"Ich habe da eine super Geschäftsidee." - So fangen viele Sätze des etwas verlotterten Marcel Werner (Milan Peschel) an. Der arbeitslose Countryfan ist ein Träumer aus dem Berliner Bezirk Prenzlauer Berg. Er redet viel und kriegt doch nichts auf die Reihe. Als plötzlich sein 15-jähriger Sohn Sebastian (Sebastian Butz) auf der Matte steht, muss Marcel das Vatersein erst mal wieder neu üben. Nach anfänglichem Frust raufen sich die beiden zwar zusammen - nur eben mit verteilten Rollen: Sebastian übt mit dem Vater Bewerbungsgespräche und lernt die Lockerheit des Berliner Ost-Kiezes zu schätzen. ARTE wiederholt nun die wunderbare Tragikomödie "Netto" (2005) von Robert Thalheim.
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Natürlich sind nicht alle Väter zum Helden geeignet, das weiß der von Sebastian Butz herrlich verdruckst und authentisch dargestellte Sebastian schon längst. Schließlich hat Mutter Angelika (Christina Große) den Verlierer Marcel ja auch längst verlassen, um mit einem dynamischen Business-Typen eine neue Familie zu gründen, draußen im Grünen. Trotzdem entwickeln sich Vater und Sohn bald zu einem kameradschaftlichen Team. Beim Basketballspiel, beim Austausch über Bodyguard-Geheimwissen, "Herr der Ringe"-Strategien und natürlich zu den lebensweisen Countryklängen des Ost-Johnny-Cashs Peter Tschernig. Der ist übrigens in einer Gastrolle zu sehen.
Doch das neue, noch zerbrechliche Vater-Sohn-Idyll wird auf die Probe gestellt. Marcel plagen massive Versagensängste. Und Sohn Sebastian erlebt die erste Liebe. Ausgerechnet die freche Nora (Stephanie Charlotta Koetz) hat es ihm angetan.
"Netto" ist der erste Langfilm des in Berlin geborenen Robert Thalheim ("Am Ende kommen Touristen", 2007). Er entstand während seines Studiums an der Hochschule für Film und Fernsehen "Konrad Wolf" in Potsdam-Babelsberg. "Netto" lief bei der Berlinale 2005 und weiteren internationalen Festivals. Das ebenso leichte wie genau beobachtete Debüt wurde zu Recht mit vielen Preisen bedacht: So erhielt Robert Thalheim unter anderem den Preis der Deutschen Filmkritik für den besten Debütfilm 2005.
Hervorzuheben in diesem stimmigen Gesamtkunstwerk über die Kluft zwischen Wendeverlierern und ihrer bereits im Westen angekommenen Nachfolgegeneration ist die Leistung von Milan Peschel. Für seine Rolle als Vater, dem alle Felle davonschwimmen, der sich aber trotzdem mit tragikomischem Humor gegen den Untergang stemmt, wurde er in der Kategorie "Beste männliche Hauptrolle" für den Deutschen Filmpreis 2006 nominiert. Demnächst ist Peschel in Sven Taddickens Störtebeker-Abenteuer "Zwölf Meter ohne Kopf" zu sehen. Die Hauptrollen haben Ronald Zehrfeld (Klaus Störtebeker) und Matthias Schweighöfer (Gödeke Michels) übernommen. Der Film soll am 10. Dezember in die Kinos kommen.
Eric Leimann
Wer erzieht hier eigentlich wen? Sebastian (Sebastian Butz, links) und sein Vater (Milan Peschel) entwickeln sich zu einem kameradschaftlichen Team. (ZDF / Yoliswa Gärtig)
Sohn Sebastian (Sebastian Butz, links) und Vater Marcel (Milan Peschel) haben große Geschäftsideen. Warum nicht schon mal mit dem Renovieren des Büros anfangen? (ZDF / Yoliswa Gärtig)
Sohn Sebastian (Sebastian Butz, links) und Vater Marcel (Milan Peschel) wollen in der heruntergekommenen Wohnung am Prenzlauer Berg gemeinsam ein "Security-Geschäft" starten. (ZDF / Yoliswa Gärtig)
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