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"John Rabe" ertrinkt in Kitsch und Gefühligkeit

John Rabe

Oscar-Gewinner Florian Gallenberger erzählt in epischen Bildern von einem Mann, der Nazi war und trotzdem ein guter Deutscher. Leider ertrinkt seine Heldensaga "John Rabe" in undifferenziertem Pathos.

(cg/tsch) Heldenepen sind in der deutschen Filmlandschaft eine Seltenheit. Zu kostspielig sind solche großen Produktionen, weshalb denen nur Hollywood gewachsen ist. Florian Gallenberger drehte trotzdem ein Riesenepos a la „Schindler’s Liste“. 18 Millionen Euro kostete ihn sein Film „John Rabe“: kein gewöhnliches Budget für einen deutschen Film. Doch nur 140.000 Zuschauer wollten sich sein Biopic in den deutschen Kinos ansehen. Das hat seinen Grund: Trotz mancher Lichtblicke, epischer Cinemascope-Bilder und der guten Besetzung will sich beim Zuschauer vor lauter Kitsch und Pathos nicht das richtige Gefühl einstellen.

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Wenn man Florian Gallenberger eines nicht absprechen kann, dann ist es Mut. Der Regisseur, 2001 Oscar-Gewinner für den Kurzfilm "Quiero Ser", setzte dem NSDAP-Mitglied "John Rabe" ein filmisches Denkmal. Ideell ein wesentlicher Schritt weg von der ewigen Braun-Weiß-Malerei, hin zu schattierteren Brauntönen. Leider bricht das Epos über den sogenannten Retter von Nanking, das nun auf DVD und BD erscheint, unter dem filmischen Pathos zusammen. In den deutschen Kinos war ihm denn auch nicht der ganz große Erfolg beschieden (140.000 Zuschauer).

Bis Mitte der 90er-Jahre John Rabes Tagebücher auftauchten, kannte kaum jemand das NSDAP-Mitglied - bis 1937 Chef einer chinesischen Siemens-Dependance. Kurz vor seiner Abreise nach Deutschland beginnen die Japaner, Nanking in Schutt und Asche legen. Als die internationale Gemeinschaft vor Ort eine Schutzzone für Zivilisten in der Stadt errichtet, wird Rabe zum Chef ernannt - und bei Florian Gallenberger damit zum Helden, gnadenlos und ohne Zwischentöne. Rabe (glänzend gespielt von Ulrich Tukur) ist wohl vor allem aus Dienstbeflissenheit NSDAP-Mitglied geworden. Ein Nazi auf dem Papier, nicht aus Überzeugung.

Das hoch gehandelte Regie-Talent teilt ein in Gut und Böse, lässt dabei nichts aus - versuchte Vergewaltigungen, willkürliche Erschießungen, hier eine Enthauptung, dort ein Berg von Leichen. Der deutsche "Schindler", der vor allem durch die schauspielerische Leistung der Protagonisten glänzt, ist aufgeladen mit Kitsch und Gefühligkeit, hat aber auch einen wirklich genialen Moment: Beim Bombardement der Japaner wird ausgerechnet die Hakenkreuzflagge zum Schutzschild und rettet hunderten Chinesen das Leben.

Vor allem derartige Bilder kommen in der HD-Version des Dramas großartig zur Geltung. Technisch aufwendige Massenszenen machen den Reiz der Blu-ray-Umsetzung aus, die optisch sonst leider nicht an Hollywood-Standards herankommt, dafür aber mit opulentem DTS-HD-MA-Klang auftrumpft. Die DVD hingegen muss sich mit frontlastigem 5.1-Sound begnügen und kann auch bei den Extras nicht mit dem High-Tech-Silberling mithalten: Auf die gelungene 50-minütige John-Rabe-Doku sowie die BD-Live-Features müssen DVD-Käufer verzichten.

Gregor Jossé

bewertungsbox

bildformat 2,35:1 (anamorph)
sprachen Deutsch (5.1), mehrsprachiges Original (5.1)
untertitel Deutsch, Englisch, Chinesisch
extras Audiokommentar Florian Gallenberger (Regisseur), Ulrich Tukur (Darsteller), Daniel Brühl (Darsteller), Anne Consigny (Darstellerin), Benjamin Herrmann (Produzent) und David Dietl (Creative Assist
laufzeit 129 Min.
tonsystem Dolby Digital
regionalcode Regionalcode 2
preis ca. 18 Euro
bewertung bild befriedigend
bewertung ton gut
bewertung extras gut

Credits:
(D, F, RC 2009, R: Florian Gallenberger, D: Ulrich Tukur, Daniel Brühl, Anne Consigny u.a.)


Florian Gallenbergers "John Rabe" bekam den Beinamen "Der Retter von Nanking" - 200.000 Chinesen verdanken dem Nazi ihr Leben. Das historische Epos steht ab sofort als Kauf-DVD in den Regalen.
Florian Gallenbergers "John Rabe" bekam den Beinamen "Der Retter von Nanking" - 200.000 Chinesen verdanken dem Nazi ihr Leben. Das historische Epos steht ab sofort als Kauf-DVD in den Regalen. (Majestic Filmverleih)

Weil die Japaner mit Deutschland verbündet sind, bietet ausgerechnet die Hakenkreuzflagge Schutz vor Tod und Bomben.
Weil die Japaner mit Deutschland verbündet sind, bietet ausgerechnet die Hakenkreuzflagge Schutz vor Tod und Bomben. (Majestic Filmverleih)

Die Französin Valérie Dupres (Anne Consigny) und der Brite Dr. Wilson (Steve Buscemi) unterstützen Rabe bei seinem Kampf um das Leben der Zivilbevölkerung.
Die Französin Valérie Dupres (Anne Consigny) und der Brite Dr. Wilson (Steve Buscemi) unterstützen Rabe bei seinem Kampf um das Leben der Zivilbevölkerung. (Majestic Filmverleih)

Datum: 03.10.2009

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