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Natural Born KillersÜber den Skandalfilm des Kinojahres 1994 kursieren so manche Binsenweisheiten. Eine besagt, dass man "Natural Born Killers" entweder lieben und hassen müsse - dazwischen sei keine Haltung möglich. Oliver Stone, ohnehin nicht gerade ein Regisseur der Zwischentöne, hatte mit dem gewagtesten seiner Filme wohl auch auf extreme Reaktionen abgezielt. Dennoch sollte man die Rezeption des von 3sat wiederholten Kultstreifens ein bisschen differenzierter betrachten. Nicht wenige liebten die stilisierte Gewaltorgie wider besseres Wissen. Denn was als Satireschlag gegen die zynische Allianz von Mord und Medien gedacht war, entpuppte sich in Wahrheit als ungeheuer verführerischer, weil ästhetisch brillanter Blutrausch, der sich mit dem Gegenstand seiner Kritik fatalerweise ein gutes Stück gemeinmachte. Anzeige Gewiss, in eben diesem Dilemma stecken prinzipiell alle Satiren. Und empörte Vorwürfe der Gewaltverherrlichung musste sich einst auch der große Stanley Kubrick anhören, dessen "Clockwork Orange" ein paarmal von Oliver Stone zitiert wird. Doch was der Vietnamveteran Stone aus einer Drehbuchidee des jungen Quentin Tarantino machte, das war zumindest seinerzeit ohne Beispiel. 52 Tote fordert die Mordserie des Killer-Pärchens Mickey (Woody Harrelson) und Mallory (Juliette Lewis). Wie Bonnie und Clyde auf einem schlechten LSD-Trip ziehen die beiden eine Blutspur durch die Wüste New Mexicos und werden so zu Superstars der janusköpfigen Fernsehberichterstattung. Stone schießt wie mit der Schrotflinte auf alles, was an der Mediengesellschaft so zum Himmel stinkt. Nur macht er's noch greller, noch lauter, noch platter - und das mit Prinzip. Es gibt hektische Schnitte wie bei MTV, Farbfilter, Vor- und Rückblenden und eine widerliche Mordszene an Mallorys groteskem Vater, die im Sitcom-Stil mit Lachern vom Band unterlegt ist. Im Abstand weniger Wochen erschienen "Natural Born Killers" und Quentin Tarantinos Cannes-Gewinner "Pulp Fiction" 1994 im Kino. Beides kontroverse Gewaltfilme, doch den Zeittest hat der Letztgenannte schon deutlich besser bestanden. Tarantino, der für "Natural Born Killers" erst keine Finanziers und dann keine Zeit fand, distanzierte sich überaus deutlich von dem, was Stone aus seinem Drehbuch machte. Auf ambivalente Weise reizvoll und wichtig ist der Film dennoch geblieben, was durchaus nicht alleine an den famosen Soundtrackbeiträgen von Leonard Cohen liegt. Während Quentin Tarantino mit seiner (natürlich wieder mal umstrittenen) Nazifarce "Inglourious Basterds" zuletzt die deutschen Kinocharts eroberte, lässt Oliver Stones neuer Spielfilm noch bis voraussichtlich April 2010 auf sich warten. In Arbeit ist ein Sequel des Klassikers "Wall Street" mit Michael Douglas und Shia LaBeouf. Jens Szameit |
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