spannung sorgen. Doch ein Seelenstriptease bleibt aus: Leider folgen die Verhandlungen am Telefon den bekannten Mustern und lassen eben das zwischenmenschliche Knistern vermissen, das von einem solch honorigen Schauspielerduo wie Washington und Travolta zu erwarten ist. Ebenso fehlen der Geschichte die sich anbietenden klaustrophobischen Nuancen.

Beim beinahe schon lakonischen Finale, bei dem sich die Kontrahenten Auge in Auge zum Showdown gegenüberstehen, verzichtet der hektisch die Kamerakräne dirigierende Regisseur Scott unverständlicherweise darauf, Widersprüche aufzulösen. Das Duell ist ohne Pointe. Die Psycho-Spiele des desillusionierten, aber hellwachen Verbrechers, ein geschasster Wall Street-Unternehmer, bleiben bedeutungslos. Das Spannungspotenzial des Entführungsthrillers wird den unterhaltsamen Schauwerten der Actionelemente geopfert. Kurz: Das nervöse Treiben auf der Leinwand lässt den Zuschauer weitgehend kalt.

Leif Kramp

Credits:
V:Sony, USA 2009, R: Tony Scott, D: Denzel Washington, John Travolta, John Turturro u.a.

Laufzeit: 106 Min.

Kinostart:
24. September 2009


"Die Entführung der U-Bahn Pelham 1 2 3" ist ein Remake eines Films aus dem Jahr 1974, das sich jedoch an vielen Stellen vom Original löst.
"Die Entführung der U-Bahn Pelham 1 2 3" ist ein Remake eines Films aus dem Jahr 1974, das sich jedoch an vielen Stellen vom Original löst. (Sony)

John Travolta spielt Ryder, den skrupellosen Geiselnehmer der U-Bahn Pelham 1-2-3, dessen Beweggründe lange im Dunkeln bleiben.
John Travolta spielt Ryder, den skrupellosen Geiselnehmer der U-Bahn Pelham 1-2-3, dessen Beweggründe lange im Dunkeln bleiben. (Sony)

Walter Garber (Denzel Washington) im Stress: Er muss die Geiselnahme im U-Bahn-Schacht auflösen und zugleich seine eigene dunkle Vergangenheit vertuschen.
Walter Garber (Denzel Washington) im Stress: Er muss die Geiselnahme im U-Bahn-Schacht auflösen und zugleich seine eigene dunkle Vergangenheit vertuschen. (Sony)

Datum: 18.09.2009

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