logo
Anzeige
Cineastentreff Kino Film Fernsehprogramm Kino Film Die Royal Tenenbaums - mit Gwyneth Paltrow

Die Royal Tenenbaums - mit Gwyneth Paltrow

Die Royal Tenenbaums

(tsch) Eine Senderfamilie ist etwas Praktisches. Jedes Programm kann dort seinen Platz finden. Das eher publikumsträchtige zeigt RTL, intellektuelles Fernsehen für überschaubare Zielgruppen macht vox. Bestes Beispiel: "Die Royal Tenenbaums", ein Film von Regisseur Wes Anderson aus dem Jahr 2001, der zwar über eine überaus populäre Besetzung verfügt, in seiner Erzählsprache jedoch eher ins Nischenfernsehen gehört. So kommt es, dass vox nun eine namhafte Free-TV-Premiere ankündigen darf, der ein TV-Erfolg zu wünschen ist. Im Kino sahen die Komödie gut 300.000 Zuschauer.

Anzeige

 

Wes Anderson leistet Widerstand: gegen gängige Erzählmuster, klischeebeladene Charaktere, vorhersehbare Entwicklungen. Stattdessen erweckt er Figuren zum Leben, denen auch das Wort "Sonderlinge" nur annähernd gerecht wird. Vater, Mutter und ihre drei Kinder sind im Laufe der Zeit vom Weg abgekommen und mäandern fortan durchs Leben, als stünden sie unter Drogeneinfluss: Das ist die Familie "Tenenbaum". Der Normalste ist noch das Oberhaupt, Royal, gespielt von Gene Hackman: Bei ihm laufen die Fäden der Geschichte zusammen, die wie beim Theater in einzelne Akte unterteilt ist, einen Erzähler hat, in einem Fantasie-New-York spielt und aus unzähligen kleinen Bildern, Szenen und Episoden besteht, die teilweise holzschnittartig aneinandergereiht sind.

Royals Kinder sind eine Horde Genies, die in jungen Jahren preisgekrönte Theaterstücke schrieben, auf den internationalen Finanzmärkten Millionengewinne einfuhren oder zu den talentiertesten Jungtennisspielern der Welt gehörten. Doch eines Tages zieht der erfolgreiche Rechtsanwalt Royal aus dem gemeinsamen Haus aus, um fortan in einer Suite des Lindbergh Palace Hotels zu residieren, und zurück bleiben seine Frau Etheline (Anjelica Huston) und drei verstörte Kinder, denen nun nichts mehr gelingen will.

Das einstige Finanzgenie Chas (Ben Stiller) verliert seine Gemahlin bei einem Flugzeugabsturz und läuft seitdem zusammen mit seinen beiden Kindern Tag und Nacht nur noch im roten Trainingsanzug durch die Gegend, um auf alle Notsituationen entsprechend reagieren zu können. Die Autorin Margot (Gwyneth Paltrow) ist mit dem Psychoanalytiker Raleigh St. Clair (Bill Murray) verheiratet, zieht es aber vor, sich tagelang im heimischen Bad einzuschließen und heimlich Zigaretten zu rauchen. Und Richie (Luke Wilson) erleidet auf dem Tenniscourt einen Nervenzusammenbruch, drischt den Ball über die Zuschauertribüne und reist fortan auf Ozeandampfern durch die Welt. Schräg. Schräger. Tenenbaums.

Die Geschichte gewinnt an Fahrt, als Royal wegen unbezahlter Rechnungen aus seiner Hotelsuite rausfliegt und sich unter der Vorspiegelung, in wenigen Wochen an Magenkrebs zu sterben, wieder bei seiner Frau einschleicht. Auch die Kinder kehren in Mutters Schoß zurück, ohne sich jedoch mit Royal versöhnen zu wollen. So muss er sich, nachdem er sich auf seine alten Tage noch einmal auf Werte wie Liebe und Zusammenhalt besinnt, ganz schön ins Zeug legen, um aus dem chaotischen Neurotikerhaufen zumindest eine chaotische Neurotikerfamilie zu formen.

Wie beim Vorgänger "Rushmore" schrieb Wes Anderson auch diesmal die Story (für den Oscar nominiert!) zusammen mit seinem alten Freund Owen Wilson, der zudem als Nachbarsjunge Eli Wiesel in Erscheinung tritt und in seinem Auftreten den anderen in Sachen Skurrilität in nichts nachsteht. Der arme Junge hat sich zeit seines Lebens gegrämt, selbst kein Tenenbaum sein zu dürfen! Die beiden reihen allen Ernstes eine absurde Episode an die andere, gönnen dem Zuschauer keine Verschnaufpause und verbauen ihm von Anfang an herkömmliche Kino-Mechanismen wie Identifikation und Anteilnahme.

Wes Anderson ist Geschmackssache, keine Frage. Die einen sehen in ihm das größte Film-Genie, die anderen halten ihn für einen Scharlatan, der seine eigene Größe selbst als solche empfindet und deshalb mit Vorliebe Filme über Wunderkinder dreht. Doch egal, wie man zu ihm steht: Mit einer Ernsthaftigkeit und Lakonie, die ihresgleichen sucht, schafft er Bilder, die noch lange im Gedächtnis haften bleiben.

Kai-Oliver Derks


Nach über 20 Jahren kehrt der bankrotte Lebemann Royal Tenenbaum (Gene Hackman) zu seiner Familie zurück.
Nach über 20 Jahren kehrt der bankrotte Lebemann Royal Tenenbaum (Gene Hackman) zu seiner Familie zurück. (vox)

Der Lebemann Royal Tenenbaum (Gene Hackman) zeigt plötzlich wieder Interesse für seine Enkelkinder Uzi (Jonah Meyerson, rechts) und Ari (Grant Rosenmeyer).
Der Lebemann Royal Tenenbaum (Gene Hackman) zeigt plötzlich wieder Interesse für seine Enkelkinder Uzi (Jonah Meyerson, rechts) und Ari (Grant Rosenmeyer). (vox)

Die Tenenbaums, eine skurrile Familie. Von links: Richie (Luke Wilson), Margot (Gwyneth Paltrow), Royal (Gene Hackman), Chas (Ben Stiller), Etheline (Anjelica Huston), Henry (Danny Glover), Pagoda (Kumar Pallana) und die Enkelkinder Ari (Grant Rosenmeyer, links) und Uzi (Jonah Meyerson).
Die Tenenbaums, eine skurrile Familie. Von links: Richie (Luke Wilson), Margot (Gwyneth Paltrow), Royal (Gene Hackman), Chas (Ben Stiller), Etheline (Anjelica Huston), Henry (Danny Glover), Pagoda (Kumar Pallana) und die Enkelkinder Ari (Grant Rosenmeyer, links) und Uzi (Jonah Meyerson). (vox)

Datum: 05.01.2006

Artikel ID 162847

Weitere Artikel, die Sie interessieren könnten:

    DO: Naked Lunch
    Vernunft ist nicht alles. Schon gar nicht bei einem Regisseur wie David Cronenberg. Das filmische Universum des Kanadiers ist ein Labyrinth, in dem sich der Zuschauer ganz schnell verläuft. Wer nach Erklärungen ...

    FR: Wonderland
    "John sah nicht gut aus, John war nicht schlau, John war nicht mutig. Aber John hatte ein Riesending und konnte damit umgehen. Ich rede hier von der Größe eines Unterarms", sagen seine Zeitgenossen über ...

    Gone Baby Gone
    Ben Affleck zu kategorisieren, ist nicht sonderlich schwer. Entweder man mag ihn, weil er oberflächlich schillert, seit seinem überraschenden Drehbucherfolg mit "Good Will Hunting" hin und wieder eine ...

    Maria voll der Gnade
    "Maultiere" nennt man kolumbianische Drogenkuriere, die Dutzende mit Kokain gefüllte Kondome schlucken und damit in die USA reisen. Die Bezahlung für den Job ist zwar nicht übel, das Risiko aber ungleich ...

    Blow
    Mit der offensichtlich populären Wahl der Akteure für sein biografisches Drama "Blow" lag Regisseur Ted Demme richtig. Für die beiden weiblichen Darsteller, Penélope Cruz und Franka Potente, ging es damals, ...

    Last Days
    Nach eher kommerziellen Filmen wie "To Die For", "Good Will Hunting" und "Forrester - Gefunden!" vollendete Regisseur Gus Van Sant mit "Last Days" (2004) seine Low-Budget-Trilogie, der "Gerry" und "Elephant" ...


 
Anzeige
livedome
Konzert-DVD im Stream
Gentleman
Gentleman am 27.04. ab 20.00 Uhr als » Musikstream

Anzeige
.
Partner von Fantastic Zero


itemid = 35 - id = 774 - task = view - option = com_content - limitstart= 0