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"2 Tage in Paris" können eine Beziehung sehr strapazieren
2 Tage ParisNatürlich ist Julie Delpys Regiedebüt keine offizielle Fortsetzung von Richard Linklaters "Before Sunrise" (1995) und "Before Sunset" (2004). Aber es würde passen: Im ersten Teil verfehlen sich ein Mann und eine Frau. Danach gehen sie zehn Jahre getrennte Wege. Am Ende des zweiten Teils wird angedeutet, dass sie zusammenkommen. Er Amerikaner, sie Französin. Was wäre, wenn sich nach einigen Jahren Beziehung das Umfeld änderte und der vertraute Mensch plötzlich sehr fremd wirkt? Genau davon handelt die redselige Komödie "2 Tage Paris", die in Deutschland von 280.000 Zuschauern im Kino gesehen wurde und nun im Ersten Free-TV-Premiere hat. Anzeige Delpy, zuletzt für das etwas enttäuschende Historiendrama "Die Gräfin" (2009) als Darstellerin und Regisseurin verantwortlich, besetzte sich auch in dieser nicht ganz klassischen Beziehungskomödie selbst in der Hauptrolle: Sie heißt Marion, und ihr Freund heißt Jack. Ein kurzer Zwischenstopp bei ihren Eltern, bevor sie wieder nach Hause in die USA fliegen, entwickelt sich zum explosiven Zusammenstoß mit der Vergangenheit. Da sind Männer, die sie lüstern ansehen, zweideutige Bemerkungen machen. Und ihre Eltern scheinen äußerst private Fotos zu kennen. "Was soll das?" fragt sich Jack, und wieso muss er sich mit jedem noch so lächerlichen Klischee vom Amerikaner auseinandersetzen? Er ist genervt. Die Situation droht zu eskalieren, und man weiß nie genau, ob Jack hypochondrisch oder berechtigt so wütend reagiert. Diese Balance hält die inzwischen 39-jährige Französin bei ihrem Debüt sehr gut, wobei sie selbst die eher unbeliebte Rolle innehat. Immer hart an der Grenze zur überengagierten, hysterischen Emanze, hat sie es nicht leicht, die Sympathien zu halten. Viel drolliger wirkt da Adam Goldberg, der Ben Stiller nicht unähnlich sieht und auch das gleiche Rollenprofil hat wie der bekanntere Komödiendarsteller. Er ist ein großer Zyniker und Virtuose auf dem Gebiet des trockenen Humors. "Zwei Tage kein Sarkasmus", ist daher die Devise, die seine Freundin bei der Ankunft ausgibt. Daran halten wird sich keiner. Deswegen ist es schwer, die Kurve zu kriegen und durchaus ernste Seiten, echte Verletzungen darzustellen. Julie Delpy hat sich durchaus viel Mühe mit dem Drehbuch gegeben, möchte Realismus in ihre Figuren legen. Nie, so lässt sie ihre Hauptfigur kommentieren, werden die langweiligen Zeiten, die triste Gewohnheit, illustriert. Immer nur die großen Dramen, der Anfang, das Ende. Doch irgendwann verliert der Film mit seinen extravaganten Wendungen ein wenig den Faden und hat es schwer, wieder in die Spur zu finden. Dabei gehen Delpys guten Ideen ein bisschen unter - und mit ihnen Daniel Brühl, der als skurriler Deutscher einen weiteren internationalen Kurzauftritt abspult. Johann Ritter |
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