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Element Of Crime: "Immer da wo du bist bin ich nie"

Element Of Crime Immer da wo du bist bin ich nie

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Vielleicht ist ja doch noch was dran am Land der Dichter und Denker. Zumindest scheint es in Deutschland nach wie vor keinen schnelleren Weg zu Ruhm und Anerkennung zu geben als über gedrucktes Papier. Nach zig verkauften "Feuchtgebieten" wurde aus der ehemaligen Clipansagerin Charlotte Roche quasi im Handumdrehen eine kokett frisierte Autorität im öffentlich-rechtlichen Kulturfernsehen. Und auch Sven Regener dürfte seit dem "Herr Lehmann"-Erfolg das Schicksal seiner Band Element Of Crime mit verwunderten Augen betrachten. Mit "Mittelpunkt der Welt" schwappte man vor vier Jahren ebenso unvermittelt wie berechtigt von den Kritikercharts in den Gold-prämierten Mainstream. Und täuschen nicht alle Anzeichen, dann wird es Studioalbum Nummer zwölf nicht anders ergehen. Regener ist gefragter denn je. Und seine Kunst erreicht auf "Immer da wo du bist bin ich nie" einen selbstgenügsamen Zustand genüsslich-lakonischer Vervollkommnung.

Bereits vergangenes Jahr gab es ein musikalisches Lebenszeichen des gefragten Literaten mit Band. Element Of Crime steuerten ein paar Soundtracksongs zu Leander Hausmanns Kinofilm "Robert Zimmermann wundert sich über die Liebe" bei. Und ließen die musikalische Steilvorlage des Filmtitels nicht ungenutzt. "Hear this, Robert Zimmerman!" möchte man nun erneut ausrufen, wenn die Wahlberliner im Titeltrack Dylans "Highway 61" belehnen. Und auch, wenn eine gewisse "Deborah Müller" mit Banjo, Mundharmonika und Texmex-Bläsern umschmachtet wird wie eine heißblütige Südstaatenschönheit, ist die Aura von His Bobness nicht weit: "Der liebe Gott liebt dich / Und wenn nicht, dann bin ich noch da."

Die Liebe ist einmal mehr das große Mysterium, um das Regener seine lyrischen Alltagsgedanken streut. "Bitte bleib bei mir", beschwört er zu Streicherelegien eine verhinderte Spargelkönigin. Später träumt er "In mondlosen Nächten" von der Liebe, ehe "Euro und Markstück" zum Spaghetti-Western-Ambiente in trauter Zweisamkeit in den Sonnenuntergang reiten. Nur selten übertreibt es der launige Dichter, wie im etwas albernen "Der weiße Hai" mit Kinderchor. Doch auch das, so scheint's, hat Methode. Wie auch der Umstand, dass jedes Element-Of-Crime-Album seit "Weißes Papier" wenigstens einen Übersong hat: "Kaffee und Karin" heißt er diesmal: ein schwofender Walzer, geraunt in bester Assoziierlaune aus der Plastiklaube eines schäbigen Gartencafés: "Und nur wenn ich lachen muss, tut es noch weh." Wie treffend.

Literat hin oder her, im Verbund mit Element Of Crime bleibt Sven Regener die eigentliche Institution. "Immer da wo du bist bin ich nie" ist das, was man erwarten durfte: das souveränste, beiläufigste und lebensklügste deutschsprachige Popstatement der Saison. Bis nächste Woche. Dann kommt die neue Jochen Distelmeyer.

Element Of Crime auf Deutschland-Tournee

25.01., München, Tonhalle

26.01., Stuttgart, Theaterhaus

27.01., Erlangen, Heinrich-Lades-Halle

28.01., Leipzig, Haus Auensee

29.01., Dresden, Alter Schlachthof

30.01., Offenbach, Capitol

01.02., Köln, Palladium

02.02., Bielefeld, Ringlokschuppen

03.02., Bochum, Jahrhunderthalle

04.02., Hannover, Capitol

05.02., Hamburg, Alsterdorfer Sporthalle

06.02., Bremen, Pier 2

07.02., Berlin, Arena

Jens Szameit


Datum: 22.09.2009

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