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"Die Kinder der Seidenstraße" setzt auf Sentimentalität

Die Kinder der Seidenstraße

(vm/tsch) In der Rolle des perfiden Hochstaplers in Woody Allens „Match Point“ machte Jonathan Rhys Meyers eine ausgesprochen gute Figur. Der Schauspieler, der in der prominenten TV-Serie „Die Tudors“ dem extravaganten König Heinrich VIII sein Gesicht lieh, sieht unverschämt gut aus, hatte eine wilde Kindheit und ernste Alkoholprobleme. Dass dieser Mann nun im sentimentalen Epos „Die Kinder der Seidenstraße“ den Gutmenschen gibt, wirkt anfangs etwas befremdlich. Doch er macht es gut. So gut es eben für eine so geradlinige und rührselige Mainstream-Produktion geht.

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Für viele geht das nicht zusammen. Doch das ist nur eine Trotzreaktion darauf, dass Regisseur Roger Spottiswoode rührseligen Inhalt packend und vielleicht auch berechnend inszeniert. Der britische Reporter George Hogg stolpert durch das von Japanern besetzte China, fotografiert hier und da die Brutalität, die auf der Straße regiert. Er hat Glück, gerät zwischen den Massakern an den Partisanenkämpfer Jack (Chow Yun Fat), der ihm Rettung verspricht.

So landet Hogg bei Waisenkindern, die nichts von Körperpflege, aber viel von Machtkämpfen halten. Er will sich dort nur regenerieren, bis er nach Hause reisen kann. Doch zusammen mit der Krankenschwester Lee (Radha Mitchell) gewinnt er das Vertrauen der elternlosen Jungen - und sieht nach und nach einen Sinn in seinem eigenen Leben.

Man kann sich daran stören, dass nach viel zu kurzer Zeit der Jenseits-von-Afrika-Tanz getanzt wird, bei dem sich Lee und George Hogg tief in die Augen schauen. Man darf sich weiterhin daran stören, dass der vielseitige Chow Yun Fat ("Anna und der König") fast so pointengeil ist wie Eddie Murphy. Beides sind jedoch keine wirklichen Gründe, aus dem Drama auszusteigen. Die Romantik wird wieder auf die lange Bank geschoben, und Chow Yun Fat kommt runter und begibt sich auf ein normal schlagfertiges Niveau.

Anderweitig gibt es Kritik, dass sich das Drehbuch, obgleich es auf einer wahren Geschichte beruht, einige Freiheit nahm. Doch, ob dieser Mann, der sich der Verantwortung stellt, an einem Ort gebraucht zu werden, nun ein Sohn aus gutem Hause auf Abenteuerreise war oder wie beim Kanadier Spottiswoode ein Journalist, spielt auch nicht wirklich eine große Rolle.

Viel gewichtiger ist die Schönheit der Landschaft, in der sich der Schäfer mit seiner immer zahmeren Herde bewegt, auf der Flucht vor den Japanern. Überhaupt sind es die Jungen, die der Erzählung Format und auch Wärme geben. Eine Weile braucht man, bis man sich orientiert, es sind ja doch mehr als eine Handvoll Charaktere, doch mehr und mehr ziehen sie einen in ihren Bann.

"Die Kinder der Seidenstraße" ist gefühliges Kino, ohne Scheu vor sentimentalen Momenten. Da kämpft dieser George Hogg in sonnigen und staubigen Bildern gegen Widerstände, erobert sich Stück für Stück ein Terrain, das er nie betreten wollte. Das macht Rhys Meyers gut, freilich nicht für die, denen sein Boheme-Stil und sein Vintage-Look ebenso missfallen wie eine bildhübsche, blonde Krankenschwester.

Wer nicht die Fehler sucht, sondern sich mit dem Guten, das er zu sehen kriegt, zufriedengibt, schätzt die sprichwörtliche epische Breite. Der geneigte Zuschauer wird sich die Leinwand sogar größer wünschen.

Claudia Nitsche

Credits:
V:3Rosen, AUS / D 2008, R: Roger Spottiswoode, D: Jonathan Rhys Meyers, Chow Yun-Fat, Michelle Yeoh u.a.

Laufzeit: 118 Min.

Kinostart:
08. Oktober 2009


Regisseur Roger Spottiswoode inszenierte den Abenteuerfilm "Die Kinder der Seidenstraße", der auf wahren Begebenheiten beruht.
Regisseur Roger Spottiswoode inszenierte den Abenteuerfilm "Die Kinder der Seidenstraße", der auf wahren Begebenheiten beruht. (3 Rosen)

Zwei Männer auf der Suche nach dem richtigen Weg: Der Engländer George (Jonathan Rhys Meyers, links) lernt fast schneller als es Jack (Chow Yun Fat) recht ist.
Zwei Männer auf der Suche nach dem richtigen Weg: Der Engländer George (Jonathan Rhys Meyers, links) lernt fast schneller als es Jack (Chow Yun Fat) recht ist. (3 Rosen)

Er will der Retter sein: George Hogg (Jonathan Rhys Meyers) versucht so viele Kinder zu retten wie möglich.
Er will der Retter sein: George Hogg (Jonathan Rhys Meyers) versucht so viele Kinder zu retten wie möglich. (3 Rosen)

Datum: 03.10.2009

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