logo
Anzeige
Cineastentreff Kino Film Fernsehprogramm Kino Film American History X

American History X

American History X

(tsch) In Deutschland tut man sich bei der filmischen Auseinandersetzung mit Neonazis vergleichsweise schwer. Franziska Trenner zum Beispiel weigerte sich in ihrem Dokumentarfilm "No Exit" (2003), ein politisches Statement abzugeben. Auch Winfried Bonengel enthält sich im Spielfilm "Führer Ex" (2002) eines Kommentars, hatte aber schon 1993 in "Beruf: Neonazi" die Strukturen und Herangehensweisen der Szene beklemmend herausgearbeitet. Diese Dokumentation stünde fast alleine im (Film-)Raum. Wäre da nicht der kontrovers diskutierte "American History X" (1998), der sich mit präzisem Blick in der Neonazi-Szene der USA umschaut und sich auch ein Urteil erlaubt. ProSieben zeigt die bildgewaltige Abrechnung mit Gewalt und Faschismus in einer Wiederholung.

Anzeige

 

Freilich ist Tony Kayes Film keine deutsche Produktion - die Berührungsängste mit dem sensiblen Thema waren für den Briten wohl geringer, als für deutsche Regisseure. Kaye provoziert und bot den Kritikern ein gefundenes Fressen. Die beschäftigten sich am liebsten mit der Frage, ob ein Film über Rassismus ästhetisch sein darf?

Denn der Film besteht im Grunde aus zwei Teilen, wobei es vor allem der erste ist, der für Zündstoff sorgte. In ästhetischen Bildern stellt Regisseur Tony Kaye seinen Protagonisten als charismatischen und intelligenten, jungen Mann dar, der die Zuschauer zu faszinieren versucht. Erst in der zweiten Hälfte wird das faschistische Gedankengut als Lüge entlarvt.

Derek (Edward Norton) steht im Mittelpunkt der Geschichte. Eines Nachts tötet der Rechtsradikale ebenso kaltblütig wie brutal drei Schwarze, die sein Auto knacken. Als ihn die Polizei festnimmt, ergibt er sich mit ausgestreckten Armen - wie Christus am Kreuz. Drei Jahre später wird er entlassen. Er ist kraftlos, nachdenklich und hat seiner rechten Überzeugung abgeschworen. Zu seinem Entsetzen muss er feststellen, dass sein 16-jähriger Bruder Danny (Edward Furlong) zum fanatischen Skinhead geworden ist. Derek beginnt einen verzweifelten Kampf gegen seine alten Freunde und um die Seele seines Bruders.

Für den Werbefilmer Tony Kaye war "American History X" der erste und bislang letzte veröffentlichte Kinofilm. Noch während der Endphase distanzierte sich der Brite vom Werk, da die Produktionsfirma seine geschnittene Version nicht akzeptierte. Vor der Veröffentlichung wehrte er sich in ganzseitigen Zeitungsannoncen dagegen. Im Jahr 2002 führte Kaye bei "Snow Blind" Regie, einem Paranoia-Thriller über den Kokainschmuggel, der bislang nirgendwo zu sehen war.

Das könnte sich bald ändern. Der Regisseur soll in diesem Jahr bei zwei Filmen Regie führen: In "Reaper" geht es um einen Privatdetektiv, der sich im Grenzland von Moral und Unmoral bewegt und "Paranoia" erzählt die Geschichte einer Frau, die nach einem Gedächtnisverlust des Mordes angeklagt wird. Vielleicht taucht dann auch "Snow Blind" wieder aus der Versenkung auf.

Sabine Sonntag


Skinhead Derek Vinyard (Edward Norton) erschießt zwei Schwarze, als sie sein Auto stehlen wollen.
Skinhead Derek Vinyard (Edward Norton) erschießt zwei Schwarze, als sie sein Auto stehlen wollen. (ProSieben / Kinowelt Filmverleih)

Mit der Hilfe des Schuldirektors Sweeney (Avery Brooks, links) will Derek Vinyard (Edward Norton) seinen Bruder Danny aus den Fängen des Rechtsextremismus befreien.
Mit der Hilfe des Schuldirektors Sweeney (Avery Brooks, links) will Derek Vinyard (Edward Norton) seinen Bruder Danny aus den Fängen des Rechtsextremismus befreien. (ProSieben / Kinowelt Filmverleih)

Um seinen Bruder aus dem Neo-Nazi-Sumpf zu ziehen, legt sich der Ex-Skin Derek (Edward Norton, rechts) mit dem Nazi-Führer Alexander (Stacy Keach) an.
Um seinen Bruder aus dem Neo-Nazi-Sumpf zu ziehen, legt sich der Ex-Skin Derek (Edward Norton, rechts) mit dem Nazi-Führer Alexander (Stacy Keach) an. (ProSieben / Kinowelt Filmverleih)

Datum: 06.01.2006

Artikel ID 163063

Weitere Artikel, die Sie interessieren könnten:

    DO: Naked Lunch
    Vernunft ist nicht alles. Schon gar nicht bei einem Regisseur wie David Cronenberg. Das filmische Universum des Kanadiers ist ein Labyrinth, in dem sich der Zuschauer ganz schnell verläuft. Wer nach Erklärungen ...

    FR: Wonderland
    "John sah nicht gut aus, John war nicht schlau, John war nicht mutig. Aber John hatte ein Riesending und konnte damit umgehen. Ich rede hier von der Größe eines Unterarms", sagen seine Zeitgenossen über ...

    Gone Baby Gone
    Ben Affleck zu kategorisieren, ist nicht sonderlich schwer. Entweder man mag ihn, weil er oberflächlich schillert, seit seinem überraschenden Drehbucherfolg mit "Good Will Hunting" hin und wieder eine ...

    Maria voll der Gnade
    "Maultiere" nennt man kolumbianische Drogenkuriere, die Dutzende mit Kokain gefüllte Kondome schlucken und damit in die USA reisen. Die Bezahlung für den Job ist zwar nicht übel, das Risiko aber ungleich ...

    Blow
    Mit der offensichtlich populären Wahl der Akteure für sein biografisches Drama "Blow" lag Regisseur Ted Demme richtig. Für die beiden weiblichen Darsteller, Penélope Cruz und Franka Potente, ging es damals, ...

    Last Days
    Nach eher kommerziellen Filmen wie "To Die For", "Good Will Hunting" und "Forrester - Gefunden!" vollendete Regisseur Gus Van Sant mit "Last Days" (2004) seine Low-Budget-Trilogie, der "Gerry" und "Elephant" ...


 
Anzeige
livedome
Konzert-DVD im Stream
Gentleman
Gentleman am 27.04. ab 20.00 Uhr als » Musikstream

Anzeige
.
Partner von Fantastic Zero


itemid = 35 - id = 775 - task = view - option = com_content - limitstart= 0